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Landleben statt Landflucht

Praktisch alle ländlichen Räume Deutschlands, ja ganz ­Europas sind von sinkenden Bevölkerungszahlen geprägt. Juliane ­Rudloff, Torsten Maciuga und Johannes Heimrath fragten sich, ob dieser Schrumpfungsprozess auch als Chance für kultur­kreative Impulse gesehen werden kann.

von Johannes Heimrath , Juliane Rudloff , Torsten Maciuga , erschienen in 10/2011

Johannes Heimrath Ich freue mich, dass ich diesmal als Hausherr meine Gesprächspartnerin und meinen Gesprächspartner begrüßen kann: Wir sind im Klanghaus der »Europäischen Akademie der Heilenden Künste« in Klein Jasedow. An diesem kleinen Dorf wird vieles deutlich, was heute Thema ist: der Bevölkerungsverlust in den ländlichen Regionen. Hauptsächlich junge Menschen wandern ab zu besseren Berufschancen. Zugleich suchen wir nach Wegen, diese Räume kreativ zu entwickeln. Ich freue mich, mit Menschen zu sprechen, denen dieses Thema auch beruflich sehr nahesteht, und bitte euch, etwas zu eurem Hintergrund zu erzählen.
Juliane Rudloff Ich bin heute als Privatperson hier, aber ich arbeite im Bundesinnenministerium, dort im Arbeitsstab »Neue Bundesländer« im Referat Demografischer Wandel. Ich will skizzieren, wie ich dorthin gekommen bin: Am Ende meines Studiums wollte ich meine Karriere planen und mich zunächst für Praktika im Ausland bewerben.Ich bin aber mit meinen Bewerbungen gescheitert – das war der Schock meines Lebens. Mein Weg bis dahin war geradlinig gewesen, doch plötzlich funktionierten meine Strategien nicht mehr. Dann lernte ich zufällig den Begriff Permakultur kennen, besuchte 2006 einen Grundkurs, begegnete vielen neuen Gedanken und Menschen, die, anders als ich, nicht alle Energie ­darin investiert hatten, fleißig in der Schule zu sein, sondern sich mit Gartenbau, der Frage nach sinnvoller Arbeit, Ernährung oder sonstigen kulturkreativen Dingen beschäftigten. Aus diesem Kurs entstand eine Initiative, den brachliegenden Spreepark in Berlin nach Permakultur-Kriterien neu zu gestalten und dort eine Permakultur-Universität aufzubauen. Eineinhalb Jahre lang haben wir uns um dieses Gelände bemüht und bekamen viel Zuspruch, scheiterten aber schließlich an der politischen Ebene. An diesem Punkt entschied ich für mich: Ich möchte dazu beitragen, dass mehr solche Projekte stattfinden können. Wie könnte sich in der politischen Landschaft eine Atmosphäre bilden, dass solche, aus der klassischen Perspektive eher verrückten Ideen, wachsen können? Über einen Umweg bin ich dann Referentin für Modellprojekte in den neuen Bundesländern geworden. Da habe ich nun ein Feld, in das ich mich einbringen kann.
Torsten Maciuga Sie sind für die neuen Länder zuständig, und ich arbeite in einem der neuen Länder. Seit den 90er Jahren war ich in der Verwaltung des Landes Brandenburg in den Bereichen Raumordnung, Raumplanung und Regionalentwicklung tätig. Anfänglich war man da recht euphorisch und dachte an zehn Millionen Menschen im Raum Brandenburg und Berlin – heute sind es sechs Millionen. Ab dem Jahr 2000 begann der stetige Bevölkerungsrückgang, damit müssen wir uns in allen Politikfeldern befassen. So entstand 2003 in der Staatskanzlei ein eigenständiges Referat »Demografischer Wandel«, das vor einigen Jahren mit dem Bereich, der sich um die Themen bürgerschaftliches Engagement, Anerkennungskultur und Würdigung von ehrenamtlichen Leistungen kümmert, zusammengeführt wurde. Das ist eine sehr gute Symbiose. Heute arbeite ich mit dem Bund und den anderen Brandenburger Ministerien, aber insbesondere auch mit großen, mittleren und kleinen Projekten im Land Brandenburg zusammen, die sich mit den aktuellen demografischen Veränderungen auseinandersetzen. Wir können den Trend der schrumpfenden Bevölkerung nicht umdrehen, aber ich glaube, wir können dennoch das Leben lebenswert gestalten, und das ist doch das eigentliche Ziel.
