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Ein Bau-Spiel

Auf der Suche nach einer gemeinschaftlichen Zukunft.

von Lara Mallien , erschienen in 15/2012

Die passenden Regeln für gemeinschaftliches Wohn­eigentum zu finden, ist ein kreatives Gesellschaftsspiel, das an vielen Orten stattfindet. Denn für Gemeingüter gibt es heute noch keine idealen rechtlichen Strukturen. Hier sind kreative Köpfe und Pragmatiker gefragt.

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Seit es Peter Buckmann in der Schulzeit gelang, mit der Organisation von Konzerten in der Schulaula gemeinsam mit seinen Freunden das Geld für die ersehnte Camping-Ausrüstung heranzuschaffen, hat er ein positives Verhältnis zum Wirtschaften. »Ich bin leidenschaftlicher Kaufmann«, sagt Peter, wenn er nach seinem Beruf gefragt wird. Ende der 70er Jahre engagierte er sich während seines Studiums in Münster für ein Kneipenkollektiv. Sich selbst zu organisieren und gemeinschaftlich zu entscheiden – die Idee des Kollektivs begeisterte ihn. Aber das Experiment scheiterte: Einer im Team war doch gleicher als die anderen. Stattdessen gründete Peter ein Transport-Kollektiv, doch wieder wurden keine optimalen Spielregeln gefunden. »Alle wollten mitreden, aber nur zwei die Verantwortung tragen«, erklärt Peter. Im Jahr 2000 wollte er noch einmal von vorne beginnen, diesmal als eigenständiger Unternehmer. Seine Firma erledigte Postbearbeitung für größere Unternehmen. Das funktionierte, in kurzer Zeit hatte er hundert Mitarbeitende. Die Kollektiv-Erfahrung kam ihm dabei zugute: Kleine Teams konnten alles selbstverantwortlich regeln, und das funktionierte. Peter konnte seine Mitarbeiter am Gewinn beteiligen. Zu den Gewinnern zu gehören, ist im heutigen System aber gefährlich. Eine holländische Aktiengesellschaft kaufte sich ein, übernahm die Mehrheit. Als die Löhne gekürzt wurden und die Gewinnbeteiligung gestrichen werden sollte, stieg Peter aus. Von Wirtschaftsprojekten hatte er erst einmal die Nase voll. Es stand wieder ein Neubeginn an. Dafür zog er mit seiner Frau in den Schwarzwald.


Neustart zwischen Kindergarten und Altersheim
Im Sommer 2010 erfuhr Peter, dass sich in Schopfheim ein gemeinnütziger Grundstücks-Verein gegründet hatte, um Immobilienspekulation auf einem Gelände, das einen Kindergarten und ein Altenpflegeheim beheimatet, zu verhindern. »Leben am Eisweiher« heißt das Projekt nach dem nahegelegenen See. Peter brachte sich ein und übernahm die Moderation der ersten Informationsveranstaltung, zu der über 150 Menschen eingeladen waren. »Das war spannend. Weil es kein vorgefertigtes Konzept gab, blieben nur diejenigen, die eine starke Visionskraft hatten«, erinnert sich Peter. In dieser Versammlung spürte er, dass er seine Rolle gefunden hatte: Statt den Geschäftsführer zu geben, würde er hier ein Moderator für kollektive, kreative Entscheidungsfindungen sein.
Verschiedenste Bedürfnisse mussten harmonisiert werden: Das Haus sollte einerseits den Bewohnern gemeinsam gehören, andererseits auch für Menschen offen sein, die nicht investieren können, sondern eine günstige Mietwohnung brauchen. 58 Wohnungen in unterschiedlichen Größen sind geplant. Auf der Suche nach einer passenden rechtlichen Konstruktion baute die Planungs­gruppe den Gesellschaftsvertrag einer Eisweiher GmbH & Co. KG um, bis er wie eine Genossenschaft funktionierte: Jede Person hat eine Stimme, egal, wieviel Kapital sie einbringt. Der Vorteil im Vergleich zur Genossenschaft: Anteile können nicht gekündigt werden, sondern wer austreten will, trägt selbst die Verantwortung dafür, seinen Anteil zu verkaufen. Es wird auch im Vertrag festgeschrieben, dass die GmbH keine Rendite bekommt, denn statt Geld soll hier Gemeinsinn der Gewinn sein. »Auch diejenigen, die hohe Summen einbringen, waren damit einverstanden, nur eine Stimme zu haben.« Das hat Peter sehr beeindruckt. Für den Gemeinsinn ist vor allem wichtig, dass keine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht: Auch wer einen Anteil erwirbt, bezahlt Miete.
Im Plenum aller zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner werden mit dem Architekten die Ideen für den Bau erarbeitet. »Manchmal ergibt sich eine ganz andere Lösung, als ich eingangs dachte. Wir haben schnell erkannt, dass gerade die Bedenkenträger wertvolle Impulsgeber sind«, erzählt Peter. »Zum Beispiel hätten wir ohne besorgte Einwände das Thema ›Schallschutz‹ nicht ausreichend wichtig genommen.« Im Plenum werden vor allem Wünsche nach Gemeinschaftsräumen laut: Bibliothek, Spielzimmer, Werkstätten und Therapieräume oder gemeinschaftlich betriebene Gästezimmer. Was das Plenum auskocht, wird anschließend offiziell im Konsens von den Mitgliedern der KG beschlossen. Die Bauwilligen vom Eisweiher wollen eine moderne Dorfgemeinschaft werden. Inzwischen ist die Baugenehmigung erteilt. Es geht nun noch um Details und das Schließen der letzten Finanzlücken. »Als nächstes bauen wir eine Holzhütte, eine Bauhütte«, erzählt Peter begeistert. »Da können wir uns schon während der Bauzeit treffen, Suppe kochen und spüren, wie sich Gemeinschaft anfühlt.«  Lara Mallien

Zum Wohnprojekt »Eisweiher«:
www.leben-in-gemeinschaft.org

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