Beitrag vom 27.02.2018

Ruf und Antwort

»Was empfindest du heute als ›wesentlich‹?« – Das war die Kernfrage eines Aufrufs, den wir Mitte Januar an 70 schreibende Menschen, die zum Teil von Anfang an intensiv an Oya mitgedacht haben, aussandten. »Was erscheint dir gegenwärtig als so wichtig, dass du es den Oya-Leserinnen und -Lesern unbedingt ans Herz legen möchtest?« Auf diese Frage wünschten wir uns eine unmittelbare Antwort: keinen perfekten Artikel, sondern etwas spontan zu Papier Gebrachtes, eine ungefilterte, persönliche Äußerung – egal, wieviele Wörter dafür nötig wären.

Als dann 24 Antworten nebeneinander lagen, erschienen uns die Texte im besten Sinn nackt und unbewehrt. Wir waren dankbar für die persönlichen, offenen Bekenntnisse. Wir fühlten uns, als stünden wir mit allen Schreibenden in einem virtuellen Rede­kreis: Beim Umblättern geht der Redestab von einer zum anderen weiter. Nach jedem Beitrag darf Stille sein. Je weiter der Stab wandert, desto tiefer sinkt die Ausgangsfrage ins Bewusstsein der Menschen im Kreis ein.

Wir laden Sie und euch, liebe Leserinnen und Leser, ein: Stellen Sie sich, stellt euch mit in diesen Redekreis, um innezuhalten, dem Gesagten zu lauschen und es wirken zu lassen! Was haben Sie, hast du zu sagen, wenn der Redestab an Sie, an dich übergeben wird?

Wir, der Oya-Redaktionskreis, wünschen uns, diese 24 Beiträge mögen einen Anstoß dafür geben, zusammenzukommen und Wesentliches miteinander auszutauschen. Im Sinn der letzten Ausgabe, »Erzählen«, setzen wir vor allem auf die mündliche ­Tradition. Wer über einen dieser Texte sprechen möchte, lade die nächstbeste dafür in Frage kommende Person zu sich ein – zum Beispiel die Nachbarin, den Nachbarn auf einen Tee – und lege ihr, ihm diese Oya-Ausgabe vor. Oder ergibt sich womöglich sogar ein Gesprächskreis an einem offenen, geschützten Ort? Vielleicht entsteht aus dem Gesprochenen ein Text, der den Weg über ­mitdenken@oya-online.de zu uns in die Redaktion findet?

Auch die Fotos, die das Thema dieser Ausgabe begleiten, sind von derselben Frage inspiriert: Manche Bilder begleiten uns seit den Anfängen von Oya – wir empfinden sie als »oya« (und verwenden das Wort »oya« als umhüllendes Adjektiv für etwas Oya-Charakteristisches, das sich sonst nur mit einem Wortschwall sagen lassen würde). Den Fotografinnen und Fotografen, Künstlerinnen und Künstlern sind wir für diese Bilder besonders dankbar – auch ihre Bereitschaft, uns ihre Bilder zum Mitteilen zu überlassen, ist oya!

Bei der Abfolge der Seiten ließen wir diesmal das Los entscheiden: Der Zufall ließ uns Bezüge und Querverbindungen zufallen, die uns überraschten, verblüfften, erheiterten. »Losen« ist sprachgeschichtlich mit »lauschen« verwandt. Bei der Arbeit an dieser Ausgabe war das eine wesentliche Aufgabe für die Mitglieder des Redaktionskreises: Zuhören und wirken lassen; intervenieren, wo nötig, und schweigen, wo es angebracht ist.

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Die nächste Oya-Ausgabe landet Anfang März in den Briefkästen der Abonentinnen und Abonennten. Bald darauf kann das Heft auch an Bahnhofskiosken gekauft werden.

Falls sie noch kein Abonnement haben, können sie uns hier bestellen.

 

Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 27.02.2018


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