enkeltauglich leben

Podcast: Aufhören!

ein Dialog zwischen Johannes Heimrath und Harald Welzer

Für alle, die die »Gedanken für eine wärmere Welt« auf der letzten Seite von Oya vermissen: ein Dialog zwischen Johannes Heimrath und Harald Welzer.
»Aufhören!« – zu diesem Thema schreibt Harald Welzer, nachdem er einen Herzinfarkt knapp überlebt hat, derzeit ein Buch. Johannes Heimrath war ihm in der Sache eine Nasenlänge voraus, er hatte gerade aus freien Stücken aufgehört, als Herausgeber von Oya zu fungieren und die Aufgabe, den Gründungsimpuls von Oya zu hüten, war auf jüngere Schultern übergegangen. Und weil er schön früher von guten Beendigungen und Übergaben erzählt hatte, wollte sich Harald Welzer mit ihm über dieses Lebensthema austauschen. Die beiden hatten sich, kurz nach Veröffentlichung der März-Oya, viel zu sagen, und sie waren damit einverstanden, dass ihr Gespräch auf der Oya-Website gesendet wird.


Ihr Austausch stand in der Tradition unserer Bankgespräche mit dem Futurzwei-Mitbegründer. Als Johannes und ich im Jahr 2012 die MacPlanet-Konferenz in der TU Berlin besuchten, angelte ich Harald Welzer bereits am Eingang etwa eine Stunde vor seinem geplanten Vortrag von der Fußmatte, auf der er unschlüssig stand, und kurz darauf streckte er neben Johannes Heimrath und mir auf einer warm besonnten Parkbank die Beine aus. Die beiden Männer saugten jeweils an einer Fritz Cola, und ich konsumierte, glaube ich, mit schlechtem Gewissen (zu süß? bio? nachhaltig? Nee!) eine Fritz Fanta. Harald schien dankbar zu sein, mit uns in Ruhe »einfach nur sitzen« zu können und nichts abliefern zu müssen.


Wir plauderten über Gott und die Welt. Johannes dachte laut über den Gedanken nach, eine »Youth & Elders Alliance« ins Leben zu rufen, um die Generationen bewusster miteinander zu verknüpfen. Darauf erzählte Harald zustimmend von einem Festival, an dem sein Sohn im vorigen Sommer teilgenommen hatte. Es habe »Morgenland« geheißen, und die jungen Leute hätten »einfach etwas Enkeltaugliches tun« wollen. »Enkeltauglich?«, rief Johannes. »Das ist ja genial!« Und seitdem verbreitet Oya unermüdlich diesen Begriff und erhob ihn zuletzt sogar zum Motto im Untertitel.


Seit jenem Bankgespräch sind wir auf eine eigentümliche Weise befreundet. Für mich ist es eine dieser Langzeit-Freundschaften, die immer dann lebendig sind, wenn wir uns treffen oder auch nur sprechen, und der lange Phasen der Stille keinen Abbruch tun. Für Johannes zählt Harald zu den Fixstern-Freunden in der großen gemeinsamen Denkraum-Allmende. In seinem Beitrag zu dem Buch »Welzers Welt« schrieb er: »Lieber Harald, aus dem guten Dutzend Menschen, mit denen ich kontinuierlich zu sprechen pflege – virtuell natürlich, meist auf der Autobahn […] – bist du einer der herausfordendsten.« Die beiden Männer sind sich in gewisser Hinsicht ähnlich, ich wiederum entwickelte eine ähnliche Langzeitverbindung zu Dana Giesecke, ebenfalls Futurzwei-Mitbegründerin.


Obwohl ich an dem Videogespräch, das wir hier nun senden, nicht teilnahm, sondern nur zwischendrin mal Hallo sagte, als ich mich mit Johannes’ und meinem Sohn Veit-Peregrin auf den Weg zu unseren Hühnern machte, fühlte ich mich eingeschlossen. – Veits Freundschaft mit den Hühnern wird wohl lebenslang bleiben, womit wir wieder beim Thema sind.


Nun übe ich mich auch im Aufhören und empfehle allen, die Johannes’ Schlussworte in der Oya unter der Überschrift »Gedanken für eine wärmere Welt« vermissen, wärmstens, in diese, wie ich finde, herzerwärmende, lustige, tiefgründige und persönliche Sendung von »Radio Oya« hineinzuhören.


Lara Mallien