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»Manifest für eine liebevolle Welt«

Von lokalen Gemeinschaften zur Weltgemeinschaft.
Nur ein Traum?

von Wolfram Nolte , erschienen in 49/2018

Bild

© Foto: Paloma Brinkmann / Valle de Sensaciones

Dieter Halbach hat den Artikel für die Ausgabe 49 ausgewählt. Er schreibt dazu:
»Es ist klar: In dieser Ausgabe darf Wolfram Nolte, langjähriger Oya-Redakteur und Begründer der einstigen Zeitschrift »eurotopia«, nicht fehlen. Seit gut 30 Jahren schreibt er über Gemeinschaften, immer auch aus einer gesellschaftlichen Perspektive. Mit seinem Artikel über den Weg von lokalen Gemeinschaften hin zu einer umfassenden Weltgemeinschaft, die freilich erst am Anfang steht und nicht nur positive Aspekte hat, bereichert uns Wolfram um seine Vision einer gemeinschaftlichen Welt.«

 

Die blauweiße Perle im All
Sir Fred Hoyle, ein bekannter Kosmologe und Science-Fiction-Autor, schrieb im Jahr 1948: »Liegt von der Erde erst einmal ein aus dem Weltraum aufgenommenes Foto vor, wird das einen der größten Umdenkungsprozesse der Geschichte auslösen.«
Dreizehn Jahre später war es so weit. Der Russe Juri Gagarin umkreiste die Erde und konnte sie als erster Mensch aus dem Weltraum betrachten. Es folgten mehr als 200 Kosmonauten bzw.Astronauten aus vielen Ländern, und alle kamen verändert zurück. Ich möchte ihre Erfahrungen mit einem Zitat des Kosmonauten Oleg Makarow stellvertretend zusammenfassen:
»Menschen, die im Weltraum gewesen sind, haben erkannt, dass sie ungeachtet aller Unterschiede sich in einem einig waren: dem ausgeprägten Gefühl als Erdenbürger, dem Gefühl persönlicher Verantwortung für die Erhaltung des einzigen, uns allen gemeinsamen Planeten. Sie haben begriffen, dass alle Schwierig­keiten, Meinungsverschiedenheiten und Hindernisse überwunden werden müssen und können, wenn ein so großes und eigentlich so einfaches Ziel sie eint.«
Das Bild von der Erde im All ist zum Symbol dieses großen und offenbar doch nicht so einfachen Ziels geworden: das Leben auf der Erde zu schützen und zu bewahren. Vielleicht haben die Blicke auf unseren Planeten schon dazu beigetragen, dass einer der Führer der beiden Weltmächte in den 1980er Jahren erkannte: »Die Angst muss von der Erde verschwinden.« Diese Aufforderung von Michail Gorbatschow und seine damit verbundene Politik der Beendigung des Kalten Kriegs öffnete für eine kurze Zeit den Blick für neue Möglichkeiten des friedlichen globalen Zusammenlebens auf dieser Erde. Aber das Bewusstsein der Menschheit war offenbar noch nicht reif, auf diese Situation mit einem zukunftsoffenen Denken und solidarischen Handeln zu reagieren. Angst und Misstrauen gewannen schnell wieder die Oberhand, und das alte Denken der Vorteilsnahme, der Siegermentalität und der Beherrschung setzten sich erneut durch. Stärker als zuvor steht der Anfang des neuen Jahrhunderts unter den Vorzeichen der Angst und des Fatalismus.
Aber der Blick auf die blauweiße Perle im schwarzen Universum und die Erfahrung, dass Mauern fallen, eiserne Vorhänge aufgezogen werden und steinerne Verhältnisse tanzen können, bleiben das Vermächtnis des ausgehenden Jahrhunderts an das neue. Es begleitet uns seit dem Übergang in das neue Jahrtausend wie eine Verheißung und als Herausforderung.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte das Jahr 2000 zu einem Jahr erklärt, das weltweit eine Kultur des Friedens einleiten sollte, und alle Menschen, ­Regierungen und Völker aufgerufen, das ihre dazu beizutragen. Es geht heute tatsächlich darum, eine neue Kultur aufzubauen, eine weltumspannende Kultur des Friedens, der Solidarität und der Nachhaltigkeit für ein gemeinschaftliches Zusammenleben aller Lebewesen. Das ist freilich eine ungeheuerliche Herausforderung. Zugleich ist es auch eine faszinierende Aufgabe, weil die Dimension schlichtweg stimmt. Angesichts der fortschreitenden Globalisierung und ihrer zerstörerischen Wirkungen kann es darunter nicht mehr gehen. Es gibt heute keine individuelle Lösung mehr, auch keine regionale oder nationale, die sich auf Dauer von der globalen Entwicklung abkoppeln könnte. Alle Zukunftsprojekte bedürfen der globalen Kompatibilität. Doch da meldet sich der Kleinmut: Die meisten Menschen leiden Not oder blicken angstvoll in die Zukunft. Wo soll die Kraft herkommen, woher die Zuversicht, das Wissen?

