Beitrag vom 04.07.2018

Vorschau der Ausgabe #49 »Herzensanliegen«

Wie es zu dem Artikelreigen in diesem Heft kam.

Wenn es so weitergeht, wird in zehneinhalb Jahren die hundertste Oya-Ausgabe erschienen sein. Wie wird es dann wohl in der Welt aussehen? Das schöne Produkt von siebenmal sieben haben wir in dieser Ausgabe zum Anlass für ein Spiel mit Gegenwart und Zukunft genommen.

Wir haben tief im Archiv gegraben, sogar bis zur Vorgängerin von Oya, der Zeitung »KursKontakte«, sind wir vorgedrungen. Mitglieder im Redaktionskreis machten sich auf die Suche nach Texten und Fotos, die für sie persönlich Herzensanliegen verkörpern. Das »Archiv« waren für uns nicht nur die bereits erschienenen Hefte, sondern darin saßen auch noch nicht verwirklichte oder bislang unveröffentlichte Artikelgestalten auf der Wartebank. Aber was sollte aus diesem reichen Textkompost nun wachsen? Wir vereinbarten eine Spielregel: Jede und jeder aus dem Redaktionsteam wählt einen oder mehrere Lieblingsartikel aus der Vergangenheit aus, aktualisiert oder ergänzt sie gegebenenfalls oder setzt etwas um, das immer schon auf der eigenen Wunschliste stand. Wir hofften: Wenn wir Texte auswählten, die uns persönlich ganz nahe sind, vielleicht sogar unser Leben verändert haben, würden zumindest einige davon auch in besonderer Resonanz mit unserer Leserschaft stehen. Anders als bei Jubiläen üblich, suchten wir nicht ausdrücklich nach den Glanzlichtern, nicht »das Beste aus …«, sondern trafen eine intuitive, subjektive, persönliche Auswahl. Oya widmet sich gesellschaftlichen Randthemen – so ist es nur naheliegend, dass wir auch in dieser Ausgabe unser Augenmerk aufs Randständige richten. In kurzen Einführungen erzählen diejenigen, die sich für den Text entschieden haben, warum sie ihn als jubiläumswürdig erachten.

Das Ergebnis dieses Spiels hat uns erstaunt. Zur Regel gehörte, dass ein Veto gegen einen vorgeschlagenen Text sehr gut begründet sein musste, ansonsten trafen alle eigenständig ihre Wahl – was uns zuweilen herausforderte: »Was, das ist dein Lieblingstext? Den hätte ich sicherlich nicht gewählt!«

Welche Fragen stellen sich uns – zehn, zwanzig, dreißig Jahre nachdem ein Text entstanden war? Welche Kontroversen löst er heute aus? Wir beschlossen, diese Auseinandersetzung in Kommentaren sichtbar zu machen. Womöglich entspinnen sich daraus weitere Diskussionen. Wir freuen uns über Ihre und eure Beiträge an: mitdenken@oya-online.de.

Bei aller Vielstimmigkeit entdeckten wir auch Synchronizitäten und so etwas wie einen gemeinsamen roten Faden: Die Themen »Verwandlung« auf biografischer, gesellschaftlicher und individueller Ebene und das »Natur-Sein« des Menschen, aus dem Inspiration für überraschende Wendungen von aussichtslos erscheinenden Situationen geschöpft werden kann, ließen einige von uns an Shakespeares »Sommernachtstraum« denken.

