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Warum Expertinnen und Experten die Erdüberhitzung unterschätzen …

… und was dagegen zu tun ist.

von Dale Jamieson , Michael Oppenheimer , Naomi Oreskes , erschienen in 56/2019

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Vor Kurzem kündigte der britische meteo­rologische Dienst »Met Office« eine Revision der vom »Hadley Centre for Climate Prediction and Research« erstellten historischen Analyse der Meeresoberflächen­temperaturen an. Es sei anzunehmen, dass die Ozeane sich um rund 0,1 Grad Celsius stärker erwärmt haben, als bisher gedacht. Die Überarbeitung der Daten war überfällig: Früher wurden die Temperaturen der Meeresoberflächen mit Hilfe offener Eimer, von mit Schafwolle umwickelten Thermometern oder Beuteln aus Segeltuch und weiteren, ähnlich fehleranfälligen Methoden gemessen. Erst in den 1990er Jahren entwickelten Ozeano­grafen einheitliche und zuverlässige Messbojen, die sie miteinander vernetzten.
Anschließend mussten Techniken gefunden werden, mit denen die historischen Messungen korrigiert und an die neuen Werte angeglichen werden können, um ein lückenloses Bild der langfristigen Entwicklung zu erhalten. Unter der Leitung des Hadley Centers ist das nun gelungen. Der Neue Datensatz »HadSST4« ist als wichtiger Beitrag zu unserem Verständnis des globalen Klimawandels höchst willkommen.
Hier endet die gute Nachricht. Da die Ozeane drei Fünftel der Erde bedecken, bedeutet diese Korrektur, dass die bisherigen Schätzungen der globalen Erderwärmung zu niedrig angesetzt waren. Zudem wurde jüngst berichtet, dass die Unterwasserschmelze, die den Zerfall von Schelfeis und Gletschern antreibt, an dem sorgfältig untersuchten Messpunkt wesentlich – und zwar um bis zu zwei Größenordnungen – schneller voranschreitet, als theoretisch vorhergesagt. Das nährt weiteren Zweifel an den aktuellen Annahmen zum Anstieg des Meeresspiegels.
Diese neuesten Daten besagen, dass der Klimawandel und dessen Auswirkungen schneller voranschreiten, als es die Klimaforscher bislang annehmen. Der Befund passt zu Beobachtungen von uns und anderen Kollegen, aus denen wir ein Verhaltensmuster ableiten können: Bei der Bewertung der Klimadaten werden bestimmte Schlüsselindikatoren – und damit auch die Gefahren des Klimawandels – unterschätzt! Wann immer die fortschreitende Klimaforschung neue, umfangreichere oder bessere Daten liefert oder die Revision alter Daten ermöglicht, fallen die Ergebnisse hinsichtlich Eisbedeckung, Meeresspiegelanstieg und Ozeantemperatur grundsätzlich schlechter aus als die zuvor geltenden Einschätzungen.
Konsequente Unterschätzung ist eine Form von Voreingenommenheit – einer systematischen Tendenz, sich in die eine oder die andere Richtung zu verbiegen. Woher aber kommt diese Voreingenommenheit bei der wissenschaftlichen Analyse des Klimasystems?
Die Frage ist aus zweierlei Gründen wichtig: Zum einen werfen Klima­wandel­skeptiker und -leugner den ­Klima­for­schern häufig vor, die Gefahren der Erderwärmung aufzubauschen – doch die Fakten zeigen, dass diese nicht nur nicht übertrieben, sondern sogar untertrieben haben. Das ist für die Interpretation wissenschaftlicher Erkenntnisse, für die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung und für das öffentliche Verständnis der Dringlichkeit der Klimafrage von hoher Bedeutung. Zum anderen ist Objektivität ein Kernprinzip wissenschaftlicher Arbeit. Wenn wir also Hinweise darauf haben, dass eindeutige Befunde in die eine oder andere Richtung – hin zu Alarmismus oder zu Selbstgefälligkeit – verzerrt werden, muss uns das Sorgen machen. Wir sollten versuchen, die Ursache für diese Voreingenommenheit zu finden und möglichst zu beseitigen.