JH Ist das auch das Motiv, das Sie in Ihrer Arbeit antreibt?
TM Was mich vor allem antreibt, sind die Projekte vor Ort: Weggehen vom grünen Tisch in der Landes- oder Bundeshauptstadt dorthin, wo etwas passiert, zur Graswurzel, zur Basis der Gesellschaft. Dort sehe ich, dass so viele Initiativen da sind, so viele Ideen, die allerdings Rahmenbedingungen brauchen, die eine Übertragbarkeit und flexible Vor-Ort-Lösungen ermöglichen.
JH Als Kommunalpolitiker im Stadtrat von Lassan und Berater von ländlichen Gemeinden erlebe ich ebenfalls die vielen Initiativen, die trotz der Abwanderung junger Leute immer noch im ländlichen Raum entstehen, allerdings häufig von Menschen, die nicht einheimisch sind. Sie wollen diese Lücken nutzen, aber dann kommen Schwierigkeiten, seien sie finanzieller Natur oder in der Gesetzeslage begründet – zum Beispiel betreffend innovativer ökologischer Architektur, die in keine Bausatzung passt. Wo sehen Sie denn die zentralen Probleme, die Menschen haben, die in den Lücken des demografischen Wandels etwas Sinnvolles tun wollen?
JR  Eine der Schwierigkeiten liegt in den unterschiedlichen Denkweisen. Menschen, die in solche sich entleerenden Räume gehen, haben meist andere Motive als die Einheimischen. Und sie treffen auf Strukturen, die nicht für sie gemacht sind. In unserer Zeit befindet sich so viel in einem dynamischen Wandel. Der vollzieht sich in den Köpfen schneller als in den gegebenen Strukturen.
JH Was für Strukturen erkennst du da in erster Linie?
JR In Politik und Verwaltung sind die Zuständigkeiten vertikal, also in Stufen von oben nach unten hierarchisch gegliedert. Außerdem prägt diese alten Strukturen ein starkes Ressort-, Sektoren- oder Fachdenken, ein Nebeneinander von Themen.
JH Du hast jetzt zwei Gesten gemacht, eine horizontale und eine vertikale. Zusammen ergeben sie ein Karomuster. Eine karierte Gesellschaft. Herr Maciuga, nehmen Sie das auch so wahr?
TM Ich denke schon. Jeder befindet sich im Karo seiner Zuständigkeiten. Die Perspektive des Bürgers, der mit einer Idee kommt, stößt schnell an Grenzen, weil man ja nur in seinem Karo etwas bewegen kann. Beim Thema Demografie haben wir das Glück, aber auch die Herausforderung, dass verschiedenste Verwaltungsebenen und Perspektiven zusammenkommen müssen. Die Verwaltung muss sich für die Sorgen der Bürger, die etwas gegen das Aussterben von Orten unternehmen, sensibilisieren und lernen, viel stärker vorausschauend zu denken: Sind Investitionsentscheidungen, die ich heute treffe, in fünfzehn oder in zwanzig Jahren noch tragfähig?
JH Trauen Sie diese Sensibilität der Verwaltung denn zu?
TM Ich sage es mal so: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin ja selber auch Teil der Verwaltung und kenne Menschen, bei denen die Sensibilität hinsichtlich Bevölkerungsrückgang und wachsender Alterung wächst. Gerade auf der kommunalen Ebene gibt es eine Menge engagierter Akteure, und es fehlt nicht an Wissen über demografische Rahmenbedingungen und zukunftsfähige Wege. Die Frage ist immer: Lasse ich dieses Wissen Teil meiner Entscheidungsfindung werden, oder verfalle ich in ein altes Denken, in die Wachstumsphilosophie, und bilde mir ein, wir müssten nur mehr Straßen bauen, dann würden schon wieder Arbeitsplätze entstehen, und alles wäre geregelt? Dabei geht es nicht um den Beton auf den Straßen, sondern um die Köpfe der Menschen. Aber wenn man Geld nicht in Straßen, sondern z. B. in die Kultur investiert, nimmt man einem Topf etwas weg, und es beginnen die Verteilungskämpfe.
