Beitrag vom 27.09.2017

Auf dünnem Eis: Auftakt zu Oya #45

Über die Herausforderung, eine Beziehung zum eigenen Lebensraum zu entwickeln, ohne dies mit Besitzansprüchen und Abgrenzung zu verbinden. 
 
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Auf dem Titelbild dieser Ausgabe ist ein Porträt von Adele Graf zu sehen. Es steht in der Küche des »Adele-Hauses« gegenüber dem Oya-Büro in der Mitte des Dorfs Klein Jasedow. Das Haus ist ein sich über die Jahre hinweg entwickelnder Allmende-Ort, wo für verschiedenste Anlässe gekocht wird, Gäste übernachten, Musik unterrichtet oder über Oya nachgedacht wird.

Zusammen mit ihren Eltern wurde Adele nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Sudetenland vertrieben und fand sich als 17-Jährige unter miserabelsten Umständen in Vorpommern wieder. Trotz vieler Schicksalsschläge blieb sie ein zuversichtlicher Mensch; in einem Zeitungsporträt wurde sie »die gute Seele von Klein Jasedow« genannt – und so haben wir es auf ihren Grabstein meißeln lassen, nachdem sie vollkommen alleinstehend im Sommer 2008 verstorben war.

Als die Lebensgemeinschaft, zu der sechs der Oya-Redaktionsmitglieder gehören, im Jahr 1996 eine neue Heimat suchen musste, war Adele die erste Klein Jasedowerin, die sie herzlich willkommen hieß – vielleicht so, wie sie einst als aus ihrer Heimat Vertriebene selbst gerne empfangen worden wäre. In ihren letzten sieben Lebensjahren war sie auf unsere Betreuung angewiesen. Indem wir täglich vom »Adele-Acker«, wo sie jahrelang Kartoffeln angebaut hat und wir heute Gemüse ziehen, und vom »Adele-Haus« sprechen, sind wir ständig mit ihr verbunden. Adele ist für uns Klein Jasedower zu einer Ahnin geworden. Sie hat vor uns versucht, hier mit Leib und Seele heimisch zu werden. Das setzen wir heute fort.

In den Mythen vieler indigener Kulturen spielen die Ahnen eine zentrale Rolle. Wie die Welt entstanden ist, wie die Menschen auf die Erde kamen, wie sich die Landschaft formte und die Ahnen darin ihre Heimat fanden – es scheint ein elementares menschliches Bedürfnis zu sein, Geschichten über Ursprünge und Herkünfte zu erzählen und sie mit der eigenen Lebenswelt in Beziehung zu setzen. In den Liedern der australischen Aborigines verschmelzen die Ahnen mit der Landschaft selbst: Aus ihrem Miteinander in der Traumzeit formen sich die Täler, Flüsse und Berge. Auf poetische Weise wird hier das Natursein des Menschen ausgedrückt, konkret in der Bezogenheit auf den gegebenen Lebensraum.

»Ahnin, Ahne« – was für ein schwieriger Begriff! In dieser Ausgabe von Oya gehen wir der Frage nach, was »nach Hause kommen« bedeutet. Da müssen wir uns auch mit dem heiklen Thema der Ahnenschaft befassen. Dazu ein kleiner Exkurs an den Anfang des 20. Jahrhunderts.

Damals, auf dem Höhepunkt der Dynamik von Industrialisierung und Verstädterung, zog die Wandervogel-Bewegung Scharen junger Leute an. Sie wollten hinaus »aus grauer Städte Mauern«, zurück zur Natur, zur Ursprünglichkeit und zu einem Gemeinschaftsgefühl. Die moderne Zivilisation erschien ihnen finster und kalt. Es ging um weit mehr als ums Wandern; letztlich ging es um eine emotionale Aufladung des Begriffs »Heimat«, der noch zu Zeiten der Brüder Grimm lediglich den Herkunftsort einer Person bezeichnete. »Das intensive gemeinschaftliche Erleben von heimatlicher Landschaft, Kultur, Brauchtum und Tradition steht im Mittelpunkt der Exkursionen. Man errichtet Zeltlager und Lagerfeuer, kocht zusammen und übernachtet draußen unter dem Sternenhimmel. Alt­germanische Feste werden wieder zum Leben erweckt«, schreibt Rüdiger Sünner in seinem Buch »Schwarze Sonne. Die Macht der Mythen und ihr Missbrauch in Nationalsozialismus und Esoterik« über die Wandervogel-Bewe­gung. »Man durchwandert die deutsche Landschaft, besichtigt Burgen und Relikte vorzeitlicher Kulturen und versucht, die Sinne der Jugend für die Schönheiten der Heimat zu öffnen.« Die Wandervögel suchten auch nach einer Mystik jenseits der etablierten Religionen. »Gott wohnt für sie nicht im Dämmerlicht der Kirchen, sondern im Rauschen der Bäume und Quellen, im klaren Funkeln des nächtlichen Sternenhimmels«, so Sünner.

