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Wir baden es aus

Die Belastung des Wassers durch die Agrarindustrie ist offensichtlich. Es fehlt allerdings an Zahlen, die das Ausmaß belegen.

von Leonie Sontheimer , erschienen in 26/2014

Badeverbot! Der See ist gekippt – in fast allen Regionen Deutschlands kommt es im Sommer zu dieser Meldung. Auslöser ist die Hitze. Die Ursache ist jedoch eine andere.

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© Foto: Till Runkel

Auch die Landwirtschaft folgt dem Prinzip des Wirtschaftswachstums. Die Erträge auf den Feldern sollen steigen, und immer noch mehr Vieh produziert in Massentierhaltungs-Ställen immer mehr Gülle. Nitrat aus der Gülle und Phosphor aus synthetischem Dünger werden in die ackernahen Gewässer gespült. Vor allem Phosphor, das sonst kaum im Wasser vorkommt, verstärkt das Algenwachstum – der Gewässerboden verdunkelt sich, die in der Tiefe wachsenden Pflanzen sterben ab. Wenn es in den oberen Schichten reichlich wächst, sinkt auch viel Abgestorbenes auf den Seeboden und verbraucht beim Abbau mehr Sauerstoff, als in den lichten Bereichen durch Photosynthese entsteht. Irgendwann geht den Wassertieren buchstäblich die Luft aus, angrenzenden Ökosystemen versiegt die Nahrungsquelle. Diese »Eutrophierung« von Gewässern ist laut Europäischer Umweltagentur eines der größten Umweltprobleme in Europa.
Doch Gefahr droht nicht nur den sichtbaren Gewässern. Nitrate sind leicht löslich und sickern durch den Boden ins Grundwasser. Das Umweltbundesamt meldet, dass 50 Prozent aller Grundwasser-Messstellen in Deutschland derzeit erhöhte Nitrat-Konzentrationen von über 10 Milligramm pro Liter erhielten – 15 Prozent des Grundwassers halte gar den für Trinkwasser geltenden Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter nicht ein. Dabei wird Trinkwasser in Deutschland vor allem aus dem Grundwasser entnommen. Statt an der Ursache der Belastung anzusetzen, wird das Nitrat kostenaufwendig entfernt. Die Katastrophe ist Normalität geworden, wobei die Nitratbelastung der letzten Jahre noch gar nicht endgültig im Grundwasser angekommen ist.
Der Verschleiß der kostbarsten Ressource des Planeten geht alle an: Unser Konsumverhalten bewirkt, dass an anderen Orten der Erde der Grundwasserspiegel sinkt und Flüsse versiegen. Dem »Wasser-Fußabdruck« des WWF zufolge verbraucht jeder Deutsche knapp 5300 Liter im Jahr. Für die Hälfte der konsumierten Produkte wie Kaffee, Kakao, Baumwolle und Sojabohnen werde das Wasser im Ausland verbraucht. Die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen in trockenen Regionen verstärkt weltweit die Wasserknappheit – nach dem schwindenden Aralsee in Usbekistan, dessen Zuflüsse auf Baumwollfeldern endeten, sind viele Gewässer in Gefahr, gänzlich auszutrocknen.
 

Jeder einzelne kann etwas tun!
Eines Morgens traut Roland Schilk aus dem vorpommerschen Papendorf seinen Augen nicht: Eines der Sölle – kleine, von der Eiszeit geschaffene Teiche – mitten im Acker wird zugebaggert. Es stand dem örtlichen Agrarindustriellen im Weg, denn es beanspruchte ein paar gewinnbringende Quadratmeter. Nicht selten passiert so etwas klammheimlich. Weil sich Roland Schilk bei den Ämtern empörte, musste es wiederhergestellt werden. Empörung, aber auch konstruktive Vorschläge aus der Zivilgesellschaft, können dem Wasser helfen.
Ein Projekt im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zeigt, dass der Eintrag von Dünger und Pestiziden in Gewässer mit Hilfe ausreichend großer Pufferstreifen vermindert werden kann. Um den Flächenverlust der Landwirte aufzufangen, bieten Stilllegungsprämien der EU einen Anreiz, an Gewässern mindestens zehn Meter breite Schonstreifen anzulegen, die nicht bewirtschaftet werden. »Die Stilllegung ist unbedingt weiterzuempfehlen. Sie vermindert die Nährstoffeinträge und schützt die Amphibien«, erklärt Martin Flade, Leiter des Biosphärenreservats. In Schorfheide-Chorin haben einige Landwirte auf seine Initiative hin Pufferstreifen angelegt. Die Kulturlandschaftsprogramme in Brandenburg und Thüringen zahlen auch Nachteilausgleiche für weniger breite Schonstreifen.
Obwohl die EU in den letzten Jahren einen Wandel hin zu einer ganzheitlicheren und nachhaltigeren Wasserpolitik gemacht hat, fehlt es den meisten Programmen an Durchsetzungskraft. Hier ist die Initiative der Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum gefragt: Sie können mit dem Nachbar-Landwirt Gespräche aufnehmen und ihn von der Bedeutung der Schutzstreifen überzeugen oder das Thema auf kommunaler Ebene ins Gespräch bringen. Und wer startet eine Initiative für ein bundesweites Gesetz, das solche Streifen vorschreibt?
Wasser- und Agrarpolitik müssen besser zusammengedacht werden. Bedauerlicherweise fehlt es eklatant an Daten, um die Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft auf Gewässer in kausale Zusammenhänge zu bringen, die die Agrarpolitik zum Handeln zwingen. Vielerorts werden erhöhte Uranwerte im Brunnenwasser entdeckt. Eine Studie des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Mecklenburg-Vorpommern zeigt, dass ein kleiner Teil unmittelbar aus uranbelastetem Phosphatdünger kommt. Woher stammt der Rest? Aus dem Tiefengestein laut der Studie offenbar nicht. Das Nitrat im Boden reagiert mit den Mineralien auf eine Weise, dass gebundenes Uran wieder freigesetzt wird – doch in solchen Mengen? Der Zusammenhang ist unklar. Manche Brunnenbesitzer fordern vom Landwirtschaftsamt bereits kostenlose Wasserfilter. Überall, wo Gewässer belastet werden, leben Menschen. Sie können sich für einen verantwortungsvolleren Umgang mit dieser kostbaren Ressource einsetzen.

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