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Berlin ist mein Sprungbrett

von Beate Küppers , Johannes Heimrath , Lara Mallien , erschienen in 02/2010

Lara Mallien und Johannes Heimrath sprachen mit Beate Küppers über ihren Ausstieg aus einem Gemeinschaftsprojekt und die Suche nach einem neuen Lebensort.

Als wir uns zuletzt in Berlin getroffen haben, meintest du, es sei für dich stimmig, nach einer Zeit des Gemeinschaftslebens auf dem Land wieder in der Stadt zu sein. Was hat dich in die Hauptstadt geführt?

Für mich steht ein neuer Lebensabschnitt an. Von Berlin aus komme ich schnell überall hin in Deutschland, kann Termine machen, viele neue Menschen kennenlernen und mich nach einem passenden Arbeitsplatz umsehen. Ich habe gerade eine Fortbildung als Beraterin für EU-Mittel abgeschlossen und suche nach einem Ort, an dem ich weitere Berufspraxis im Bereich Fundraising erwerben kann. Gerade tut sich möglicherweise in Mannheim eine neue Perspektive auf.

Was war denn dein ursprünglicher Beruf?

Ich habe eine Ausbildung als Bäckerin. Ein Studium hat mich nie gereizt. Nach dem Abitur ging ich zuerst auf einen Biohof. Dort war ich für das Brotbacken zuständig, arbeitete aber auch auf dem Feld und im Stall. Man hatte dort eine Achtzig-Stunden-Woche, und irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich meinen Horizont auf zehn Hektar Land und achtzig Stunden Knochenarbeit begrenzen wollte. Schließlich bin ich in Wuppertal in einer ökologischen Bäckerei namens »Lembas« gelandet. Lembas heißt das Brot der Elben im »Herrn der Ringe«. Nebenbei habe ich dort eine Ausbildung gemacht und bin tatsächlich Bäcker-Gesellin.

Warum bist du dann auch aus dem Bäckerinnen-Dasein ausgestiegen?

Das hängt mit einer chronischen Krankheit zusammen, die mich seit meiner Kindheit begleitet. Ich hatte deswegen verschiedene Körpertherapien angefangen und wollte selbst therapeutisch arbeiten. Eine Ausbildung als Physiotherapeutin schien mir dafür eine gute Grundlage, die auch in einem konventionellen Umfeld anerkannt ist. In einer Nische konnte ich mir dann auch eine berufliche Existenz schaffen: als mobiler Massage-Service auf Messen oder anderen Business-Veranstaltungen im Raum Frankfurt. Damals lebte ich am Stadtrand von Frankfurt in einem Zirkuswagen. Jeden Morgen habe ich meinen Massagestuhl aufs Fahrrad gezurrt und bin in die Innenstadt geradelt. Dort habe ich zum Beispiel müde Börsianer massiert und mir manchal gedacht: »Wenn ihr wüsstet, dass ich heute Morgen aus einem Zirkuswagen geklettert bin …«

Es ist doch spannend, wenn sich verschiedene Subkulturen begegnen. Warum bist du nicht in Frankfurt geblieben?

Ich hatte immer den Traum, in einer Gemeinschaft zu leben. Schon zweimal hatte sich in meinem Umfeld eine Gruppe zusammengefunden, aber unsere Plänen haben sich immer wieder zerschlagen.

Trotzdem war ich in einen gemeinschaftlichen Zusammenhang eingebunden, nämlich in die Artabana-Bewegung. Das Artabana-Modell ist eine alternative Gesundheitsversorgung, die auf solidarischen Netzwerken aufbaut. Ich habe mich einige Jahre im Vorstand des Artabana e. V. engagiert. Dort lernte ich die Menschen kennen, die sich auf einem großen Grundstück am Tollensesee in Mecklenburg Vorpommern zusammengefunden hatten, um dort eine Gemeinschaft zu gründen.

Du bist dann ja eingestiegen in die Gruppe, die den »Tollense Lebenspark« aufgebaut hat. Was hat dich dorthin gezogen?

Alles hat gezogen: Die Menschen, die ich aus dem Artabana-Umfeld kannte, das traumhafte Gelände, die Aufbruchsstimmung und der Elan, sich an einem Experiment für zukunftsfähige Gesellschaftsformen zu beteiligen. Ich dachte: Das ist meine Chance, jetzt muss ich springen, sonst bleibe ich hier in Frankfurt ewig auf meinem Massagestuhl sitzen.

Der Neubeginn am Tollense-See war eine gute Zeit, die ich nicht missen möchte. Aber ich musste lernen, dass der Lebens­park nicht mein Projekt ist. Durch den Tod zweier Mitglieder der Gemeinschaft entstand in meiner Wahrnehmung ein Ungleichgewicht in der gesamten Konstellation, die für mich schwierig war. Als ich im Jahr 2008 erneut einen heftigen Krankheitsschub bekam, war mir klar, dass es offenbar nicht meine Lebensaufgabe ist, in den Aufbau dieser Gemeinschaft zu investieren, sondern in die Wiedergewinnung meiner eigenen Kraft. Nach einer Operation und einer langen Genesungszeit fühle ich mich inzwischen wieder stark genug für neue Aufgaben.

Hast du dir durch deine Ausbildung zur Fundraiserin eine Ressource geschaffen, die dir Unabhängigkeit beschert?

Meine Motivation ist, gute Projekte, ­denen es an Geld fehlt, mit Know-how zu unterstützen. Ich will noch mehr lernen, um mich wirksam dort einbringen zu können, wo ich es wichtig finde. Es kommt auch schon vieles auf mich zu. Letztes Jahr war ich an einem Schiffsprojekt für Jugendliche beteiligt, und gerade entwickelt sich ein neues Projekt, bei dem es um neue Formen bürgerschaftlicher Partizipation geht. Ich bin sicher, dass auf mich die richtigen Herausforderungen zukommen werden.

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