In unserem neuen Buch »Discerning Experts« (»Fachleute von Fachleuten unterscheiden«) haben wir untersucht, wie sich wissenschaftliche Bewertungen auf die Politik auswirken. Dabei interessierten wir uns besonders für die internen Mechanismen beim Zustandekommen wissenschaft­licher Urteile: Wie genau gelangen Forscherinnen und Forscher, die sich mit der Bewertung von Messergebnissen befassen, zu ihren Einschätzungen? Unter anderem wollten wir herausfinden, wie Wissenschaftler auf Druck reagieren – unterschwellig oder beflissen –, wenn sie wissen, dass ihre Schlussfolgerungen über die Forschungsgemeinschaft hinaus verbreitet werden – kurz, wenn sie wissen, dass die Welt zuschaut. Der Überzeugung, dass wissenschaftliche Erkenntnisse der Politik den Weg weisen sollten, liegt das Vertrauen in die hohe Qualität dieser Erkenntnisse zugrunde sowie die Annahme, dass deren Deutung durch die Forschergemeinde weitestgehend korrekt ist. Bislang jedoch wurde diese Annahme so gut wie nie genauer überprüft.
Wir fanden wenig Grund zur Annahme, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Berichterstattung an sich anzuzweifeln wären. Wir fanden keine Hinweise auf Betrug, Dienstvergehen oder bewusste Irreführung und Manipulation. Auch fanden wir keinen Grund, daran zu zweifeln, dass wissenschaftliche Gutachten die Ansichten der jeweiligen Experten­gemeinden akkurat widerspiegeln. Wir fanden jedoch heraus, dass Klimaforscher dazu neigen, das Ausmaß von Gefahren und das Tempo, in dem diese zunehmen können, zu unterschätzen.
Zu den Faktoren, die zu dieser Unterschätzung beitragen, scheint das gefühlte Bedürfnis nach Konsens zu gehören – ­danach, was wir »Einigkeit« nennen: das gefühlte Bedürfnis, mit einer Stimme zu sprechen. Viele Wissenschaftler befürchten, öffentlich ausgetragene Uneinig­keit würden Regierungsvertreter als mangelnde Sachkenntnis missverstehen und zur Rechtfertigung ihrer Untätigkeit nutzen. Andere befürchten, selbst handlungswilligen politischen Entscheidern könnte das Handeln schwerfallen, wenn von der Klimaforschung keine eindeutige Botschaft ausginge. Deshalb ringen sie intensiv um einen gemeinsamen Nenner und konzentrieren sich auf unstrittige Bereiche. Und manches Mal legen sie ledig­lich diejenigen Schlussfolgerungen vor, denen alle zustimmen können.
Weshalb aber führt dies zu genereller Unterschätzung? Stellen Sie sich folgenden Fall vor: Die meisten Wissenschaftler meinen, die korrekte Antwort auf eine bestimmte Frage liege im Spektrum zwischen 1 und 10, doch manche glauben, sie könnte auch 100 lauten. In diesem Fall werden alle der Antwort zustimmen: »Mindestens 1 bis 10 ist korrekt.« Nicht alle aber werden der Antwort zustimmen: »Auch 100 könnte korrekt sein.« Somit liegt der Bereich, in dem man sich einig ist, zwischen 1 und 10 – und dieser wird als Konsens veröffentlicht. Das gilt immer, wenn in einem Spektrum von Daten die Messwerte so verteilt sind, dass sie sich an einem Ende häufen und es nur wenige, aber deutlich zum anderen Ende hin abweichende Werte gibt. In der Wahrscheinlichkeitsrechnung spricht man dann von einer »rechts-« oder »linksschiefen« Verteilungskurve. Der Bereich der Einigung liegt somit an jenem Ende der Kurve, das die Mehrzahl der Werte – in unserem Beispiel also die niedrigen – versammelt. In Balkendiagrammen werden zwar sogenannte Fehlerbalken dazu genutzt, um das gesamte Spektrum der Messergebnisse auszudrücken, doch ein Konsens über das obere Ende der Fehlerschätzung ist häufig nur schwer zu erzielen.