Sehen wir einmal ab von allem anderen, das nicht so ist, dann ist der Sommer vor allem ein Spiel. Wir laden Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein, in diesem Heft zu schmökern und sich in den Sommer hineinzuträumen. Ihnen wird ein Reigen von Mensch-Natur-Verwandlungen und dramatischen Irrungen und Wirrungen begegnen, die sich tänzerisch und mitunter wie von Zauberhand in Wohlgefallen auflösen. Sie werden es mit einer Naturwesen-Forscherin, mit einem Meer aus rot- und goldglänzenden Leibern, mit gewundenen Lebenswegen und Orten, die wieder verschwinden und anderswo neue Gestalt annehmen, zu tun haben. Wir betrachteten die Sprache und ihre gesellschaft-liche Verwandlungskraft ebenso wie transformativen, gewaltfreien Widerstand. Diese Ausgabe ist auch ein wenig verrückt geraten – so verrückt wie die Dinge, die der Sommer hervorbringt: zum ersten Mal in einen unbekannten See springen, im Schatten eines hundertjährigen Walnussbaums sitzen, mit den Kindern Kirschen pflücken, literweise Holunderblütenbrause trinken, den Kopf voller schwüler Gewitterwärme, unfähig, klar zu denken. Derweil übertrifft ein Klimarekord den nächsten – Überschwemmungen dort, ausgedörrte Felder hier.

Was macht für Sie den Zauber dieses Sommers aus? Welche Beobachtungen der Gegenwart erschrecken Sie? Was sind Ihre Wiederentdeckungen? In welche erstaunlichen Verwandlungen wagen Sie sich selbst hinein – so wie die Kinder im Spiel? Das Spiel ist kein schmückendes Beiwerk, sondern Ausdruck von ganzem Menschsein in einer mehr-als-menschlichen Welt. Darin spüren wir, dass wir gemeinsam mit den Steinen, Böden, Pflanzen, Tieren und Landschaften ein Teil des großen planetaren Haushalts sind. Spielen Sie mit – es geht ums Ganze!

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Die nächste Oya-Ausgabe landet Anfang Juli in den Briefkästen der Abonnentinnen und Abonnenten. Bald darauf kann das Heft auch an Bahnhofskiosken gekauft werden.

Falls sie noch kein Abonnement haben, können sie uns hier bestellen - oder sie werden Teil des Oya-Hütekreises (hier mehr Infos zum Hütekreis).

 

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 04.07.2018

7 Kommentare

von Angelika am 05.07.2018

«Rechtschreibung: Abonnentinnen muss es heißen.»

von Matthias Fellner am 06.07.2018

«Danke Angelika! Habe ich gerade geändert!»

von Freund des Hauses am 28.07.2018

«Grundsätzliches zur Funktion von OYA So wichtig wie diese Zeitschrift für die Selbstfindung und Selbstermächtigung der öko-sozialen Szenen und Ränder der deutschen Gesellschaft ist, gibt es doch auch Probleme zu benennen. Bestimmte Zusammenhänge und Fragen, die viele von uns umtreiben, werden in den Oya-Beiträgen systematisch ausgeblendet. Es dürfte doch klar, dass Menschen nicht in Kleingruppen oder sektiererisch-esoterischen Bezügen eine nachhaltige und zukunftsfähge Rolle in der modernen technologischen Zivilisation behaupten können. Das propagierte Außenseitertum und ein Rückzug aus demokratischen und gesellschaftspolitischen Prozessen, nutzt ausschließlich der herrschenden Machtgruppen und -strukturen. Die Erfindung von neuen Werten und Regeln des Zusammenlebens sind bereits immer die alten, schon einmal irgendwo dagewesenen. Ehrlicherweise sollten dann auch die Quellen benannt werden und sich kritisch mit dem real existierenden geistig-moralischen Verhältnissen hier in dem Land auseinandergesetzt werden. Das kann nur in der Diskussion mit den Menschen direkt face to face geschehen. Es sollte nicht der fälschliche Eindruck erweckt werden, dass über die in großen Abständen erscheinende und gefilterte Publikation -OYA- grundsätzliche Fragen behandelt und Menschen zur Beteiligung inspiriert werden können. Ich möchte das anhand eines Beispiels klarmachen: "Die abendländischen Kulturen, die heute in dem kulminieren, was sich selbst als „westliche Wertegemeinschaft“ zelebriert, haben den Weg der Gewalt kultiviert. Sie haben von den Kreuzzügen über den Kolonialismus und seiner „mission civilisatrice“ bis zum gegenwärtigen „humanitären Imperialismus“ die wohl größte Blutspur in der Geschichte des Menschen hinterlassen. Zugleich haben sie die ausgefeiltesten Formen von Doppelmoral und Heuchelei entwickelt, der zufolge selbst unsere größten Gräueltaten lediglich Ausdruck unserer gutwilligen und uneigennützigen Bemühungen um das Allgemeinwohl und den zivilisatorischen Fortschritt der Menschheit seien. Nur wenn wir uns unserer geschichtlichen Verantwortlichkeiten für diesen Weg der Gewalt bewusst werden, können sich Chancen eröffnen, die es überhaupt aussichtsreich machen könnten, von Zukunft der Menschheit zu sprechen" (Rainer Mausfeld) https://www.hintergrund.de/feuilleton/zeitfragen/kapitalismus-und-die-wertegemeinschaft-der-herrenmenschen/ In diesem Interview werden besser als in 100 Oya-Ausgaben die wesentlichen Hindernisse dargestellt, die einer menschlichen und ökologische Lebensweise entgegenstehen. Also, Rückzug in Kleingruppen ist nicht die Lösung. Die Lösung wird sein: Zusammenführung der vielgestaltigen und bisher vereinzelten Bewegungen in eine Organisation der ökosozialen Sammlungsbewegung. Viele Grüße Achim »