Der Traum von der planetarischen Gemeinschaft
Es gibt aber auch eine andere, hoffnungsvolle Sichtweise auf die Entwicklung der Menschheit, von einem tieferen Verstehen der Evolution her, das in größeren Zeitabschnitten denkt. Der Priester und Evolutionsforscher Pierre Teilhard de Chardin hat den Prozess, in den die Menschheit seit einiger Zeit eingetreten ist, als »Planetisation« bezeichnet. Was ist darunter zu verstehen? Zunächst einmal sieht er die Entwicklung der Menschheit wesentlich als einen Prozess zunehmender Gemeinschaftsbildung. Er ist besonders an der Entwicklung der inneren Bindekräfte zwischen den Menschen interessiert und nicht so sehr an den äußeren Formen des Zusammenlebens. Deswegen kommt er zu einer ganz anderen Perspektive als die meisten Historiker und Soziologen.
De Chardin verwendet ein sehr anschauliches Bild, um die Entwicklungsphasen der Menschheit deutlich zu machen. Er vergleicht sie mit Wellenbewegungen, die an der Oberfläche eines imaginären Globus vom Südpol zum Nordpol fließen. Der Südpol repräsentiert den Ausgangspunkt der Menschheitsentwicklung, der Nordpol den Zielpunkt. Die erste Phase ist die der Gemeinschaftsbildung im Stadium der Expansion. Es ist eine diver­gierende Bewegung; die Menschheit breitet sich über die Erde aus und nimmt äußerlich von ihr Besitz. Immer weitere Ausdifferenzierung findet statt: Unterschiedliche Kulturen entstehen, und innerhalb der Kulturen entwickeln sich Individuen. Wenn der Äquator in diesem Bild überschritten wird, kann sich die Menschheit nicht mehr äußerlich ausbreiten, die Gemeinschaftsbildung setzt sich fort als Zusammenfassung. Das Wachstum geht nicht mehr in die Weite der Welt, sondern in die Tiefe ihres Zusammenhangs. Die Menschheit hat jetzt die Chance und die Aufgabe, ein höheres Bewusstsein von ihrer Verbundenheit zu entwickeln und zum Auge und Steuerungsorgan der Schöpfung zu werden.
Und wo stehen wir heute? Um im Bild zu bleiben: Wir sind nach Teilhard de Chardin seit etwa 100 Jahren dabei, den Äquator zu überschreiten. Der Wechsel der Hemisphären ist ein äußerst kritischer Kurvenabschnitt, die Bewegungsrichtung ändert sich von der Divergenz zur Konvergenz, und die des Denkens müsste ihr folgen – nicht mehr nach außen, sondern nach innen, von der Konfrontation zur Kooperation. Aber noch ist es so, dass wir mit der Haltung der Expansion, die aus den vergangenen zwei Millionen Jahren stammt, in diese neue Phase gehen, die aber eine Haltung des Zusammengehens, der Einordnung in das Ganze voraussetzt.
Die konstatierten Entwicklungslinien der Evolution liegen zwar in der Logik der Evolution, in ihrem Bestreben zu immer mehr Bewusstheit und höherer Komplexität, nach höherem Sein durch umfassenderes Vereintsein. Aber es gibt keine Garantie. Die Menschheit kann eine solche Entwicklung auch verhindern und sich selbst ins evolutionäre Abseits manövrieren.
Teilhard de Chardin hat den Kampf, den wir mit uns selbst führen, so beschrieben: »Das Individuum wird von einer tödlichen Furcht befallen, sein kleines ›Ich‹ zu verlieren. Es wird von der Angst beherrscht, von einem offenbar blinden Ganzen verschlungen zu werden. Die Planetisation wird als Totalisation erlebt. Der einzelne rebelliert gegen seine Einordnung in das Ganze, er will die menschliche Gemeinschaft lediglich als Sprungbrett benutzen, von dem aus er sich in eine gänzlich unabhängige und ›individualistische‹ Lösung des Lebensproblems retten kann.«
Das ist eine exakte vorausschauende Beschreibung der gegenwärtigen Prozesse der Globalisierung. Die Verbindung der Menschheit schreitet im Äußeren mit ungeheurer Geschwindigkeit voran – durch Telekommunikation, durch Kapital- und Warenfluss, durch Tourismus, durch Katastrophen und Kriege. Sie wird als Zwang erlebt. Es fehlt die innere Verbindung, die »Herz-zu-Herz-Kommunikation«, wie es Teilhard de Chardin nennt, die eine freiwillige Vereinigung erst ermöglicht.

