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Das Ganze im Blick

Über die nächste Etappe auf dem Weg, ein gemeinschaftsgetragenes Magazin zu werden.

von Redaktionskreis , erschienen in 47/2018

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Als wir uns im Sommer 2016 die Freiheit nahmen, die Bedingungen, unter denen Oya entsteht und ermöglicht wird, einmal konsequent unter Allmende-Gesichtspunkten zu durchdenken, fragte uns die Commons-Forscherin Silke Helfrich (siehe Seite 46): »­Warum macht ihr es nicht wie eine CSA?« CSA – Community-Supported Agriculture, auf Deutsch: Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) – ist eine zeitgemäße Form, einen Bauernhof wie ein Commons – ein Gemeingut – gemeinschaftlich zu organisieren. Während der Ideenwerkstatt im September 2016 mit gut fünf Dutzend Leserinnen und Lesern klebte plötzlich ein Zettel mit der Begriffsneuschöfpung »CSO – Community Supported Oya« an der Tafel. Dieser Zettel hatte Magie – alle spürten, dass er in die Zukunft wies. Doch wie beginnen? Eine Zeitschrift ist nun einmal kein Bauernhof …
Die solidarische Landwirtschaft löst die Rollen »Konsument« und »Produzent« auf. Stattdessen entsteht eine Gemeinschaft im weiteren Sinn: Die einen schenken Arbeitskraft und Erfahrung, die anderen Geld, manche Mitarbeit – und die Ernte wird nach gemeinsam festgelegten Regeln geteilt. Hier endet die von den Mechanismen Kaufen und Verkaufen geprägte Logik des Äquivalenztauschs, in der ich gebe, damit du geben mögest (»do ut des«), und es beginnt die Sphäre des Beitragens und Ermöglichens nach Notwendigkeit, Fähigkeit und Neigung.

CSO – kann das gelingen?
»Ihr habt den Vorteil, dass eine Zeitschrift beliebig viele ­Leser haben könnte«, schrieb uns CSA-Gemüsegärtner Christoph Schwager aus Grebin zum Unterschied zwischen gemeinschaftsgetragenem Hof und Magazin. »Darin liegt aber auch eine Schwierigkeit: Wie pflegt man eine Beziehung zu so vielen Menschen? Und Beziehung ist wichtig, weil daraus die Motivation für gegenseitige Verantwortung geschöpft wird. Ich glaube sehr wohl, dass gemeinschaftliches Wirtschaften auch außerhalb der Landwirtschaft möglich ist.«
Rund 200 solidarische Landwirtschaftsprojekte gibt es derzeit in Deutschland. Oft beginnt eine SoLaWi mit dem Impuls, dass die Erzeuger ihre Ernte nicht mehr zu Markte tragen wollen, sondern am liebsten verschenken würden – nicht an irgendwen, sondern an einen Kreis wertschätzender Menschen, die gemeinsam die Bewirtschaftung des Hofs ermöglichen.

Selbstversuch in Schenkökonomie
Der gleiche Impuls ließ uns im vergangenen Jahr einen Selbstversuch in Schenkökonomie beginnen – mit erfreulichem Ausgang: 220 Leserinnen und Leser machten es durch Beiträge zwischen 3,33 und 5000 Euro möglich, dass sich der Redaktionskreis um dringend benötigte neue Mitglieder erweitern konnte. Seit der Gründung des Projekts gibt es bereits Abonnentinnen und Abonnenten, die für ihr Förder- oder Schenk-Abo freiwillig mehr bezahlen als den offiziellen Preis von 36 Euro. So kamen schließlich rund 40 000 Euro an »warmem Geld« – wie es Oya-Autor Albert Vinzens (siehe Seite 55) nannte – zusammen. Wie ermutigend! Denn auch in ­Phasen des Innehaltens stehen die Räder des Systems nicht still: Druckrechnungen, Mieten, Löhne und Gehälter für administrative ­Tätigkeiten müssen laufend bezahlt werden.
Inzwischen haben wir erkannt, dass der Weg zu einem wirklich gemeinschaftsgetragenen Magazin nicht bei der Unter­stützung eines mehr oder weniger ehrenamtlich arbeitenden Redaktionskreises endet. Es bedarf eines noch größeren Kreises von Menschen, denen der Erhalt des gesamten Oya-­Organismus ein Anliegen ist – so wie die Mitglieder einer SoLaWi auch immer den gesamten Hof im Blick haben.
Zwei Dinge machten die Sache unbehaglich: Zum einen schlich sich das Gefühl einer Extra-Leistung ein, die engagierte Leserinnen und Leser »zusätzlich« zu den Beiträgen für ihre Abonnements erbrachten – einerseits schenken, andererseits etwas kaufen, das klingt dissonant. Zum anderen war uns nicht wohl dabei, in jeder Ausgabe erneut um Geld bitten zu müssen. Leserin Christiane Bockelmann aus Göttingen schrieb dazu, dass sie unseren Versuch zwar mit Interesse verfolge, aber es hätte sich für sie so angefühlt, als ob ihr »beim Lesen jedes Mal der Klingelbeutel unter die Nase gehalten« werde. Und Franziska Brockdorff aus Berlin bekannte offen ihr schales Gefühl dabei, dass sie, anders als wir, keinen solchen Unterstützerkreis hat: »Da ich selbst nicht so viel verdiene und mir manchmal wünsche, nicht Teil der ›­Megamaschine‹ sein zu müssen, aber noch nicht den Mut habe, auszusteigen und mich in diese finanzielle Unsicherheit zu begeben, fühle ich mich leider nicht so freigiebig, wie ich gerne sein würde. Bei mir kam Neid auf diejenigen (auf euch) auf, die den Schritt aus dem System heraus wagen und zugleich immer noch der finanziellen Unterstützung bedürfen durch andere, die wahrscheinlich weiter im ›Hamsterrad‹ funktionieren. Zugleich macht euer Weg auch Mut, für mich selbst nach alternativen Wegen zu suchen!«
Solche Rückmeldung brachte uns zu der Überzeugung: Am schönsten wäre es, wenn ein großer Kreis von Leserinnen und Lesern – vielleicht sogar alle? – vollständig aus dem Paradigma »Wir bezahlen für ein Produkt« aussteigen würde und sich stattdessen fragte: »Was kann und will ich dieses Jahr finanziell dazu beitragen, dass es Oya gibt? Wie kann ich gemeinsam mit anderen Verantwortung dafür übernehmen, dass es Oya als Organismus – zu dem ich als Leserin, als Leser selbst gehöre! – gutgeht?«