von andrea am 31.07.2018

«' Es dürfte doch klar sein' - lieber achim, mir ist es nicht klar und ehrlich gesagt, bin ich immer etwas skeptisch, wenn jemand sagt, er weiss wie es geht und was die lösung ist, es sei denn er heisst gott oder chuck norris... »

von Horst am 31.07.2018

«Mir geht es so: wenn ich den Beitrag von Achim lese, hab ich erstmal ein befremdetes Gefühl - will Achim, will oya und will ich eigentlich im Grunde das Gleiche erreichen, oder nicht ? Das kann ich auch nach mehrmaligem gründlichen Lesen leider nicht wirklich erkennen. Womöglich kommt hier ein altes Problem (der Linken) zum Vorschein: im Steit um den richtigen Weg gehen die Gemeinsamkeiten im grundsätzlichen Wollen zugrunde. So wird nach meinem Verständnis oya hier leider mehrfach böswilliger Vorsatz vorgeworfen ('systematisch ausgeblendet', 'sektiererisch-esoterischen', 'propagierte Außenseitertum und ein Rückzug aus demokratischen und gesellschaftspolitischen Prozessen', ' Ehrlicherweise sollten..', 'gefilterte Publikation -OYA-', 'besser als in 100 Oya-Ausgaben ..'). -- Übrigens wo propagiert oya den 'Rückzug in Kleingruppen' ? dieser Zustand ist in unserer globalisierten kapitalistischen Welt einfach die überall zu besichtigende Tatsache - und gerade da versucht oya immer wieder und unermüdlich die Vernetzung und Integration ebenso wie das gemeinsame Handeln zu befördern. -- Ich kenne oya seit Anfang an als ein Medium, das unvoreingenommen, von Herzen, gründlich und so weitreichend und unerschrocken wie denkbar die (wirklichen!) gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit analysiert, in allen möglichen Beziehungen betrachtet und versucht, Lösungsansätze zu erkennen, zur Diskussion zu stellen und zu fördern. Wichtig scheint mir, einer breiten (allerdings interessierten) Leserschaft verständlich zu sein und nicht nur nach Revolution zu rufen oder in einzelnen Fachdisziplinen theoretische Konstrukte von Ökonomie oder Politik zu theoretisieren. Freileich liegt wohl sicher in diesen Gesellschaftsbereichen ein ganz großer akuter Veränderungsbedarf vor. -- Das heißt für mich: oya behandelt (sehr wohl !) genau die wichtigen 'grundsätzlichen Fragen'. -- Oya (und ihre Macher) denken, fühlen und tun immer unter dem Hauptziel, eine menschliche oder eben enkeltaugliche Welt zu befördern und dabei die gefährlichen Fehlentwicklungen zu erkennen und zu benennen. -- Tatsächlich ruft oya nicht zur Weltrevolution (alten Stils) auf und läßt jedem Leser seine Weltanschauung unbestritten. Glücklicherweise wird oya aber dabei nicht beliebig und verdeutlicht seine eigene Haltung aufrichtig - nur eben ein Patentrezept kann (und will ?) oya nicht geben. -- Achims Zitat (Reiner Mausfeld) nutzt ja dramatische Bilder und starke Worte - das riecht eher nach Patentrezept (obwohl ich dort auch keine überraschenden Fakten erkannt habe). Gleichwohl sollte man den Text vermutlich mal im Originalwortlaut und -zusammenhang durchaus lesen und durchdenken. -- und das Problem: 'wo sind die (möglichst vielen) Menschen, mit denen ein Wandel bewerkstelligt werden kann' und wie 'Menschen zur Beteiligung inspiriert werden können' (das ist aber wohl doch nicht eine -revolutionäre?- 'Organisation der ökosozialen Sammlungsbewegung') und die Frage: 'wollen unsere Enkel eine enkeltaugliche Welt?' treibt auch mich seit langem um. -- Liebe Grüße von Horst aus Halle»