Die Bedeutung gemeinschaftlichen Lebens
Mit Protest und Aufklärung hat die Friedens- und Ökologiebewegung jahrelang versucht, Friedensbereitschaft und ökologische Verantwortung zu fördern – vorübergehend auch mit beachtlichem Erfolg. Doch mit der Verschärfung des globalen Konkurrenzkampfs wurden die alten Muster der individuellen und kollektiven Konkurrenz und Kampfbereitschaft reaktiviert. Es wächst die Mentalität: Jeder ist sich selbst der Nächste. Wie können unter solchen Bedingungen Menschen dafür gewonnen werden, sich für eine friedliche und nachhaltige Entwicklung einzusetzen?
In kooperativen Lebenszusammenhängen ist es möglich, das eigene Leben und das der Familie wieder in einen größeren Kontext zu stellen, die eigenen Bedürfnisse mit denen der anderen abzustimmen, vertrauen zu lernen. Hier ist es möglich, eine Lebensweise zu entwickeln, die die natürlichen Ressourcen schont, von einem sinnlosen Konsum befreit und Zeit lässt für die Entwicklung und Befriedigung der nicht-materiellen Bedürfnisse: nach menschlicher Begegnung und Liebe, nach Naturverbundenheit und Schönheit, nach Wahrheit und Entfaltung der eigenen Kreativität. Dafür werden in Gemeinschaften besondere Formen der Kommunikation, Entscheidungsfindung und Konfliktlösung erprobt.
Das Besondere an Ökodörfern und Gemeinschaften ist, dass nicht nur theoretisch Konzepte für ein ökologisches, soziales und humanes Leben entworfen werden (davon haben wir genug), sondern dass sie im Alltag auf ihre Lebenstauglichkeit überprüft und weiterentwickelt werden. Ich will damit nicht behaupten, dass nur Ökodörfer und Gemeinschaften als soziale Orte, an denen Menschen nach ökologischen und humanen Regeln zusammenleben, dazu in der Lage wären, aber sie bieten besonders gute Wachstumsbedingungen – sie sind so etwas wie Gewächshäuser des Vertrauens. Aber auch informelle Netzwerke wie Nachbarschaften, Freundeskreise oder geistige Zirkel gewinnen angesichts zunehmender gesellschaftlicher Desintegration an Bedeutung, je tiefer das gemeinschaftliche Denken und Fühlen den Alltag gestaltet und das politische Denken bestimmt.

