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Vom Meister lernen

Der Permakulturgarten von Kurt Forster.

von Jochen Koller , Ulrike Meißner , erschienen in 13/2012

Von alten Traditionen, Techniken und Erfahrungen zu lernen, ist eine Grundlage der Permakultur. Man muss jedoch Glück haben, einen Menschen mit (Lebens-)Erfahrung zu finden, der auch bereit ist, sein Wissen weiterzugeben. Ein solcher Ältester ist Kurt Forster aus der Schweiz. Jochen Koller und Ulrike Meißner besuchten ihn in seinem Permakultur-Hausgarten im Kanton Appenzell Ausserrhoden.

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Es ist immer wieder faszinierend, welch nahezu perfektes Permakultur-System Kurt Forster auf etwa 700 Quadratmetern Gartenfläche rund um sein Haus aufgebaut hat. Hier am Hang, auf 800 Metern Seehöhe und bei Tiefsttemperaturen bis minus 28 Grad, wächst im wohldurchdachten und liebevoll gepflegten Gartensystem ein Großteil des jährlichen Bedarfs an Obst und Gemüse von Kurt und seiner Frau sowie die Hälfte der von ihnen benötigten Kartoffeln. Dabei ist Kurt nicht nur in der Selbstversorgung mit Nahrung hervorragend aufgestellt, er erntet auch 200 Prozent seines Strombedarfs über Solarzellen auf seinem Dach, so dass er den Überschuss ins Stromnetz einspeisen kann.
Geprägt durch eine Kindheit, die im Krieg begann, war Kurt der Gartenbau von klein auf vertraut, doch es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis er selbst zu gärtnern begann und 1992 die Permakultur kennenlernte. Sechs Jahre darauf diplomierte er als Permakultur-Designer. Das Wasser hatte es ihm seit jeher angetan – bereits seit seinem sechsten Lebensjahr beschäftigt er sich mit Fischen. Auch heute nutzt Kurt die Wassertiere auf seinem Gelände. Beispielsweise schwimmen im Teich die pflanzenfressenden Karauschen. Manche Essensreste wandern nicht auf den Kompost, sondern als Fischfutter in den Teich. Auch im Wassertank des Gewächshauses leben kleinere Pflanzenfresser. Sie ernähren sich von den hier wachsenden Algen und düngen gleichzeitig das Wasser, was wiederum den damit gegossenen Gewächshauskulturen zugutekommt.
Sechs Ziele hat Kurt Forster für sein Gartensystem formuliert. Er möchte eine hohe Produktivität auf kleiner Fläche schaffen, dabei in geschlossenen Kreisläufen arbeiten und keinen Abfall produzieren. Es sollen weder Pestizide noch Kunstdünger angewendet und eine hohe Biodiversität geschaffen werden. Kurt möchte urwaldähnliche Produktionssysteme in mehreren Stockwerken gestalten und ein besonderes Augenmerk auf das Wassermanagement legen, also auf das Auffangen, Hochlagern, vielfältige Verwenden und saubere Abgeben von Wasser.