Ein Mythos über eine Naturreligion angeblicher Vorfahren, wie ihn völkische Schwärmer wie Guido von List oder Adolf Lanz in Gestalt frei erfundener Germanen-Mythologie anboten, fiel bei den Wandervögeln auf fruchtbaren Boden, hielt er doch auch einen Mythos über den Ursprung der Menschheit bereit. Dessen »Germanen« sind nicht einer von diversen historisch belegten Stämmen der Eisenzeit, sondern eine fantasierte »Urkultur«, von der auch die Megalithbauten stammen sollen. List beklagt die »Überfremdung« jener angeblichen Kultur der blonden, blauäugigen germanischen Arier durch das römische Reich und das Christentum. So führt er einen Aspekt ein, der in indigenen Mythen in der Regel fehlt: ein Feindbild, das auf eine andere Kultur projiziert wird. Fast alle derart »germanischen« Gruppen nach der Jahrhundertwende zeichnete bereits ein ausgeprägter Antisemitismus aus. Ein solcher Nährboden machte es schließlich den Nationalsozialisten leicht, die Wandervogelbewegung nahtlos in ihre Jugendverbände zu integrieren.

Seither erinnert das Wort »Ahne« fatalerweise an die Organisation »Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe«, die 1935 von Heinrich Himmler, dem SS-Reichsführer mit Hang zum Okkultismus, und dem Euthanasie-Befürworter Herman Wirth, dessen Thesen zu einem nordisch-germanischen Ur-Europa bis heute in neuheidnischen Szenen kursieren, gegründet worden war. Es ist verständlich, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Sehnsucht nach Natur- und Heimatverbundenheit, Traditio­nen, kollektiver Identität, Gemeinschaft und einem spirituellen Weltbild unter Generalverdacht stand: All das hatte innerhalb weniger Jahren in die Katastrophe geführt. Nun sei es an der Zeit, sich davon endgültig zugunsten einer aufgeklärten, rationalen Weltsicht zu emanzipieren.

Andere, so etwa der polnisch-englische Soziologe Zygmunt Bauman, deuteten den Holocaust und den nationalsozialistischen Totalitarismus als logische Konsequenz des Rationalismus und der Modernisierung. Die Moderne sei ein von der Idee einer absoluten Ordnung besessener »Kampf gegen die Ambivalenz«, der alles Uneindeutige und Andersartige auszugrenzen versuche, schrieb Bauman in »Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust«. In letzter Konsequenz haben diese unterkomplexen, rationalistischen Tendenzen der Moderne für Bauman totalitäre Züge. Die industrielle Vernichtung von Menschen sei erst durch die perfekt durchrationalisierten bürokratischen Abläufe des 20. Jahrhunderts ermöglicht worden, die die ausführenden Individuen scheinbar von jeder Verantwortung entbanden, indem sie die gezielte Massentötung von Menschen als ein Geschäft wie jedes andere aussehen ließen. Das kennzeichnende Merkmal nationalsozialistischer Ideologie sei demnach nicht rückwärtsgewandte Irrationalität – wenngleich diese in Form von Blut-und-Boden-Mystik und okkultem Mystizismus durchaus vorhanden war –, sondern rationalistisches Fortschrittsdenken.

Sei die Ursache für den widersinnigen Kampf gegen ein konstruiertes Böses nun vorwärts- oder rückwärtsgewandter Fanatismus – offenbar entstand er in einer Zeit, in der den Menschen die Sinnhaftigkeit ihres Lebens mehr und mehr abhanden kam und mangelne Bezogenheit durch Ersatzheimaten wie »Nation« oder »Rasse« aufgewogen werden konnte.