Womöglich rührt der Drang zur Einigkeit auch von einem Denkansatz her, der Fakten als etwas ansieht, auf das sich alle vernünftigen Menschen einigen können sollten – im Gegensatz zu persönlichen Meinungen und Urteilen, die meist unvereinbar erscheinen. Man befürchtet, die Schlussfolgerungen aus einer Studie könnten nicht nur von gegnerischen Kri­tikern, sondern auch vom eigenen Lager lediglich als Meinung anstatt als Fakten betrachtet und daher zurückgewiesen werden, wenn es ihnen an Einhelligkeit mangelt. Der Drang zum Konsens kann somit dazu führen, dass die Interpretationen von Studienergebnissen nicht als Summen von Wertungen dargestellt, sondern als Tatsachen präsentiert werden.
Dieser Impuls, Einigkeit zu erzielen, wurde bei der Debatte zum Vierten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC besonders erkennbar, als es darum ging, das Risiko des Zerfalls des Westantarktischen Eisschilds einzuschätzen. Nahezu alle Experten waren sich darin einig, dass es ein solches Risiko mit der zunehmenden Erwärmung des Weltklimas gebe. Manche dachten jedoch, es läge in ferner Zukunft, während andere von einem wesentlich früheren Zeitpunkt ausgingen. Die Sache wurde dadurch erschwert, dass einige Forscher der Ansicht waren, die verfügbaren Daten reichten schlichtweg nicht aus, um eine fundierte Einschätzung der kurzfristigen Risiken zu treffen, und deshalb gar keine Prognose wagten.
Alle stimmten jedoch darin überein, dass, falls der Westantarktische Eisschild nicht bald auseinanderbricht, dies in jedem Fall auf längere Sicht eintreten wird. Der unstrittige Bereich lag somit am Ende des möglichen Zeithorizonts. Exakt dies wurde dann auch veröffentlicht – und prompt wurde daraus geschlossen, es gebe kein unmittelbar bevorstehendes Risiko. Das Ergebnis folgte dem kleinsten gemeinsamen Nenner, und inzwischen wissen wir so gut wie sicher, dass die präsentierte Gefahrenlage zu niedrig eingeschätzt war.
Hier wird ein deutlicher Unterschied zur akademischen Wissenschaft sichtbar, wo kein besonderer Druck herrscht, innerhalb einer bestimmten Frist Einigkeit zu erzielen (außer vielleicht in einer Forschergruppe, die Ergebnisse publizieren oder einen Förderantrag fristgerecht einreichen möchte). Im Gegenteil: Gerade indem sie ihren Kollegen widersprechen – noch dazu, wenn diese bekannt sind –, können Wissenschaftler Aufmerksamkeit erregen und manchmal auch zu eigenem Ruhm gelangen. Die Belohnungsstrukturen des akademischen Lebens fordern und fördern Kritik und Widerspruch; die inneren Mechanismen bei der Folgenabschätzung hingegen drängen in Richtung Einhelligkeit.
Ein zweiter Grund, warum Risiken unterschätzt werden, liegt in der Befangenheit von Wissenschaftlern bei der Abwägung von möglichen Fehlern und deren Auswirkungen auf ihren Ruf: Viele befürchten einen Glaubwürdigkeitsverlust, wenn sie eine Gefahr überbewerten. Eine Unterbewertung hingegen habe geringe oder keine Auswirkungen auf ihre Reputation. Gerade in der Klimaforschung versetzt das Trommelfeuer der Klimawandelleugner nicht wenige Wissenschaftler in die Angst, als »Alarmisten, die Gefahren aufbauschen«, bezichtigt zu werden. Vor diesem Hintergrund lassen sich manche dazu hinreißen, die ­Risiken besonders stark herunterzuspielen, nur um dem Stereotyp des Panikmachers zu entgehen und Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Viele Wissenschaftler verteidigen solche Unterbewertungen als »vorsichtig«, weil sie selbst angesichts der Frage, wann und wie lautstark die Alarmglocke geläutet werden müsse, eher zur Vorsicht neigen. Ob dieses Verhalten sinnvoll ist, darf jedoch in Frage gestellt werden, denn Unterbewertung ist eben gerade kein Ausweis von Vorsicht, wenn es darum geht, Menschen angemessene Vorbereitungszeit auf Ausnahmesituationen zu geben (zum Beispiel bei einem herannahenden Hurrikan oder Tornado oder einem drohenden Erdbeben). In der Debatte zum Vierten Sachstandsbericht des IPCC über die Frage, wie rasch das Abschmelzen des Westantarktischen Eisschilds voranschreitet, konnten sich die­jenigen Forscher durchsetzen, die die Gefahr gering einschätzten, denn viele der übrigen Beteiligten fühlten sich mit einer Bewertung, die sie als »vorsichtig« empfanden, schlichtweg wohler als mit einem schärferen Urteil.
