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Die reine Lust des Feierns

Worin gründet der elementare menschliche Impuls, gemein­schaftlich zu feiern? Eine Expedition in eine der stärksten und zugleich ­fragilsten Kräfte des Menschen.

von Christine Simon , erschienen in 21/2013

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© Foto: Breughel

Was für ein Licht am Abend – mitten beim Jäten bleibe ich in meinem Salatbeet wie angewurzelt stehen. Feuerrot ist der Himmel, ein Flammenmeer. Welch ein Fest!
Feiern mag seit Anbeginn der Menschheit untrennbar mit dem Leben verbunden sein. Kaum etwas anderes zeigt in solch einer Klarheit das Licht und den Schatten menschlichen Seins. Vertiefen wir uns in die Geschichte der Festkulturen des Menschen, wird deutlich, wie sich in ihnen die Beschaffenheit einer Gesellschaft mit ihrer politischen Ordnung spiegelt. »Panem et circenses« – »Brot und Spiele« – das sei alles, wofür sich die Bürger Roms noch interessierten, spottete der Dichter Juvenal. Politisch hatte das römische Volk kaum Möglichkeiten zur Partizipation, doch mit Essen und Unterhaltung war jeder aufständischen Bewegung der Stachel genommen. Nicht viel anders verhält es sich in der heutigen Konsumgesellschaft.
Gesellschaften, in denen nur eine kleine Machtelite Gestaltungsmöglichkeiten hat und das Volk mit Konsum, Spiel und Spaß manipulierbar gemacht wird, sind höchst instabil, degenerieren und enden im Chaos. Das zeigt ein Blick in die Geschichte. Da wir jedoch bis zum heutigen Tag immer wieder dieser Gesellschaftsform begegnen, stellt sich die Frage: Ist es etwa genau dieses, was die Menschen wollen: Brot und Spiele? Wollen sie nur essen, trinken, bespaßt und betäubt werden, gemäß dem plattdeutschen Schnack meiner Großtante: »Sup di duun und fret di dick un hol din Muul von Politik!« (Sauf dich zu, und friss dich dick, und rede nicht von Politik!) Und – wenn es nicht so ist? Wie äußert sich der menschliche Impuls, zu feiern, ohne Manipulation durch autoritäre Herrschaft, Kapitalismus, ohne Sucht, Betäubung und Mord?