Ermutigender Zuspruch
Leser Hans-Dieter Eichhorst aus Rüdnitz ermutigte uns, das CSA-Modell weiterzuverfolgen: »Für absolut wichtig und richtig halte ich die Grundlage, dass die ökonomischen Voraussetzungen der Produktion transparent und Basis dafür sind, die Kosten auf diejenigen zu verteilen, die die Produkte für sich wünschen – egal ob gesunde Lebensmittel oder Impulse, Informationen und Anregungen wie durch Oya. Als unsolidarisch empfinde ich es aber, wenn nur die Kostenbasis durch die Zahl der Inanspruchnahmen aufgeteilt wird. Sinnvoller erscheint mir das ›Bietermodell‹, bei dem die Empfänger der Ernteanteile bzw. der erzeugten Produkte ihren Geldbeitrag zur Deckung der Gesamtkosten anbieten – unter Berücksichtigung ihrer finanziellen Möglichkeiten. Dies wird von allen zu einem bestimmten Zeitpunkt getan. Sollte die Summe der angebotenen Beiträge zur Deckung der Kosten nicht ausreichen, wird dies kommuniziert und in einer weiteren Bieterrunde probiert, doch noch genügend Beiträge zusammenzubekommen. Meines Wissens funktioniert dieses Verfahren in verschiedenen SoLaWis zum Teil seit Jahren.«
So entstand im Austausch mit Hans-Dieter Eichhorst und anderen Leserinnen und Lesern folgende Idee:
▶ Wer Oya einfach nur abonnieren möchte und sich keine weiteren Gedanken um das Projekt als Ganzes machen will – was völlig in Ordnung ist –, entscheidet sich wie bisher für einen der Abo-Preise.
▶ Wer sich gemeinschaftlich um den Erhalt des Mediums Oya als Ganzes kümmern kann und möchte, erhält keine Abo­rechnung mehr, sondern entscheidet sich für einen frei gewählten Jahresbeitrag. Sollte die so aufgebrachte Summe nicht ausreichen, um das kommende Oya-Jahr zu ermöglichen, wird gemeinsam mit allen, die auf diese Weise den Oya-Organismus ermöglichen und hüten, überlegt, wie die Finanzdecke vergrößert werden kann. Einmal im Jahr gibt es die Gelegenheit, zu einem »Oya-Hoffest« an verschiedenen Orten zusammenzukommen. Auch generell könnte sich die Kommunikation zwischen dem Oya-Ermöglichungs- und dem Oya-Redaktionskreis vertiefen. Zu Beginn jedes Jahrs überlegen wir gemeinsam, welche Geldmittel Oya braucht und wie diese zusammenkommen. Dann muss das Finanzielle für den Rest des Jahres kein Thema mehr sein.

Es geht um den ganzen Hof
Welche Rolle spielt dabei die Oya Medien eG – die Genossenschaft, die Oya auf solidarische Weise aufgebaut hat und herausgibt? Sie hat – um im Bild zu bleiben – den Grund und Boden erworben, auf dem der Hof wirtschaftet, und sie unterhält und verwaltet diesen. Zu unserem virtuellen »Hof Oya« gehören selbstverständlich auch unsere ­Autorinnen und Autoren, Fotografinnen und Fotografen – und auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ganz unabhängig davon, ob Sie weiterhin nur eine Aborechnung bekommen wollen oder zur Hüte- und Ermöglichungsgemeinschaft gehören möchten.
Um dieser Ganzheit auch inhaltlich und gestalterisch gerecht zu werden, stellen wir uns Fragen, wie diese: Brauchen wir neue Artikelformate oder Rubriken, um den Austausch und die Vernetzung untereinander zu pflegen? Welcher weiteren Kommunikationsformen bedarf es? Wie intensiv möchten wir über das Jahr hinweg miteinander im Gespräch sein? Das möchten wir mit Ihnen und euch, liebe Leserinnnen und Leser, herausfinden.
Im März werden wir alle Abonnentinnen und Abonnenten einladen, sich am Kreis, der dieses Oya-Jahr ermöglicht, zu beteiligen. Wir freuen uns, wenn Sie uns auf diesem Weg begleiten, indem Sie Teil eines gemeinschaftsgetragenen Oya-Organismus werden!
Falls Sie bereits Erfahrungen mit gemeinschaftsgetragenen Projekten – insbesondere solchen, die das Modell der solidarischen Landwirtschaft auf andere Lebensbereiche übertragen – gemacht haben, freuen wir uns über eine Nachricht: Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen von CSA bis CSZ! Für die Mai/Juni-Ausgabe sammeln wir Geschichten, die beschreiben, wie sich gemeinschaftsgetragenes Wirtschaften anfühlt, welche Herausforderungen es birgt und wie es gelingen kann.



Erfahrungen mit CSX?
mitdenken@oya-online.de

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