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Befehlshaber wird Zeithaber

Nach der Wende wollte Ingo Kloiber raus aus der Bundeswehr. Seitdem sucht er seine Bestimmung.

von Dieter Halbach , erschienen in 02/2010

Führung und Gehorsam
Er ist ein Bär von einem Mann, so eine Mischung von Balou und einem kampferprobten, alten Grizzlybären. Wenn er seine Arme ausbreitet und sagt, dass er ein Zeithaber sei und seine vielen Talente anderen zur Verfügung stellen will, dann möchte man ihm in die Arme fallen und sich ihm anvertrauen. Wenn man ihn so anschaut, könnte er auch ein Seefahrer, Bergsteiger oder Holzfäller sein. Im wirklichen Leben aber war er 25 Jahre lang bei der Bundeswehr zuständig für die Flugsicherheit der Jagdbombergeschwader.

Heute ist Ingo Kloiber 65 Jahre alt und kann nachts nicht richtig schlafen, denn für den Fall, dass ihn jemand brauchen würde, ist er sofort einsatzbereit. Das kommt vom Kameradschaftsgeist in der Bundeswehr. »Einer für den anderen« muss letztlich auch bereit sein, zu sterben. Man merkt Ingo an, dass er diese Solidarität genossen hat. Er möchte kein einsamer Pensionär werden, sondern ist auf der Suche nach einem gemeinschaftlichen Lebenszusammenhang. Der andere Teil der Bundeswehr-Prägung, der mit dem Kadavergehorsam, war für ihn erledigt, als nach der Wende der »Feind im Osten« weggefallen war, aber die Kriegsspiele einfach weitergingen. Den Wechsel von der reinen Verteidigungsarmee zur globalen Einsatztruppe wollte Ingo nicht mitmachen. Da kam es ihm gerade recht, dass es nach der Vereinigung zu viele Offiziere gab und er mit 48 Jahren seine Frühverrentung beantragen konnte. Als dann seine sorgsam ins Berufsleben eingetaktete Ehe an der neuen Situation zerbrach, war Ingo ein freier Mann auf der Suche nach sich selbst.

Auf zum inneren Abenteuer
Vieles hat er seitdem ausprobiert: Er wurde Reitlehrer für die »leichte Reitweise«, gründete mit seiner neuen Frau einen Ferienhof an der Ostsee und stieg mit ihr in eine spirituelle Organisation ein. Von den Leitungsposten, die er dort bald belegte, hat er sich aber schnell wieder verabschiedet, ihn störte »der Umgangston und die Respektlosigkeit und Ausbeutung der unteren Ränge«.

Ingo reiste um die Welt und fand seine Gemeinschaft mal bei den fischfangenden Maori in Neuseeland oder in einer Streetgang, mit der er durch Berlins Kneipen zog. Heute sucht er Gemeinschaft als Lebensweise, sucht eher die inneren Abenteuer. Er möchte sich nicht weiter »schuldig machen auf Kosten anderer«. Ingo weiß, dass es nie eine hundertprozentige Übereinstimmung zwischen innen und außen geben kann – aber genug Schnittmengen.

Glücklich die Gemeinschaft, die bald einen »Bären« zu ihren Mitgliedern zählen kann.

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