Gegenwärtig feiern AfD-Politiker Wahlerfolge, die Sätze wie »Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen!« von sich geben. Ist es in so einem Klima überhaupt noch möglich, über die Bedeutung von »Heimat« zu schreiben, ohne in eine nationalistische oder gar völkische Ecke gestellt zu werden? Vielleicht ist es aber gerade jetzt wichtig, sich der Qualität des Nach-Hause-Kommens zu widmen. Sie ist ein Gegengift gegen den angsterfüllten Fremdenhass, denn sie zeigt sich als Zustand von Verbundenheit und Fülle.

Der neuseeländische Psychologe Mason Durie, selbst den Maori zugehörig, beschrieb als das kennzeichnende Merkmal indigener Völker die dauerhafte Beziehung zwischen den menschlichen Bewohnern, ihrem Lebensraum und ihrer natürlichen Umgebung – indigene Menschen können nicht losgelöst davon existieren oder gedacht werden. Der Grad ihres Eingebundenseins unterscheidet sich prinzipiell nicht von jenem der sie umgebenden Pflanzen, Tiere, Landschaften. Weitere Charakteristika sind, dass diese Bezogenheit über lange Zeiträume – Jahrhunderte – andauert und eine eigene Identität, ein eigenes Wissenssystem, nachhaltige Formen des Wirtschaftens sowie eine eigene Sprache hervorbringt – interessanterweise aber vielfach kein Konzept von »Eigentum« : Die Menschen fühlen sich dem Land zugehörig, anstatt zu denken, ihnen gehöre das Land. Ist es möglich, als moderner Mensch in diesem Sinn eine Beziehung zum eigenen Lebensraum zu entwickeln? Das ist etwas völlig anderes, als Heimat zu beanspruchen und sich »unser Land« zurückholen zu wollen.

Ein kulturelles Zuhause entsteht durch Geschichten – am stärksten dann, wenn sie sich mit konkreten Orten verbinden. Das können Geschichten sein, die nur für einen kleinen Ort bedeutsam sind – wie diejenige über Adele Graf – oder solche, die den wichtigen Themen im Zeitgeist für viele Menschen Gesichter geben. Können wir in Magazinen wie Oya Geschichten über ein »gutes Zusammenleben« erzählen und ihnen eine kulturbildende Bedeutung verleihen, statt sie nur zu konsumieren? Diese Ausgabe berichtet zum Beispiel von Pödelwitz, einem Dorf, dem es womöglich gelingt, sich gegen seine Zerstörung durch den Braunkohletagebau zur Wehr zu setzen. Ist das nur eine Reportage, die sich locker im Vorbeigehen lesen lässt, oder kann es eine Geschichte werden, die sich noch die Enkel unserer Enkelinnen erzählen werden? Vielleicht wird in hundert Jahren das Wort »Kaláka« für selbstverständliche, ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe überall in Europa gebräuchlich sein, und man wüsste dann von den Dörfern im transsilvanischen Niraj-Tal, die diesen Brauch wiederbelebten. »Beheimatung« und »Tradition« in einen neuen weltoffenen, verbindenden, Menschen und Nicht-Menschen einschließenden planetaren Rahmen zu setzen, ist heute, über 70 Jahre nach dem Trauma des Nationalsozialismus, ein immer noch herausfordernder Schritt.

Die Geschichten im Fokus dieser Oya-Ausgabe sind eine Einladung, sich behutsam an die lebensfördernden Qualitäten des Zu-Hause-Seins heranzutasten und dabei die Gefahren der Heimatsehnsucht beständig im Blick zu haben.

 

Oya #45 »Nach Hause gehen« landet kommende Woche in den Briefkästen der Abonnentinnen und Abonnenten. Bald darauf kann das Heft auch an Bahnhofskiosken gekauft werden.