Singen und Tanzen im Widerstand
Aus Zeugnissen der Kulturen des Alten Europas der Jungsteinzeit, der altmediterranen Kultur oder des vordynastischen Ägyptens ist ablesbar, dass Feste, Musik und Tanz im Zentrum des gesellschaftlichen Lebens standen. Die erhaltenen Bilder und Schriftzeichen sprechen von einer anderen Kraft des Feierns als die der römischen Spaßkultur. Sie sprechen von einer Kraft, die den aufkommenden antiken Machteliten zunehmend suspekt wurde. Die Energie ausgelassenen Feierns, Tanzens und Singens war ihnen zu bedrohlich und musste in kontrollierte Bahnen gelenkt werden. So schreibt Platon in seiner »Politeia«: »Nirgends wird an den Gesetzen der Musik gerüttelt, ohne dass auch die höchsten Gesetze des Staates ins Wanken geraten […] Dort müssen also die Wächter ihr Wachhaus bauen: in die Nähe der Musik.« Musik und Tanz waren vor allem in den auf matriarchale Wurzeln zurückgehenden Kulten Griechenlands, wie dem der Isis, Kybele, Demeter und Artemis, zentrale Bestandteile der Festivitäten. Der ihnen nahestehende Kult des Dionysos mit seinen ekstatischen Ritualen war für Männer, Frauen, Kinder, Arme und Reiche gleichermaßen offen. Die Sinnlichkeit und Wildheit seiner Ausdrucksformen waren den Machthabern bald ein Dorn im Auge, trugen sie doch den Duft von Freiheit, Ebenbürtigkeit und Auflösung von Grenzen.
Der Begriff »Komödie« wurzelt im Kult des Dionysos. Auf griechischen Vasen findet man Abbildungen des »Komos« – ein Begriff für den festlichen, von Musik und Tanz begleiteten Umzug in dionysischen Riten. Das griechische »komodia«, lateinisch »comoedia«, hat hier seinen Ursprung. Während dieser Kult nach seiner Blütezeit zwischen dem 7. und 4. Jahrhundert v. Chr. zwar zunehmend misstrauisch beäugt, aber geduldet wurde, erlitten die Anhänger des entsprechenden Bacchuskults in Rom brutale Unterdrückung: Im Jahr 186 v. Chr. sollen 7000 verdächtige Römerinnen und Römer verhaftet und die Mehrheit von ihnen exekutiert worden sein.
Es waren häufig benachteiligte römische Gruppen, wie Frauen und Sklaven, die dem Isis-, Kybele- oder Bacchuskult anhingen. Dem Historiker Richard Gordon zufolge war die Verehrung der Kybele eine Form von Widerstand gegenüber den Zielen der dominanten Elite. Bekanntlich wurden auch die christlichen Gemeinschaften der beiden ersten Jahrhunderte von römischer Seite grausam verfolgt. Ihre Feiern sollen von starker emotionaler Intensität, lauter Musik, Tanz, Essen und Trinken sowie von ekstatischen gemeinschaftlichen Verehrungsformen geprägt gewesen sein. Auch diese Gemeinschaften integrierten Frauen, Kinder, Sklaven und andere damalige Randgruppen in ihr soziales Netz, denn ihr oberstes Prinzip war Schwesterlichkeit und Brüderlichkeit. Doch spätestens, als das Christentum im 4. Jahrhundert zur offiziellen Religion des römischen Reichs erklärt wurde, drängten die Kirchenväter darauf, Tanz, Musik und Gelächter aus den Gottesdiensten zu verbannen. Vom Erzbischof von Konstantinopel, ­Johannes Chrysostomos, ist zum Ende des 4. Jahrhunderts der Ausspruch überliefert: »Dort, wo der Tanz ist, da ist der Teufel.«
 