Vorbildhafte Zonierung und Sektorierung
Kurts Garten zeigt heute in eindrucksvoller Weise, welchen Beitrag eine vergleichsweise kleine Fläche zur Nahrungsmittelversorgung und zur Schaffung vielfältiger Lebensräume beitragen kann. Er ist in verschiedene Zonen aufgeteilt, die unterschiedlich stark bewirtschaftet werden. Alle Elemente sind aufeinander abgestimmt angeordnet und miteinander verbunden. Denn die richtigen Dinge und Lebewesen am richtigen Platz ermöglichen Beziehungen, Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung.
Es gibt einen intensiv genutzten Gemüsegarten. Hier sind die Beete teilweise gemulcht, und am Rand wachsen Beerensträucher. Zur Düngung werden Pflanzenjauchen verwendet. Im waldgartenartigen Teil des Gartens wachsen verschiedene Obstbäume, Pilze auf Holzstämmen sowie Strauch- und Kletterpflanzen, wie die Freilandkiwi. Ein unbearbeiteter Wildnisbereich bietet ungestörten Lebensraum für Wildtiere und von der Terrasse aus einen schönen Blick ins urwüchsige Grün.
Besonderen Wert hat Kurt auf die Sektorierung des Geländes gelegt. So wurden die äusseren Einflüsse wie Wind, Sonne, Lärm, Gerüche, Wasser usw.  analysiert und bei der Gestaltung entweder gezielt genutzt oder aber reduziert:
Im Norden halten eine Wildstrauchhecke und Fichten die kalten Nordwinde sowie Lärm und Staub von der Straße fern. Efeu unterstützt die nordseitige Isolation des Hauses, an deren Ost- und Westseite wachsen Birne und Kirsche als Spalierobstbäume. In geschützten Bereichen an der Mauer gedeihen auch auf Kältetoleranz selektierte Feigen.
Ein Zitronenbäumchen steht im Sommer auf der Terrasse im Süden, im Winter genießt es die Sonne im etwa 35 Quadratmeter großen Gewächshaus. Hier wachsen auch Kiwi (rund 400 Früchte pro Saison!), Trauben und Tomaten.
Südlich vor dem Gewächshaus befinden sich zwei Teiche, in denen das Dachwasser des Hauses gesammelt wird. Algen und Wasserpflanzen verwendet der Gärtner bei starkem Wuchs als Mulchmaterial im Gewächshaus. Wenn die Sonne tiefer steht, reflektieren die Teiche das Sonnenlicht in Richtung Gewächshaus und sorgen so für einen erhöhten Energieeinfall in der kalten Jahreszeit und damit für eine verminderte Frostgefahr in den kalten Nächten. Als Wärmespeicher wirkt hier ein 1000 Liter fassender Wassertank, durch den das Gewächshaus in der Regel auch im tiefsten Winter frostfrei bleibt.
Die Schaffung möglichst kleiner und geschlossener Kreisläufe ist ein Prinzip der Permakultur, das Kurt meisterhaft beherrscht. Bei ihm verlässt möglichst kein Material aus Garten oder Gewächshaus das Grundstück. So wurde aus einer verschnittenen Rottanne nach dem Häckseln ein saures Beet für Heidelbeeren, Kranbeeren und Preiselbeeren. Zugeführt wird dem Garten kaum etwas, außer Erde von Maulwurfshügeln für die Anzucht von Jungpflanzen oder Steinen für die Geländegestaltung.

Kreisläufe ohne künstlichen Zu- oder Abfluss
Kurts Permakultursystem war von Anfang an durchdacht, und natürlich war auch die Umsetzung gut geplant. Es wurde immer nur Schritt für Schritt etwas Neues eingeführt. Terrassierung des Geländes und Humusaufbau auf dem reinen Lehm waren notwendig, um die Fläche für den Anbau von Gemüse, Beeren und Obst nutzbar zu machen. Gerade in der Bodenvorbereitung und -pflege ist Kurt ein Könner. Jedes Lebewesen braucht für ein gutes Gedeihen die passenden Voraussetzungen. Das hatte er von den Fischen schon früh gelernt, denn auch sie gedeihen nur, wenn das Milieu ihren Bedürfnissen angepasst wird und geeignete Räume geschaffen werden. So hat er es, entgegen herkömmlicher Meinungen, sogar geschafft, Amphibien und Fische in einem Teich anzusiedeln. Er sorgte dafür, dass die Amphibien Laichmöglichkeiten an Stellen finden, die für Fische unerreichbar sind.
Gerne gibt Kurt Forster sein Wissen über kleine Kreisläufe an andere Menschen weiter. Schon vor vielen Jahren, als Lehrer in der Umwelterziehung, vermittelte er seinen Schülern praktische Erfahrungen im Klassenzimmer. In einem Projekt wurde beispielsweise aus Bioabfall in einer Wurmkiste (siehe Oya 10) Humus, der dann der Versorgung einer Bananenpflanze diente.
Heute gibt Kurt Permakulturkurse, unter anderem zum selbstversorgenden Gärtnern oder zur Gewässergestaltung und –anlage. Daneben schreibt er über seine Erfahrungen und veröffentlicht Texte in verschiedenen Zeitschriften. 


Jochen Koller (51) arbeitet an der Verbreitung der Permakultur im südlichen deutschsprachigen Raum. www.permakultur-koller.de

Kurt Forsters Permakultur-Garten besuchen?
Termine zu Führungen werden beim Permakultur Verein Schweiz veröffentlicht: www.permakultur.ch

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