Das Zusammenspiel dieser drei Faktoren – der Drang zur Einig­keit; der Glaube, dass Vorsicht gesellschaftlichen und politischen Schutz biete; und die Weigerung, überhaupt Prognosen abzugeben, wenn die verfügbare Datenlage widersprüchlich ist – kann zu Ergebnissen des kleinsten gemeinsamen Nenners führen: zu schwachen oder unvollständigen Schlussfolgerungen von minimaler Aussagekraft.
Hinzu kommt: Gilt ein Konsens als Verpflichtung, meiden Wissenschaftler womöglich die Diskussion heikler Themen, über die Uneinigkeit besteht (die aber dennoch wichtig sein können), oder sie schließen bestimmte Experten aus, die für ihre »kontroversen« Ansichten bekannt sind (aber dennoch über einschlägige Sachkenntnis verfügen können). Ebenso werden sie sich bewusst oder unbewusst davor scheuen, extreme Ergebnisse zu publizieren. (An anderer Stelle haben wir diese Tendenz »Erring on the Side of Least Drama – ESLD«, »Irren auf der Seite des geringsten Dramas«, genannt.) Kurzum, der Drang nach Zustimmung und Vorsicht kann andere wichtige Ziele unterwandern, inklusive Vollständigkeit, Genauigkeit und Verständnis.
Wir behaupten weder, dass jedes Beispiel von Unterschätzung allein durch die Faktoren, die wir in unserer Arbeit beobachtet haben, verursacht werde, noch dass das Bedürfnis nach Konsens immer zu übervorsichtigen Einschätzungen führe. Ohne genaue Prüfung jedes Einzelfalls können wir nicht sicher sagen, ob die von uns beobachteten Verhaltensmuster am Werk sind oder nicht. Wir konnten aber feststellen, dass das Unterschätzungsmuster, das wir in der Debatte um den Westantarktischen Eisschild beobachtet haben, auch die Berichterstattung über sauren Regen und das Ozonloch beeinflusst hat.
Zudem können wir bestätigen, dass auch die institutionel­len Aspekte der Bewertung – Wer sind die Autoren, und wie wurden sie ausgewählt? Wie wurde das Material in Kapitel gegliedert? Gibt es Anweisungen, die den Konsens einfordern? – dazu beitragen, die Schlussfolgerungen in Richtung wissenschaftlicher Vorsicht abzumildern. Unseren Erkenntnissen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass Wissenschaftler bei ihrer gutachterlichen Tätigkeit das von den Daten vermittelte Gefahrenpotenzial unterschätzen, höher, als dass sie es überbewerten.
In unserem Buch sprechen wir konkrete Empfehlungen aus. Auch wenn ein wissenschaftlicher Konsens generell erstrebenswert erscheint, raten wir dazu, Einigkeit nicht zum Ziel der Berichterstattung zu machen. Je nach wissenschaftlichem Kenntnisstand kann sich aus der Auswertung von Sachständen ein Konsens ergeben oder auch nicht – dieser sollte jedoch nicht als etwas betrachtet werden, das unbedingt erreicht, geschweige denn erzwungen werden müsse. Wo Meinungen beträchtlich auseinanderstreben, sollten diese gewürdigt und (soweit möglich) begründet werden. Die Wissenschaftsgemeinde sollte zudem dafür offen sein, mit alternativen Modellen zur Erstellung und Veröffentlichung gemeinschaftlicher Urteile zu experimentieren. Vor allem sollte sie besser verstehen lernen, wie politische Entscheidungsträger die daraus hervorgehenden Erkenntnisse tatsächlich interpretieren.

