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Raus aus dem ­Getriebe

Schichtarbeit bei VW? Der Mechaniker Roland
Flemming wagt den Aufbruch.

von Dieter Halbach , erschienen in 02/2010

Aus der Lausitz nach Wolfsburg
»Ich könnte mich um die Landwirtschaft kümmern oder auch um Mobilität – die Autos hier instandhalten«, so stellt sich Roland ­Flemming den Ökodörflern in Sieben Linden vor. Er ist 44 Jahre alt und arbeitet im nahegelegen VW-Werk Wolfsburg.

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in der Lausitz, hatte er nach der Wende zunächst vor, den elterlichen Hof weiterzuführen. Doch es fehlte an Geld und Kraft, um wieder ganz bei Null anzufangen. In Zeiten der Arbeitslosigkeit zerfiel der erste Lebenstraum. Schließlich gab es einen Job in Augsburg, und das hieß Pendeln: Seine Frau blieb mit dem Kind im neugebauten Haus in der Lausitz. Nach einiger Zeit war ihm klar: Es muss sich etwas ändern. Da kam das Arbeitsangebot von VW aus Wolfsburg. »Auto 5000« hieß hier ein Experiment, in dem mit kleinen Teams, flachen Hierarchien und integrierter Fortbildung Prozesse optimiert werden sollten. Es ging dort fast so zu »wie im sozialistischen Betrieb«, meint Roland. Bald war er verantwortlich für »Qualitätsmanagement« – er musste die Fehler im Produktionsablauf korrigieren. Das hieß, genau hinzuschauen, und dabei stieß er bald auf den quasi »sozialistischen« Sand im kapitalistischen Getriebe: Pfusch wird gedeckt, Faulheit belohnt und seine Ehrlichkeit bestraft. Dieser »Kampf gegen Windmühlenflügel« macht müde, und den Rest besorgt die Schichtarbeit.

Marmelade und Selbstbewusstsein – handgemacht
So will Roland nicht weitermachen. Ein Kollege erzählte ihm vom Ökodorf Sieben Linden, und Roland nahm dort an den »Einmachwochen« teil, wo im Herbst gemeinschaftlich Vorräte eingekocht werden. Er und sein Kollege beginnen, sich bewusst zu ernähren, sie sind schon bei 80 Prozent Bio. Sie unterhalten sich über Gott und die Welt. Zu Beginn dieser Entwicklung hat der Kollege sogar Arbeitszeit von Roland übernommen, damit der Zeit hat, zu lesen und das Leben zu genießen.

So beginnt der Ausstieg. Schritt für Schritt soll es weitergehen. Zunächst will Roland zwischen dem Ökodorf und Wolfsburg pendeln und auf Halbtagsarbeit umstellen, dann einen Freistellungsantrag stellen und seine Probezeit in Sieben Linden beginnen. Vorerst beginnt montags aber immer sein altes Leben. Vielleicht werden die Kollegen wieder frotzeln: »Na, warst du wieder Marmelade ­kochen im Ökodorf?« Aber inzwischen perlt das an Rolands neuem Selbstbewusstsein ab. Er hat nicht nur Einweck-Techniken gelernt, sondern auch, Kommunikationswerkzeuge zu bedienen und zu dem zu ­stehen, was ihm wichtig ist.

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