Die feine Balance
Musik und Tanz können in die grenzenlose Tiefe der menschlichen Seele dringen, und diese Tiefe wollten die Herrschenden manipulieren, kontrollieren und besitzen. Besonders in den ekstatischen Ausdrucksformen witterten sie Gefahr. So ist der Begriff der Ekstase bis heute mit Vorurteilen behaftet, keineswegs geklärt und wird häufig als ein irrationaler Zustand betrachtet, der nahe am ­Delirium oder Wahnsinn anzusiedeln sei.
Die Pionierin der modernen Matriarchatsforschung, Heide Göttner-Abendroth, beschreibt in ihrem Buch »Die tanzende Göttin« auf feinsinnige Weise den Zustand »echter Ekstase« als »ein plötzliches Zusammenspiel aller Kräfte des Menschen«. Sie fährt fort: »Die echte Ekstase vereinigt die Kräfte von Geist, Gefühl und Handlungsfähigkeit auf einem Höhepunkt, auf dem keine zugunsten der anderen eingeschränkt wird. Sie spielen nicht nacheinander, sondern gleichzeitig in voller Stärke zusammen. Die Ekstase ist ihr blitzartiges, unnachahmliches Ineinandergreifen im Augenblick ihrer höchsten Entfaltung.« Diese Augenblicke seien »Momente größter Schönheit, Leichtigkeit und Freiheit«, es spielten »Akkorde sphärischer Energien auf dem zerbrechlichen Instrument, das der Mensch ist«. Das »Aus-sich-Heraustreten« im Moment der Ekstase ist damit zugleich ein »In-sich-Hineinströmen«, ein Zustand höchster Integration, ähnlich den Momenten der Inspiration in einem künstlerischen Schöpfungsprozess. Der Philosoph Martin Buber beschreibt diesen Zustand als »Einswerden der Seele«: »Die Kräfte sammeln sich in den Kern ein, alles, was sie abziehen will, wird einbewältigt, das Wesen steht allein in sich selbst und jubiliert […] in seiner Exaltation. Das ist der entscheidende Augenblick des Menschen.« Die mittelalterliche Mystikerin Mechthild von Magdeburg spricht vom »Jubilus« als einem Zustand höchster Ekstase und Schöpfungskraft.
 Die echte Ekstase ist ein äußerst sensibler Zustand, Höhe und Tiefe zugleich, und um sie zu halten, um sie sinnvoll ins Leben einzubetten, ist eine feine Balance zwischen Körper, Geist und Seele vonnöten. Warum nur mag es so schwer sein, diese Balance zu halten, wenn doch darin »der entscheidende Augenblick des Menschen« enthalten ist, der Augenblick größter Entfaltung? Wir wissen: Gerät diese feine Balance aus dem Gleichgewicht, droht Gefahr für Leib und Seele. Disbalancen im Kontext ekstatischer Rituale, die zu Haltlosigkeit und Exzessen bis hin zu Menschenopfern führten, sind seit den Anfängen schriftlicher Aufzeichnung überliefert. Weil wir die Schattenseite ekstatischer Kulte kennen, haben wir Angst vor dem hellen Feuer ihrer lichten Seite, entzieht es sich doch dem modernen, rationalen Denken.
Wie können wir dann unserer eigenen Angst begegnen, unserer eigenen Disbalance? Nach meiner Erfahrung verlangt dies einen lebendigen, kulturellen Raum, ein Lebensumfeld ohne Spaltung und Hierarchie, das von gegenseitigem Vertrauen, von Freiheit und einem Bewusstsein tiefer Verbundenheit mit der menschlichen wie der mehr-als-menschlichen Welt geprägt ist – und es verlangt auch Einsichten in die Konditionierung unseres Denkens. Auf der Spur unserer Ängste und Disbalancen begegnen wir langgehegten Mustern, die sich fest in unseren Köpfen und Bäuchen eingenistet haben.
 