JH Ich frage mich oft, wie man den Menschen, die in der Verwaltung diese schwierige Aufgabe haben, das kaum noch zu steuernde Schiff der kommunalen Organisation unter Kontrolle zu halten, ein Selbstverständnis als Förderer und nicht als Konkurrenten um irgendwelche Töpfe vermitteln könnte.
JR Über das Abwägen rationaler Argumente wird das nicht zu schaffen sein. Du musst so etwas wie eine innere Begeisterung spüren, um dich für etwas außerhalb deines Karos einzusetzen. Die ökologischen und auch die finanzpolitischen oder demografischen Notwendigkeiten rütteln uns wach, um uns zu fragen: Welchen Paradigmen laufen wir nach, was ist unser Antrieb? Das ist die Diskussion, wie wir als Gesellschaft denn leben wollen, und über diese Diskussion können wir zueinander finden, egal ob jemand in der Kommunalverwaltung arbeitet, Busfahrer ist oder Klangkünstler.
TM Viele junge Menschen möchten zunächst ein urbanes Leben genießen und sich nicht unbedingt mit solchen Fragen auseinandersetzen. Mit noch so viel Infrastruktur kann man den Trend der Jugend – raus aus dem Ländlichen, ab in die Großstädte - nicht aufhalten. Zum Bleiben motivieren vielleicht eher Projekte, die mit Gemeinsinn oder Gemeinwohl zu tun haben, die Gemeinschaft unterstützen – egal, ob das eine große Familie ist, ein Verein oder eine Genossenschaft.
Dazu gehört auch das Thema Partizipation: mitreden und mitentscheiden können. Das ist der Wandel, den wir in den nächsten Jahren verstärkt angehen müssen, und da ist es egal, ob eine Stadt, die heute 20 000 Einwohner hat, in zehn oder zwanzig Jahren um ein Viertel geschrumpft ist.
JH Ja, es geht um Qualität, nicht um Quantität. Wenn wir uns in unserer Region um Qualitäten wie Gemeinwohl und Gemeinsinn kümmern, erfahren wir, dass es keine Karos gibt, sondern in erster Linie fließende Formen. Die Membranen zwischen den verschiedenen Schichten werden immer durchlässiger, es entsteht ein organisches Gemeinwesen, das sich zunehmend der Kontrolle von außen widersetzt. Das ist eigentlich nicht das, was die Autoritäten sich wünschen. Wenn mehr Gemeinsinn entsteht, führt das zu einer Selbstautorisierung der Bürgerinnen und Bürger, was eine völlig andere Art des Umgangs mit der Verwaltung und mit Entscheidungsstrukturen bedeutet.
JR Der Staat an sich verwandelt sich auch. Ursprünglich ist er sicherlich konstruiert, um regieren zu können, aber die Idee des Durchregierens ist ein Relikt aus einer alten Zeit. Auch die Menschen in den Karokästchen sehen, dass das Karodenken nicht weiterhilft: Sie sollen für Gesundheitseinrichtungen sorgen, für Mobilität, und das geht gar nicht ohne Schnittstellen zu den benachbarten Karofeldern. So werden sich die Karos aus der Notwendigkeit der Sache heraus mit der Zeit auflösen bzw. verschmelzen.
JH Nun ja – in den Medien lese ich oft die Formulierung »unsere Regierung ist zu schwach« oder »führt nicht«. Also bezweifle ich, dass das Staatsgebilde als Ganzes bereits auf dem Weg ist, sich von dem, was »regieren« bisher bedeutete, zu verabschieden.
TM Das ist ein Prozess, der in den Regionen und Kommunen beginnt. Da löst die Problematik des demografischen Wandels, insbesondere der Bevölkerungsrückgang, schon einiges an neuem Denken aus. Während wir uns an der Basis keine Illusionen mehr über Wachstum machen, gehen die Wirtschaftsweisen selbstverständlich weiter von Wirtschaftswachstum trotz schrumpfender Bevölkerungszahlen aus. An der Basis stellt sich die pragmatische Frage: Wie können sich junge Leute, die nach ihrem Ausflug in die weite Welt wieder zurück in ihre Heimatregion möchten, dort eine wirtschaftliche Existenz aufbauen? Es sind ja eher die ländlich geprägten jungen Leute, die wieder zurückwollen.