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Lara Mallien

geschrieben von Lara Mallien
am 27.09.2017

5 Kommentare

von Birte am 28.09.2017

«Liebe Lara, vielen Dank für Deine Worte. Sie sprechen aus, was schon länger in meiner Seele einen Spagat versucht. Danke!»

von André Mauersberger am 13.12.2017

«Da mein Leserbrief nicht veröffentlicht wurde, versuche ich auf diesem Wege einige Irrtümer aufzuklären. Ich habe eine Gegendarstellung zu dem Anastasia-Artikel in oya/45 geschrieben aus der ich hier zitieren möchte: Eine soziale Bewegung findet immer in der Wirklichkeit statt, nicht in Büchern oder im Internet. Die real existierende Siedlungsbewegung in der Russischen Föderation umfasst mehrere Zehntausend Menschen. Die Menschen in den verschiedenen Siedlungen, die ich kenne, bewegt in erster Linie die Frage, für was und wie man seine Arbeitskraft einsetzt um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Denn nur sehr wenige Siedler können wirklich von dem Stück Land leben und ihre Familie durch die Erträge des Bodens versorgen. Manche arbeiten in der Stadt in der Verwaltung, andere bieten Seminare, Konferenzen und Dienstleistungen aller Art an, oder machen Musik, andere arbeiten an der Entwicklung einer touristischen Infrastruktur. Ich gehe davon aus, dass für die russischen Siedler praktische Erwägungen ausschlaggebend sind. Fundamentalistische und ideologische Einstellungen, wie sie hier in Deutschland in Gemeinschaftssiedlungen verbreitet sind, würden das (Über-)Leben in den ehemaligen bzw. stillgelegten Kolchosen eher erschweren wenn nicht gar verunmöglichen. Seit 20 Jahren gibt es in Europa und Nordamerika eine globalisierungskritische Bewegung, die heute nur noch ein Schattendasein führt. Welche konkreten Ergebnisse hinsichtlich ihrer praktischen Wirkung auf die Gesellschaft gibt es zu verzeichnen? Sind wir einmal ehrlich. Im politischen Raum gibt es keine Gesetze oder Verordnungen zur Förderung Regionaler Wirtschaftskreisläufe. Im Gegenteil, die Bevorzugung von lokalen und regionalen Wirtschaftskreisläufen verstößt gegen EU-Gesetze. Und nicht nur das. Der Schutz bzw. die Privilegierung lokalen Wirtschaftens und lokaler Betriebe steht im Widerspruch zu den Grundfreiheiten des neoliberalen EU-Projektes: unbedingte, uneingeschränkte Freiheit des Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs. Selbstbestimmtes Leben in Harmonie mit der Natur ist in Deutschland eine verbreitete Sehnsucht. Eben weil es nicht realisierbar ist, wird es zur Utopie. Das ist die deutsche Ideologie. Stattdessen gibt es in Praxis eine immer effektivere und beschleunigte Vermarktung von eigentlich allem. Die Werbekampagnen hinsichtlich „Schöner unsere Städte und Dörfer“ übersteigt das Vorstellungsvermögen früherer Generationen. Jede Gegend, jede Landschaft will beworben und vermarktet werden. Jede noch so langweilige Kleinstadt verkauft irgendeine historische Besonderheit. Schlösser, Burgen und Parkanlagen nehmen Bezug auf glorreiche feudale Vergangenheiten, Heimatfeste erinnern an Fürsten, Grafen und Heerführern. Mittelalterfeste und historische Jahrmärkte werden von Stadtverwaltungen gefördert und organisiert. Alles ist Kommerz und Geschäft. Strukturen die gegenseitige Hilfe und Kooperation im Wirtschafts- und Berufsleben ermöglichen sollen, sind die absoluten Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Meist bleibt es beim guten Willen. Weil real ökonomisch nichts geht und das System alle wirtschaftspolitischen Alternativen schon im Entwurfsstadium abtreibt, konzentriert man sich in alternativen Szenen auf die geistig-spirituellen Glaubensüberzeugungen und Weltanschauungen. Aber genau das sollte eigentlich jedem selbst überlassen bleiben. Es gilt nach wie vor der Verfassungsgrundsatz: Religion ist Privatsache. Und nicht nur Politiker soll man an ihrem Tun messen. Die im Oya-Beitrag auf S. 52 wiedergegebene Absicht eines Festival-Beteiligten, die deutsche Kultur vor dem Verschwinden bewahren zu wollen, darf man der Bewegung als Pluspunkt anrechnen. Zur deutschen Kultur gehört alles, was auf dem Territorium hier in den letzten 1000 Jahren gesungen und getanzt wurde. Warum auch nicht? Es sollte für vernünftige Menschen klar sein, dass eine Fixierung und Reduzierung auf 12 Jahre Entartung und Missbrauch des riesigen kulturellen Erbes, nicht zugelassen werden kann. Unsere Kultur besteht nicht aus 12 Jahren Nazi-Herrschaft. Unsere Herkunft, unsere Traditionen und unser kulturelles Wissen schöpfen wir aus einem riesigen Reservoir. Und das müssen wir vor dem Missbrauch durch Nazis in Schutz nehmen. Wir müssen verhindern, dass die staatlichen Verbrecher von 1933-1945 