Das Phänomen kollektiver Freude
Die Autorin und Aktivistin Barbara Ehrenreich beschreibt in ihrem Buch »Dancing in the Streets. A History of Collective Joy«, mit welch ungeheurer Ignoranz die Mehrzahl der europäischen Eroberer, Kolonialherren, Missionare und Forscher bis ins 20. Jahrhundert hinein den Festkulten von Menschen ­indigener Kulturen begegnete. Man nahm an, dass das Bewusstsein der »­Wilden« einen »Defekt« haben müsse, für den man gar anatomische Erklärungen suchte. Kollektives Überschäumen von Freude, Trance und Ekstase wurde als kindlich, grotesk und widerwärtig bezeichnet, ohne die hochgelobte Fähigkeit zur Selbstkontrolle, Disziplin und Individualität, auf die man in der »zivilisierten« Welt so mächtig stolz war. Solche Zustände wurden von der aufkommenden Anthro­pologie und der Psychologie zunächst als psychopathologisch klassifiziert. Keineswegs wurde gesehen, dass diese Praxis in ein sinnreiches Gefüge kultureller Regeln eingebunden war.
Im psychologischen Sprachgebrauch ist häufig von Trieben und Bedürfnissen die Rede, nicht von einer freien und positiv bejahenden Suche nach Freude. Barbara Ehrenreich weist darauf hin, dass in den letzten 30 Jahren von psychologischen Zeitschriften 45 000 Artikel über Depression und nur 400 über Freude publiziert wurden. Aus ihrer Sicht hat sich die westliche Psychologie als ­unfähig erwiesen, das Phänomen von kollektiver Ekstase in seiner Tiefe zu verstehen, da sie sich in erster Linie auf das individuelle Selbst fokussiere. Es sei in unserer Kultur kein Gefühl dafür entwickelt worden, um das Ergriffensein von ekstatischer Partizipation in einer Gruppe zu verstehen. Wir sprächen stattdessen von »­Fieber«, von »religiöser Hysterie«, von »ekstatischen Massen«. Die Prämisse der westlichen modernen Zivilisation sei die Selbstkontrolle, und für das westliche Bewusstsein sei jede Form von Selbstvergessenheit nur pathologisch: Sie müsse ein Ergebnis antisozialer oder ­regressiver Triebe sein.
Barbara Ehrenreich bemerkt, dass wir dank den psychologischen Anliegen der westlichen Kultur einen reichen Wortschatz haben, um die Emotionen zu erklären, die zwei Menschen gegenseitig anziehen. »Doch was uns fehlt, ist jedwede Art und Weise, die ›Liebe‹ zu erklären, die simultan zwischen Dutzenden von Menschen in einem bestimmten Moment entsteht, und diese Art von Liebe wird in ekstatischen Ritualen ausgedrückt.« Hören und fühlen wir dem nach, so kommen wir wieder an die zentralen Fragen zu unserer eigenen kulturellen Disbalance. Warum haben wir keine Sprache für diese schöpferisch-heilsame Kraft entwickelt, wie sie nicht nur in einsamer ekstatischer Versunkenheit, sondern gerade in lebendiger Gemeinschaft entstehen kann? Die Theoretiker der Aufklärung müssen diese leuchtende Qualität nicht für wertvoll erachtet haben. Keine Traktate wurden über ihr Wesen verfasst, stattdessen warnten sie vor ihren Schattenseiten. Und diese Schatten trieben unerlöst ihr Unwesen – sie traten infolge der Massenhypnose durch die Despoten des Nationalsozialismus in größter Grausamkeit zutage. Deshalb fürchten wir sie heute umso mehr.
 

