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Kostbare Zeit

Wie man sich auf einen Sterbefall gut vorbereitet.

von Petra Hugo , erschienen in 23/2013

Mit der Gestaltung meiner Bestattung will ich mich nicht befassen – so denken viele. Darüber mit nahen Menschen nachzudenken, kann befreiend und für die Angehörigen wichtig sein.

Bild

© Foto: Humantouch.de

 

Auch für junge Menschen gilt: Der Tod ist als ständige Option Teil der Lebenswirklichkeit. Es ist hilfreich, sich die Zeit vom Tod bis zur Bestattung als »rituellen Fluss« vorzustellen, in dem die einzelnen Handlungen sinnvoll auseinander hervorgehen. Dabei gibt es kein Richtig und Falsch. Am wichtigsten ist, dass alles von den beteiligten Menschen achtsam und eigenmächtig gestaltet oder mitgestaltet bzw. miterlebt werden kann. Wenn es sich stimmig anfühlt, kann ein Schritt freilich auch abgegeben werden.
Die folgenden Hinweise sollen dazu anregen, sich gut vorzubereiten – auch für den Fall, dass der Tod plötzlich kommt – und dafür einzustehen, was uns am Herzen liegt. Es ist gut, darauf zu achten, in wessen Hände wir unsere verstorbenen Menschen geben, wo und wie sie untergebracht sind und was mit ihrem Körper geschieht – sonst entscheiden professionell Beteiligte nach ihren eigenen Vorstellungen und Gewohnheiten, und wir merken ­womöglich erst hinterher, dass es uns nicht gutgetan hat.
 

Was bedacht werden kann
Sterbezeit und Tod: Es empfiehlt sich, eine Patientenverfügung festzulegen und eine Vorsorgevollmacht sowie eine Ablehnung oder Zustimmung zu Organspende und Obduktion zu erteilen.
Es gibt gesetzlich stets eine bestattungspflichtige Person. Jeder Mensch kann jedoch schriftlich festlegen, wer – wenn es nicht die bestattungspflichtige Person sein soll – schließlich alle anstehenden Entscheidungen vom Tod bis zur Bestattung zu treffen hat. Die Vollmacht sollte im Todesfall sofort auffindbar, also beispielsweise bei einer vertrauten Person hinterlegt sein.
Aufbahrung und Totenfürsorge: Es ist hilfreich, sich beizeiten mit nahen Menschen darüber auszutauschen, wie man sich persönlich die Gestaltung der Schritte im »rituellen Fluss« im Sinn des abgebildeten Spiralwegs vorstellt. Welche Rituale, Symbole oder Sargbeigaben passen zu mir und meinen an- und zugehörigen Menschen?
Den wenigsten Menschen wird es gleichgültig sein, wie mit ihrem Körper nach dem Tod umgegangen wird, deshalb kann es sinnvoll sein, in der erwähnten Vollmacht anzugeben, welche Fürsorge man für seinen toten Körper möchte und was nicht: Wie wünsche ich mir ein Waschen, Salben, Kleiden und Einhüllen des Körpers? Ein behutsames Verschließen von Mund und Augen? Wie stehe ich zu thanatopraktischen Behandlungen wie dem Verschließen der Körperöffnungen durch Tamponagen oder Zunähen, dem Austausch von Körperflüssigkeiten und kosmetischer Behandlung?
In den meisten deutschen Bundesländern ist es möglich, den verstorbenen Menschen 36 Stunden lang zu Hause aufzubahren, nach Absprache mit den Behörden auch länger.
Auch in Altenheimen, Kliniken, Friedhofshallen, Bestattungs­häusern etc. gibt es unterschiedlich freundliche oder auch unschöne Aufbahrungsräume. Wie wünsche ich mir das Aufbahren?
Sarg oder Urne: Sarg oder Urne selbst zu gestalten, kann ein guter Schritt im Erinnern und Abschiednehmen sein. Es ist schön, wenn es Gelegenheiten gibt, darüber beizeiten zu sprechen; ebenso über die Art der Bestattung: Welche passt zu mir? Möchte ich dem Feuer oder der Erde übergeben werden? Wie und wo wünsche ich mir das? Möchten Angehörige bei der Übergabe ans Feuer dabei sein? Wo und wie möchte ich beigesetzt werden?
Abschieds- bzw. Trauerfeier, letzte Wege und Bestattung: Profan, aber wichtig: die Kosten. Wir können unseren Angehörigen mitteilen oder schriftlich hinterlassen, wieviel Geld für Bestattung und Grab verwendet werden soll.
Die Gestaltung der Trauerfeier bietet viel Freiraum. Es ist zu klären: Soll der Sarg geöffnet – meist nur bei Abschiedsfeiern in Bestattungshäusern möglich –, oder soll er geschlossen sein? Gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie und mit wem die Feier gestaltet werden könnte, welche Musik sich Menschen wünschen, welche symbolischen Handlungen sich stimmig anfühlen, wie der Weg zum Grab gegangen werden kann und weiteres mehr – das alles ­gehört zu einer guten Vorbereitung auf den Tod. •


Weitere Informationen im Internet:
www.trauer-wege-leben.de.
Auf der Seite
www.charon.de von Ulrich Gscheidel findet sich ein ausführlicher Fragebogen zu allen bedenkenswerten Punkten.

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