noch heute unsere gesamte Geschichte missbrauchen können. Daran können wir arbeiten. Ebenso von selbst versteht sich unsere Zurückweisung der Versuche von interessierten Kreisen, die Begriffe Volk und Nation ausschließlich mit der Zeit von 1933-1945 in Verbindung bringen zu wollen. Die Versuche erfolgen in betrügerischer Absicht, denn es geht dabei um die Bekämpfung der ethnischen und nationalen Identifizierungen hier und heute. Wer sich ständig auf diese 12 Jahre deutscher Geschichte beziehen muss und darin steckenbleibt hat ein Problem. Dieses Problem muss der Betreffende für sich selbst lösen. Möglicherweise ist dieses Problem sogar weit verbreitet. Es gibt diesen Menschen jedoch nicht das Recht, Sprech- und Denkverbote zu verhängen. Das wäre dann wirklich eine Form der praktizierten Menschenverachtung. Auch in den Oya-Beiträgen von Fabian Scheidler bleibt dem aufmerksamen Leser die gesinnungspolizeiliche Absicht nicht verborgen. Es ist unserer Ansicht nach ein Novum für diese Zeitschrift, mit einem klaren Versuch der konflikterzeugenden Energie an die Öffentlichkeit treten und Menschen gegeneinander in Stellung bringen zu wollen. Denn das beabsichtigte Ausgrenzen und Distanzieren von „unschönen“ Anteilen der Gemeinschaftsbewegungen funktioniert über Zuschreibungen, Bezichtigungen und Diffamierungen. Menschen werden zu politischen Positionen gezwungen (durch die Drohung mit dem Verlust der Anerkennung), die sie gar nicht beabsichtigt und auch nicht durchdacht haben, auf die sie nicht vorbereitet sind. Sie werden in Auseinandersetzungen hineingezogen, deren Hintergründe ihnen unbekannt sind. Die Bindungen und Kontakte aller Personen zu den betreffenden Gruppen und Einzelpersonen werden unter Verdacht gestellt. Die Folge sind weitere Konflikte und sozialer Stress auf allen Seiten, bei allen Beteiligten. Die Worte „völkisches Denken und krude Verschwörungstheorien“ sind Kampfbegriffe. Sie stammen aus dem Arsenal der Antideutschen. Diese bekämpfen den Nationalstaat und jede Form der staatlichen Souveränität. Diese politischen Kräfte fördern und fordern unbegrenzte Migration. Die Ideologie der no-Border&no-Nation-Fraktion ist der eigentliche Kern und gleichzeitig Motor der gesellschaftlichen Konflikte der letzten Jahre in der BRD. Hier überlagern sich die Interessen der globalistischen Macht-Eliten mit den Befindlichkeiten der modernen Großstadt-Linken. Hatte diese Ideologie vor 15 Jahren zahlenmäßig nur wenige Vertreter, wurde sie aufgrund der breiten Unterstützung durch bestimmte Medien nun zu einem gesellschaftlichen Phänomen. Die Akteure sind mit Multiplikatorfunktion ausgestattet, d.h. sie können zeitnah in verschiedenen Publikationen veröffentlichen, haben Zugang zu Ministerien, Behörden und Parteivorständen und sie sind hochgradig untereinander vernetzt. Interessanterweise bleiben die Akteure meist im Hintergrund. Sie arbeiten in staats- und parteifinanzierten Stiftungen wie die Amadeo-Antonio-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, in Jugendorganisationen der Grünen, SPD und der Partei Die LINKE und in Migranten- und Flüchtlingshilfsorganisationen. Die Antideutschen Grünen und LINKEN hatten vor drei Jahren zum Kampf gegen die Friedensbewegung (Friedensmahnwachen, Ken Jebsen, etc.) getrommelt. Mit einigem Erfolg. Die Friedensbewegung wurde massenmedial verunglimpft (u.a. durch Jutta Ditfurth in den öffentlich-rechtlichen Medien) und ist heute vollkommen marginalisiert. Übrigens wurde so ganz nebenbei jeder herrschafts- und machtkritische Diskurs unterbunden. Das eigentliche Drama spielt genau hier. Der moderne Linke sieht heute bereits im Singen von deutschen Volksliedern „völkische“ Tendenzen am Werk. Sicherlich ist Euch allen schon mal aufgefallen, dass wir – auch von den öffentlich-rechtlichen Medien - überwiegend mit englischsprachiger Musik versorgt werden. Warum das so ist, wird auch auf Nachfrage beim MDR nicht erklärt. Schließlich gibt es in Europa viele Länder und Kulturen mit vielfältigster und reichhaltiger Musiktradition. Zur Ausgewogenheit würde gehören, wenn auch tschechische, ungarische, polnische, serbokroatische, italienische, spanische, russische, finnische… Volksmusik und Liedtradition zu hören und zu sehen wäre. Das gibt es aber nicht im TV&Radio. Filme dieser Länder fehlen nahezu vollständig, obwohl wir in einem gemeinsamen Europa doch die Völkerverständigung fördern wollen. Wie könnte man das besser als durch das Näherbringen von Musik und Film? Warum es zu 90% nur Musik und Filme aus dem anglo-amerikanischen Kulturraum (oder thematisch an diesen angelehnt) sein muss, ist jedenfalls bisher nicht geklärt. A. Mauersberger»