Der große Wandel
Der Auf- und Ausbau zukunftsfähiger Gemeinschaften sowie ihre weltweite Vernetzung ist die Basis einer neuen Politik aus dem Geist der Kooperation. Gemeinschaften sind zwar – nur für sich genommen – nicht die Lösung. Sie sind aber der paradigmatische Teil der Lösung; das heißt, sie bieten das Muster der Lösung, die Methode, die richtige Problemwahrnehmung aus ­lebendiger Erfahrung.
Hinzukommen muss die Verbreitung gemeinschaftlichen und ökologischen Denkens zunächst in die Region oder das Stadtviertel hinein. Intentionale Lebensgemeinschaften können hier als Initiatoren und Katalysatoren wirken. Denn was überzeugt Menschen mehr als das gelebte Beispiel neuer Möglichkeiten? Der Permakultur-Praktiker Graham Bell bringt es auf den Punkt: »Nach meiner Meinung ist es das Gespräch, das Sie mit Ihrem Nachbarn oder Ihrer Nachbarin führen, das die Welt verändert.« Oft ist es allerdings so, dass Ökodörfer und Gemeinschaften zunächst wie Fremdkörper in ihrer neuen Umgebung wirken. In den Anfangszeiten sind sie oft mit sich selbst beschäftigt und können wenig Energie in die Entwicklung guter Beziehungen zu den Nachbarn und gemeinsamer Projekte geben. Doch – wie wir beobachten können – mit der Zeit entwickeln sie sich zu attraktiven Zentren ihrer Region, bieten auch den übrigen Bewohnern neue ökonomische, soziale und kulturelle Möglichkeiten. Mehr und mehr werden sie zu den Energiezentren einer selbständigen sozialen und nachhaltigen Regionalentwicklung.
Für die Globalisierungskritikerin Helena Norberg-Hodge spielen Ökodörfer eine bedeutende Rolle im Kampf gegen die konzerngesteuerte Globalisierung. Für sie ist die Entwicklung zu selbstbestimmten Bioregionen – getragen von ökologisch orientierten Gemeinschaften und Ökodörfern – »vielleicht das radikalste Mittel gegen die Abhängigkeit von der Weltwirtschaft«.
Damit diese Anstrengungen auf Dauer Erfolg haben, muss sich auch die Politik auf nationaler und internationaler Ebene ändern. Wenn wir uns mit den Problemen und Entwicklungsmöglichkeiten der Gesellschaft beschäftigen, dann nicht nur in Form einer Einbahnstraße entlang unserer Themen, die uns als Gemeinschaften betreffen. Wir sollten auch bereit sein, uns den vielen Individuen und Gruppen mit ihren jeweiligen Themen (Zukunftsangst, Rentenunsicherheit, Arbeitslosigkeit, Verarmung etc.) zuzuwenden und in Dialoge zu treten.
Die Gemeinschaften brauchen diesen Schritt in die Gesellschaft, damit sie sich nicht isolieren und nicht stagnieren und eines Tages von einer sozialen und politischen Entwicklung überrollt werden, die ihre Existenz und Entwicklung in Frage stellen könnte. Die Gesellschaft wieder­um braucht die Erfahrungen der Gemeinschaften und besonders den gemeinschaftlichen Geist der Kooperation, um neue Lösungen zu finden. Nach dem Zusammenbruch des staatlichen Sozialismus gibt es so etwas wie ein Vakuum in der gesellschaftlichen Diskussion. Es gibt keine ernstzunehmende Auseinandersetzung mehr um radikale gesellschaftliche Alternativen, die eine lebenswerte Zukunft für alle als überzeugende Vision zum Ziel hat; vielmehr werden nur die Vorteile für einzelne Gruppen und Nationen ins Visier genommen.
Doch Gemeinschaften haben – im Unterschied zu anderen alternativen Gruppierungen und NGOs – der Gesellschaft etwas Besonderes zu bieten: die gelebte Erfahrung, dass ein kooperatives und ökologisches Leben möglich ist, und das Wissen darüber, wie es möglich ist. Diese Erfahrung und dieses Wissen sind im Alltag erprobt, und das verleiht den Gemeinschaften eine besondere Autorität im gesellschaftlichen Diskurs.