JR Nicht unbedingt. Es gibt in Berlin sehr viele Initiativen und Gruppen, die aufs Land wollen, deren Mitglieder aber ursprünglich Stadtkinder sind.

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TM Darüber freut sich Brandenburg …
JR Sowohl in der Altersgruppe der Zwanzig- und Dreißigjährigen als auch in der Gruppe »Sechzig plus« erlebe ich viele Menschen, die sagen: Wir würden einen Neustart auf dem Land wagen, allein, es fehlen der richtige Ort und das Geld. Vor allem Ackerflächen sind nicht leicht zu bekommen. Gerade die Jungen wollen nicht Pendler werden und in der Stadt arbeiten, sie wollen ihr eigener Chef sein, selbst gestalten und sich eine eigene Existenz aufbauen.
JH Wir haben hier im Lassaner Winkel nicht einmal eine kleine Industrie, kaum mehr richtiges Handwerk. Welches Unternehmen kann an einem Ort wie Klein Jasedow seinen Standort finden? Ich kann Juliane gut nachvollziehen: Junge Menschen, die aufs Land wollen, sind nicht unbedingt den klassischen Weg gegangen und suchen gar nicht unbedingt einen »normalen« Job. Sie bringen eine völlig andere Kultur mit. Dort, wo sich diese neuen Leute ansiedeln, ist also ein gewaltiger Wandel im Gang.
JR Und das ist eben auf der politischen Ebene überhaupt noch nicht bekannt und auch nicht relevant. Kaum jemand hält es in meinem beruflichen Umfeld für möglich, dass diese jungen Leute existieren. Wenn ich davon erzähle, meint man, das seien ein paar einzelne Verrückte. Aber ich glaube eben, dass das keine Einzelnen sind, sondern eine merklich wachsende Gruppe. Die freie ­Demeter-Ausbildung in Ostdeutschland hat zum Beispiel enormen Zulauf von Leuten um die zwanzig, die sagen: Ich möchte Gärtner werden und Menschen mit Lebensmitteln versorgen.
JH Wie könnte man es denn bekannter machen, dass es diese Menschen gibt?
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TM Das kann man nicht von oben verkünden, das muss von der Basis ausgehen. Wir haben zum Beispiel Ende letzten Jahres einen Verein aus der Uckermark kennengelernt, den junge Leute, so um die 35 Jahre alt, gegründet haben – so etwas wie einen modernen Heimatverein. Die bieten eine Online-Plattform an für Menschen, die sich in der Uckermark immer noch emotional beheimatet fühlen. Die Plattform hat einen erstaunlichen Zulauf von Uckermärkern aus aller Welt.
Einer von ihnen hatte in München einen guten Job gehabt, ist aber wegen seiner Familie wieder zurück nach Angermünde gegangen. Dort verdient er weniger, aber das Gefühl, zu Hause zu sein, wiegt das auf. Wichtig ist: Ein Uckermärker zieht wieder in die Uckermark, und nicht in ein virtuelles Brandenburg. Deshalb wird ein Wiederansiedlungsprogramm, gesteuert von einer Landesebene, wenig Erfolg haben, weil es Emotionen kaum ansprechen kann. Im Süden Brandenburgs gibt es auch Interessenten, so ein Portal zu starten. Wir versuchen, sie miteinander zu vernetzen.
JR Ja, die Steuerung von oben funktioniert nicht mehr. Politik sollte in erster Linie eine dienende Aufgabe haben, sich an der Eigeninitiative der Menschen orientieren. Das Zeitalter sollte vorbei sein, in dem gesagt werden kann: Jetzt wollen wir die Leute hier haben und jetzt dort.
