Beitrag vom 03.09.2018

Gemeinsam den Hambacher Forst retten

Kathrin Henneberger

Seitdem wir diesen Artikel vor Wochen für die letzte Oya-Ausgabe geschrieben haben, ist im Hambacher Forst viel passiert: Die ersten Bäume wurden von RWE gefällt, Teile der Protest-Infrastruktur wurde zerstört, die ersten Baumhäuser geräumt und der Zugang zum Wald erheblich erschwert. Am 19. September starb vor Ort der Journalist Steffen Meyn.
Gleichzeitig finden auch bunte Demos und Aktionen zivilen Ungehorsams statt und Unterstützung kommt aus ganz Deutschland und gar weltweit. Am 6. Oktober findet die Großdemo von Greenpeace, Campact und BUND statt, vom 25.-29.Oktober mobilisiert »Ende Gelände« vor Ort.


Der Hambacher Forst ist einer der ältesten Wälder Deutschlands. Seit dem Verkauf an die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) 1978 wurden rund 90 Prozent der Fläche des 50 Kilometer westlich von Köln gelegenen Forsts gerodet. In diesem Jahr sollen weitere Teile dem Abbau von Braunkohle weichen; die Genehmigung hierfür wurde bereits erteilt. Mit den Bäumen fällt eine reiche Geschichte mittelalterlicher Commons-Strukturen: Der Allmende-Wald stand über tausend Jahre hinweg allen zum Sammeln von Feuerholz, Pilzen und zur Beweidung durch Schweine (Waldhute) zu Verfügung – das Roden war untersagt. So wuchsen uralte Hainbuchen und Stieleichen heran, und bedrohte Tierarten – etwa die Bechsteinfledermaus – konnten überleben. Doch das 1937 erneuerte Bergbaugesetz erlaubt es, den Wald abzuholzen: Seither hat die Gewinnung von Rohstoffen höhere Priorität als Umweltschutz und sonstige öffentliche Interessen.

Nach intensiver Beschäftigung mit dieser absurden Gesetzeslage frage ich mich: Wie kann es sein, dass in Zeiten von Erdüberhitzung, Artensterben und Luftverschmutzung einem rohstoffabbauenden Unternehmen weiterhin das volle Recht eingeräumt wird, uralte Bäume zu fällen und auf der Roten Liste stehenden Tierarten ihr natürliches Habitat zu nehmen? Das empört zum Glück nicht nur mich: Seit über fünf Jahren finden vor Ort Protestcamps statt, und die Umweltverbände sind alarmiert. Aktivistinnen und Aktivisten haben bereits auf den Bäumen Plattformen errichtet, um weitere Rodungen zu verhindern. Verstärkung erhalten sie seit Jahren von dem breiten Anti-Kohle- Bündnis »Ende Gelände«, das mit Aktionen zivilen Ungehorsams gegen RWE mobilisiert. Oya wird über den Verlauf der Aktivitäten bis hin zu den geplanten Rodungen im Oktober und November berichten. Womöglich wird daraus ja noch die Geschichte eines gemeinsam geretteten Commons-Walds.

Wer sich zur aktuellen Lage informieren möchte dem empfehlen wir diese Analyse der Süddeutschen Zeitung und der TAZ, die Teilnahme an einer der Waldspaziergänge mit Michael Zobel. Direkt aus dem Wald berichten täglich Waldeule, Oaktown und Hambacher Forst über Twitter.

 

geschrieben von Matthias Fellner
am 03.09.2018


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