Aufbruch zur Weltgemeinschaft
Die Weltraumperspektive auf den Planeten verlangt nach einer inhaltlichen Vision, wie wir mit bald zehn Milliarden Menschen friedlich auf dieser Erde zusammenleben und uns zu einem verantwortlichen ­Organ von ihr weiterentwickeln können – statt zu ihrem Krebs zu mutieren. Die Richtung einer neuen Politik muss planetarisch sein, allerdings auf der Basis starker selbständiger Regionen. Die Nationalstaaten verlieren zunehmend an Lenkungskompetenz. Sie sind für die großen Probleme zu klein und für die kleinen Probleme zu groß. Sie müssen sich einer zeitgemäßen Schlankheitskur unterziehen und ihre Pfunde der Macht nach unten und oben abgeben: so viel Macht und Selbstverwaltung wie möglich für die Kommunen und Regionen, aber auch so viel Koordinierungs- und Durchsetzungskompetenz für transnationale Organisationen wie nötig, um die Probleme zu lösen, die nur weltweit gemeinsam gelöst werden können: die Bewältigung des Klimawandels, die ökologische Rekultivierung zerstörter Naturräume, Katastropheneinsätze, Abrüstung und Frieden, eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, die Einlösung der politischen und sozialen Menschenrechte. Ausgehend von den Grundfragen »Was sind die primären Ziele der menschheitlichen und menschlichen Entwicklung?« und »Wie ist eine Heilung der Liebe möglich?« muss neu gefragt werden: »Was, wie und wie viel soll produziert werden (es geht schließlich um den Erhalt der Erde)?« und auch »Wie soll der Reichtum verteilt werden (es geht auch um das Glück der Menschen)?« Die Beantwortung dieser Fragen darf nicht mehr alleine den Wirtschaftsinteressen überlassen bleiben, sondern muss im Interesse der Erde und aller ihrer Lebewesen von der menschlichen Gemeinschaft insgesamt beantwortet werden.
Die »United Nations« müssen sich weiterentwickeln zu einem lebendigen weltweiten Netzwerk der »United People«, der vereinten Menschheit – ein Netzwerk, das vom Geist einer planetarischen Gemeinschaft getragen wird, das Menschen aus allen Ländern, Berufen und Organisationen umfasst, das Widerstand gegen die zerstörerische Globalisierung organisiert, das ein visionäres Denken über die bornierten Eigentums- und Machtfantasien hinaus entwickelt und überall auf der Welt anfängt, nachhaltige und menschenfreundliche Lebensformen aufzubauen (siehe George Monbiot: Manifest für eine neue Weltordnung).
Die Journalistin Leila Dregger, die in der Gemeinschaft Tamera in Portugal lebt, identifiziert in ihrem neuen Buch »Frau-Sein allgemein genügt nicht« Gemeinschaften bzw. gemeinschaftsfähige Menschen als die neuen revolutionären Subjekte unserer Zeit.
In Tamera wurde das Netzwerk »Terra Nova« ins Leben gerufen, um den „Plan der Heilungsbiotope“ weltweit bekannt zu machen und zu realisieren. Diese Heilungsbiotope sollen wie Akupunkturpunkte im morphogenetischen Feld der Erde wirken und so die globale Entwicklung zu mehr Humanität und Nachhaltigkeit befördern.
Mein Traum ist, dass immer mehr Menschen miteinander »von Herz zu Herz« kommunizieren und kooperieren und dass daraus eine »Bewegung für eine liebevolle Welt« entsteht, die zu einem guten Leben für alle Erdbewohner führen will. Sie ist regional verankert und nimmt im Alltag die Funktion wahr, die Menschen wieder auf einer mitmenschlichen Ebene zusammenzubringen und eine neue Welt der Selbstverwirklichung und Solidarität zu schaffen. Diese Bewegung baut ökologische Lebensformen auf, mit einem möglichst hohen Grad an regionaler Selbstversorgung und Selbstbestimmung. Sie wird durch die Liebe zur Erde und der gemeinsamen Fürsorge für alles Leben zusammengehalten. Sie gibt Halt in einer sich entprovinzialisierenden und neu zusammenwachsenden Welt.
Mehr als eine neue Organisation ist jedoch eine geistige und herzliche Verbindung nötig: eine Verbindugn, die jedem die Kraft und die Orientierung gibt, an seinem Platz für die notwendigen Veränderungen zu einem gemeinschaftlichen Denken, Fühlen und Handeln einzutreten. Aus einer solchen Verbundenheit können die kommunitären Kräfte wachsen, die das Vertrauen stärken und die Angst von der Erde verbannen.


Wolfram Nolte (71), Soziologe und freier Journalist, setzte sich viele Jahre lang für das Projekt »eurotopia« ein. Seit 2014 – mit der Diagnose »Krebs im fortgeschrittenen Stadium« konfrontiert – baut er ein gemeinschaftlich getragenes Natur-Hospiz am Bodensee auf.

Literatur
Günther Schiwy: Das Teilhard de Chardin Lesebuch, Walter, 1987 
­Helena Norberg-Hodge: Modernisierungs- und Globalisierungsdruck in: Jerry Mander; Edward Goldsmith: Schwarzbuch Globalisierung, Riemann, 2002
Robert Muller: Die Neuerschaffung der Welt, Goldmann, 1985
Peter Russell: Die erwachende Erde, Heyne, 1989
George Monbiot: United People – Manifest für eine neue Weltordnung, Riemann, 2003
Joanna Macy: Die Reise ins lebendige Leben, Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, 2003
Leila Dregger: Frau-Sein allein genügt nicht – mein Weg als Aktivistin für Frieden und Liebe, edition Zeitpunkt, 2017

Projekte
www.gemeinschaft-haslachhof.de
www.terranova.tamera.org

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