Auf der Suche nach dem verborgenen Licht
Wo brennt das helle Feuer eines leuchtenden, gemeinschaftlichen, freiheitlichen Geists heute? Taumelnd, tastend suchen wir danach, verlieren nur zu oft Mut und Vertrauen. Eine Antwort kann vielleicht am besten mit Geschichten gegeben werden:
Seit den frühen Morgenstunden sitzen wir nach einer Mahnwache bei klirrendem Frost auf Gleisen. Bald kommt der CastorZug mit dem strahlenden Müll in Richtung Lubmin. Ich friere, bin hungrig und doch hellwach, finde ein Brot in meiner Tasche und teile es mit meinen jungen Freunden und den Unbekannten neben mir. Wir alle brennen für das Lebendige, darum sitzen wir hier, wo wir nicht sein dürfen. Leise fangen wir an, zu singen. Hunger und Kälte sind vergessen, wir singen im Angesicht derer, die uns in wenigen Minuten von den Gleisen holen werden, auch mit Gewalt. Die Freude der Lieder springt wie ein Funke von einem zum anderen. Welch kostbarer und doch so fragiler Augenblick! Wenig später liegt mein Sohn gefesselt und blutend im Schnee. Als mir endlich gestattet wird, zu ihm zu laufen, schaut er mich an und sagt ruhig mit einem Lächeln zu mir: »Hab keine Sorge, mir geht es gut.«
Es war vielleicht im Jahr 2000, als wir das ganze Dorf in unseren frisch erworbenen Stall, der in unbekannter Zukunft ein »Klanghaus« werden sollte, eingeladen hatten. Die Buchten, in denen einst Schweine standen, waren mit bunten Bändern geschmückt. Als Schutz vor der Kälte hatten wir Wände aus Latten und Luftpolsterfolie gebastelt. Ein Tanzfest mit allen Generationen, Einheimischen wie Zugezogenen – wie sollte das gehen? Die einen grausten sich vor Schlagern, die anderen vor englischen Liedtexten. Aber egal, wir tanzten zu »Neunundneunzig Luftballons« genauso wie zum »Eiermann« oder den »Blues Brothers«. Lachende Gesichter aus Ost und West, junge und alte, kulturell scheinbar Lichtjahre auseinander, waren sich in diesen Momenten so nah, verbunden im Tanz dieser Silvesternacht. Ein paar junge Punks guckten zur Tür herein und fragten verständnislos die Zwanzigjährigen: »Was, ihr feiert mit Mittvierzigern?« Wir luden sie zum Mitfeiern ein.
Vom Berliner Mauerfall werden viele Menschen Geschichten kollektiver Freude in sich tragen, von Szenen an der Mauer, in Kirchen, auf Plätzen mitten in den Städten. Der Aufbruch jener Tage war überall spürbar, mit jeder Pore der Haut, wie ein starker Wind durch die Zeit, eine Hoffnung auf Freiheit und Selbstbestimmung – die letztlich bitter enttäuscht wurde. Es war die Freude selbstbewusster Menschen, die durch eine Mauer gegangen waren. Die Balance, die gleichzeitige Verwirklichung von Selbstermächtigung und Gemeinschaft war hier lebendig geworden.
Das helle Feuer der kollektiven Freude, eine Schwester der Freiheit, hat sich über die Jahrtausende hinweg nicht zerstören lassen. Liegt diese Unzerstörbarkeit vielleicht darin, dass ihr Kern schlicht die Lebendigkeit ist, die jeden Augenblick durchpulst, die im Wachsen jedes Grashalms, jedes Baums erkennbar ist? Ist dieser Kern vielleicht etwas ganz Selbstverständliches? Was ist denn einfacher, als in den frühen Morgenstunden hinauszugehen, um zu schauen: Da warten die Blumen mit unbändiger Lust auf das Licht der Sonne. Ihre Präsenz in jeder Sekunde ihres Lebens, das nur wenige Tage währt, gibt uns eine Ahnung von der vibrierenden Intensität von Freude. Was hindert uns, immer in dieser Qualität zu sein?
Aus solchen Gedanken tauchen seltsame, »unvernünftige« Fragen in mir auf: Warum haben wir Menschen der »kultivierten« westlichen Welt gelernt, in einer Rakete zum Mond zu fliegen? Warum haben wir nicht gelernt, auf unserem Herzen reitend zum Mond zu fliegen? Wir haben nicht gelernt, zu fühlen, wie die Libelle fühlt, wenn sie, frisch aus der engen Larve geschlüpft, reglos an einem Blatt, im Sonnenlicht schimmernd, ihre ersten Sekunden als geflügelte Prinzessin der Luft erlebt; nicht gelernt, auf das Abendrot zu antworten, still wie der See, dessen Wasser so rot leuchtet wie der Himmel. Gibt es ein Wort für dieses himmelflammende Glück, das alle Poren durchpulst? Oder, besser: einen Schrei, der durch die Erde hallt, durch alle Seen und Meere bis hin zu den Sternen?
Die Sonne ist untergegangen. Eine orange glühende Mond­sichel leuchtet am Himmel, Fledermäuse flattern, Sprosser pfeifen, flöten, gurren, alles duftet nach Flieder. Was für ein Abendrot war das! Ich ahne, dass ich an einer ekstatischen Feier teilhatte, einer Feier von Licht und Wasser, zusammen mit all den sichtbar wie unsichtbar tanzenden Lebewesen über dem See: die reine, wilde Lust. Von dieser Feier war niemand ausgeschlossen, jede und jeder konnte schauen, lauschen, fühlen und tanzen. 

 

Christine Simon (60) ist Musikerin und lebt seit 1978 in der intentionalen Gemeinschaft, die heute das Zukunftswerk Klein Jasedow trägt. Sie ist Mitbegründerin der Europäischen Akademie der Heilenden Künste. Soeben erschien ihr Buch »Community Music Therapy« im Drachen Verlag.


Weiterlesen und feiern:
Martin Buber: Ich und Du. Reclam Verlag, 1995 • Barbara Ehrenreich: Dancing in the Streets. A History of Collective Joy. Granta Books, 2007 • Heide Göttner-Abendroth: Die tanzende Göttin. Frauenoffensive, 1982/2001 • Richard ­Gordon: From Republic to Principate. Priesthood, Religion and Ideology, in Mary Beard und John North: Pagan Priests. Religion and Power in the Ancient World. Duckworth, 1990

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