Übersetzt von Matthias Fersterer. Die Originalfassung des Artikels erschien erstmals in Scientific Amer­ican: kurzlink.de/ScientificAmerican. Das Buch »Discern­ing Experts« erschien im März bei der University of Chicago Press.


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© Foto: Kayana Szymczak

Naomi Oreskes (61), Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Harvard University, wurde durch kritische Studien zur Leugnung menschengemachter Erdüberhitzung bekannt.
kurzlink.de/NaomiOreskes

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© Foto: cpree.princeton.edu

Michael Oppenheimer (73) ist Professor für Geowissenschaften und Internationale Beziehungen an der Princeton University sowie Mitglied des »Intergovernmental Panel on Climate Change« (IPCC).
kurzlink.de/MichaelOppenheimer

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© Foto: Raquelle Stiefler

Dale Jamieson (72) wirkt als Professor für Umweltwissenschaften und Philosophie an der New York University. 2015 erschien sein bekanntestes Buch »Love in the Anthropocene«.
kurzlink.de/DaleJamieson

 


Mut zur Desillusionierung
Ein Kommentar von Oya-Herausgeber Johannes Heimrath.

Was berechtigt den vorstehenden Text dazu, in der Rubrik »Kraft der Vision« zu erscheinen? – Nun, gute Wissenschaft ist ein großes Gemein­schaffen – zumindest was das Beobachten und das Sammeln von Daten angeht. Experimente bauen auf Experimenten auf, die Entwicklung von Theorien aus vorgeschlagenen Hypothesen, das stetige Falsifizieren jener Ideen – so nennt sich der Versuch einer Widerlegung bisheriger Erklärungen der Welterscheinungen, um der tatsächlich unerreichbaren Wahrheit wenigstens so nahe wie möglich zu kommen –, das alles geht nur im gemeinsamen Zusam­menwirken aller forschend Denkenden, Beobachtenden und Experimentierenden. Auch wenn sich die Mitglieder der Wissenschaftsgemeinde beileibe nicht alle grün sind, so folgen sie dennoch den von ihnen selbst festgelegten Regeln – ganz im Sinn einer funktionierenden Allmende. Ihr Produkt – aus Erkenntnis gewonnenes Wissen – ist ein Commons reinster Güte: Es gehört niemandem allein, es wird mehr, indem es geteilt wird, und es muss gepflegt werden, wenn es Nutzen bringen soll. Um so schwerer wiegt der Befund, der in der Arbeit der drei Fachleute, die den vorstehenden Text verfasst haben, ans Licht kommt: Da wir alle von den Früchten jener Wissens­allmende zehren – und das sind die Folgerungen aus den gesammelten Daten –, sollten sie unverfälscht durch äußere Einflüsse sein und insbesondere in ihrem Inneren keinen matschigen Kern aufweisen. Insbesondere bei den Themen, die die Zukunftswirklichkeit unserer Enkel betreffen, sollten wir reinen Wein eingeschenkt bekommen, damit wir die Kraft unserer Vision in der nötigen Intensität in die richtige Richtung lenken: hin zu einer wärmeren Welt, in der wir mit viel weniger viel besser leben werden. Denn das sagt uns die Wissenschaftsgemeinde auch nur »vorsichtig«: Der Standard des nach westlicher Manier Gewohnten ist nicht zu halten; es tut not, Gaia-taugliche Modelle des guten Lebens schon heute zu erproben! Oya, die Göttin des ­Wandels, lässt ihre Sturmwinde los, vermutlich früher, als es die meisten Vorsichtigen wahrhaben wollen. 

 

 

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