von Freund des Hauses am 01.08.2018

«Also Klartext: Es ist problematisch die Vernetzung und Integration der alternativen Gemeinschaften einer Zeitschrift zu überlassen. Oya wählt nicht nur die Themen aus, entscheidet also über das was wichtig ist und was nicht, sondern verwaltet auch die Kontaktadressen der Leser und betreibt die Netzwerkarbeit in Eigenregie. Auf diese Vernetzung haben die Leser, Mitdenkenden, Aktivisten der alternativen Lebensformen aber keinen Zugriff. D.h. das Netzwerk ist gar keines, weil der Zugriff nur für ein paar einzelne Medienschaffende möglich ist. System- und Demokratietheoretisch muss die Vernetzung durch eine basisdemokratische Sammlungsbewegung stattfinden. Es muss dabei sicher ausgeschlossen werden, dass die Verantwortlichen durch Kapitalinteressen, NGO's, Stiftungen, Parteien, Ideologien, ... instrumentalisiert werden. D.h. wir haben immer das Herrschafts- und Machtproblem. Daher mein Vorschlag, Oya-Macher sollten sich einer offenen, öffentlichen Debatte stellen in Konfrontation mit den Interessierten Publikum, in der realen Welt z.B. auf einer Konferenz oder Symposium, etc., wo die Grundsatzfragen der Kommunikation zwischen den Gruppen und Gemeinschaften besprochen werden können. Ohne Filter durch eine Redaktion. A.»

von Fursow am 09.08.2018

«Geoklimatische Katastrophen: Sind das Zufälle oder eine Reaktion eines intelligenten Planeten (oder sogar Kosmos) auf ihre Zerstörung durch den Menschen? — Geoklimatische Katastrophen geschahen auch vor dem Erscheinen des Menschen. Sogar heute noch ist der Maßstab der Tätigkeit des Menschen so gering, dass es an eine globale geoklimatische Katastrophe nicht heranreicht. Hören wir nicht auf gewissenlose Ökologen. Die Natur muss man allerdings beschützen, unter anderem auch vor dem Menschen. Das Erforschen der Möglichkeit einer geoklimatischen Katastrophe läuft im Westen hinter verschlossenen Türen die letzten 50-60 Jahre. Nach meinen Informationen entstand bei westlichen Forschern Mitte der 1980er Jahre die Überzeugung, dass in der westlichen Hemisphäre Ende der 1990er Jahre eine Katastrophe ansteht und dass die einzige stabile Zone das Territorium der UdSSR sein wird. Anfang der 1990er legte sich die Unruhe, die Fristen wurden verschoben, aber die eigentliche Bedrohung einer geoklimatischen Katastrophe ist nirgendwohin verschwunden. http://vineyardsaker.de/2017/03/12/andrej-fursow-die-welt-von-morgen-3/»


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