JH Aber die Praxis ist noch genau so, allein, wenn ich an die Wirtschaftsförderprogramme denke. Sie haben genau den Zweck, existenzfähige Wirtschaftskerne rund um die Städte zu fördern. Das sich entleerende Land wird der Agrarindustrie überlassen. Das ist die interne Strategie, über die man natürlich nicht gerne öffentlich spricht. Den Menschen, die Juliane im Blick hat, geht es um Selbstbestimmung, und die ist derzeit in keinem Förderprogramm abbildbar. Ganzheitlich orientierte Projektideen stehen kreuz und quer zur Praxis des segmentierten Ausreichens von Fördermitteln.
JR  Ja, für sie müssen Förderprogramme erst noch geschrieben werden. Es müssen eben auch kreative Leute in die Verwaltung oder nach Brüssel, dorthin, wo Entscheidungen getroffen werden. Der stärkste Veränderungsimpuls geht aber von Menschen an der Basis aus, die verstehen, dass Gemeinsinn nicht in Karos, sondern eben vielmehr in Schlangenlinien wächst, wie ein mäandernder Fluss. Dann finden sich neue Formen, Kreise, Spiralen, Schleifen …
TM In den Verwaltungen wird schon eine Menge diskutiert, aber visionäre Ideen haben es immer schwer. Etwas, das in eine neue Richtung weist, ist das »Regionalbudget«. Für seine Anwendung müsste man aber ein legitimiertes Entscheidergremium schaffen. Den Bürgern so ein Budget zu überantworten, bedeutet natürlich auch einen starken Verlust von direkter Steuerungsmöglichkeit, deshalb wird darüber ja auch heiß diskutiert.
JH  Ja, warum gibt es nicht Fonds, aus denen sich die Gemeinde nach Gutdünken 
– dabei meint »dünken« das Denken, nicht Beliebigkeit – bedienen kann?
JR Es bräuchte dann Menschen, die in solchen Denkprozessen die Rolle von Moderatoren einnehmen. Eine Vermittlerrolle könnten gerade neu zugezogene, engagierte Bürger übernehmen. Sie könnten unvoreingenommen nach den Träumen, Wünschen und Visionen der Menschen vor Ort fragen, gemeinsam mit den Einheimischen einen Dorfplan oder Regionalplan entwickeln.
JH Haben Sie in Ihren Positionen Einfluss ­darauf, dass so etwas umgesetzt wird?
TM Wir haben keine Entscheidungsmacht. Ich kann nur Dinge vorschlagen. Aber ich kann die richtigen Leute zusammenzubringen, das bewirkt bereits viel.
JH Sie wirken also durch »Ansteckung«. Das ist zwar ein sehr wirkungsvolles Verfahren, aber es ist zeitlich nicht sehr effektiv. Was für Instrumente gibt es noch?
JR Dazu fällt mir Jascha Rohrs Idee einer Bundeswerkstatt ein, einer dritten Kammer neben Bundestag und Bundesrat, in der normale Bürgerinnen und Bürger Ideen entwickeln und neue Lösungen schaffen. Auf Landesebene könnte man eine »Landeswerkstatt« zum Thema Demografie abhalten, eine Kreativwerkstatt der Bürgerschaft, die mehr ist, als nur ein Spiel, sondern die Verbindlichkeiten schafft.
JH Wir sollten beginnen, solche Werkstätten abzuhalten, die Bürger dazu einladen, auch Politiker. Ob das etwas bewegen würde? Ich danke euch herzlich für das ­engagierte Gespräch. 

 

Torsten Maciuga (50) war in den 1990er Jahren in verschiedenen Einrichtungen der Brandenburger Landesverwaltung wie dem Landesumweltamt und dem Umweltministerium tätig. Er arbeitet seit 2003 in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg als Referent für ­demografischen Wandel.
www.demografie.brandenburg.de

Juliane Rudloff (32) engagierte sich 2006 bis 2007 für die Einrichtung einer Permakultur-Universität auf dem Gelände des ehemaligen Spreeparks in Berlin. Seit 2009 arbeitet sie als Referentin für Modellprojekte und demografischen Wandel im Arbeitsstab des Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer. Sie initiierte unter anderem das »Modellprojekt Zinzow« und ist für die Kongressreihe »Frauen machen Neue Länder« zuständig.

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