von Leser am 07.02.2018

«André Mauersberger, vielen Dank für ihr Komentar hier!! Es ist durchaus seltsam dass Oya, keine Komentare bei dem Anastasia Artikel erlaubt. Sovieles wurde in dem Artikel verdreht...»

von Keine Kommentare bei Artikeln am 08.02.2018

«Hallo Herr Mauersberger, die Kommentarfunktion ist nur im Blog aktiv, bei keinem der Oya-Artikel können Sie Kommentare hinterlassen. Das hat nur damit zu tun, dass wir nicht die Kapazität haben, so viele Diskussionen zu moderieren. Wir laden unter jedem Artikel ein, uns Leserbriefe zu schicken und beantworten diese auch ausführlich. Auch Sie haben von uns eine Antwort bekommen, aber wir leider noch keine Erwiderung, obwohl uns Ihre Meinung zu dem, was wir geantwortet haben, natürlich interessieren würde. Herzliche Grüße, Lara Mallien»

von E-Mails kommen zurück am 18.02.2018

«Sehr geehrter Herr Mauersberger,

soben versuchte ich, Ihnen folgende E-Mail zu schicken:
Jetzt steht es an, dass wir uns mit den Leserbriefen für die nächste Ausgabe beschäftigen. Wir drucken hier gerne den Austausch mit unseren Leserinnen und Lesern und sind deshalb, wie bereits gesagt, etwas irritiert, dass Sie gar nicht auf unsere Antwort reagiert haben. Darin stellen wir ja explizit die Frage, ob Sie denn den Teil des Briefs, in dem Sie die Böll-Stiftung und andere Organisationen pauschal als „antideusch“ bezeichnen, tatsächlich so drucken möchten.
Deshalb meine erneute Nachfrage: Möchten Sie das tatsächlich, und warum sind Sie zwar daran interessiert, Ihre Stellungnahme online präsent zu veröffentlichen, aber nicht daran, auf unsere Antwort zu reagieren?

Daraufhin kam die Mail zurück mit der Botschaft: User unknown. Genau so ging es uns bei unserem Versuch, auf Ihre erste Zuschrift, die unter einer anderen Mailadresse kam, zu antworten. Das kommt uns seltsam vor: Warum ändern sich alle paar Wochen die Mailadressen? Schreibt hier jemand anderes unter dem Pseudonym »André Mauersberger«? Wir bitten um Aufklärung.

Herzliche Grüße,
Lara Mallien
»


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