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Small is beautiful

Am 16. August 2011 wäre einer der Väter der kulturkreativen Bewegungen 100 Jahre alt geworden: Ernst Friedrich Schumacher.

von Renate Börger , erschienen in 10/2011

In der 70er Jahren standen seine Bücher im Regal neben denen von Illich, Gandhi, Gurdjieff und Marx. In England und den USA gründete sich ein Schumacher College, in München die E. F. Schumacher-Gesellschaft, die ihrem Namensgeber am 16. und 17. September ein Symposium widmet. »Small is beautiful«.

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Ja, dieses Motto seines wichtigsten Buchs hatte er von seinem Freund Leopold Kohr übernommen. Untertitel: »Die Rückkehr zum menschlichen Maß«. Leider sind die Bücher »Small is beautiful« sowie »Das Ende der Epoche« von E. F. Schumacher heute auf Deutsch nur noch antiquarisch erhältlich.
Wenn man heute nach einem postkapitalistischen Maß sucht, wird man bei Schumacher reichlich fündig. Er war ein funkelnder Denker und zugleich ein engagierter Praktiker, er war Wirtschaftsberater für Regierungen und Publizist, er war ein spiritueller Weltreisender und engagierte sich für einen alternativen Entwicklungs­begriff. Sein Institut für mittlere Technologien stellte praktische und raffinierte Technikanwendungen für die Dritte Welt bereit. Er spannte die Bögen immer wieder weit: vom Land zur Stadt, von der Materie zur Seele, von der Arbeit zur geistigen Entwicklung, vom Einzelnen zur Gemeinschaft, vom Tradierten zum Zukunftsfähigen. Und immer mit der Leitfrage nach dem menschlichen Maß. Ein menschliches Maß im geistigen und materiellen Streben zu finden, daran hielt er als menschheitlicher Aufgabe fest. An der Frage nach dem Wozu: Wozu ist gut, was wir herstellen, was wir erfinden, was wir in die Welt setzen? Wie macht es das Leben besser? Und auch uns selbst!?
Er war gegen Wirtschaftswachstum als Zweck an sich. Er war gegen die Gigantomanie zentralistischer Strukturen, gegen die Abhängigkeit von Öl und Atomkraft. Er erfand den Begriff »mittlere Technologie« und meinte damit eine, die klug und raffiniert ist, aber geringe Investitionen braucht, die reparaturfreundlich ist, den Menschen lokal hilft und zu ihren Gegebenheiten passt. Er war für Dezentralisierung und Überschaubarkeit, weil Verantwortung nur in überschaubaren Strukturen wirklich tragbar ist. Und er war aus demselben Grund für das kleine Privateigentum, aber gegen das große.
»Es geht um die bewusste Anwendung unserer ungeheuren technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten für den Kampf gegen die Erniedrigung des Menschen. Was heißt denn ­Demokratie, Freiheit, Menschenwürde, Lebensstandard, Selbstverwirklichung, Erfüllung? Geht es dabei um Güter oder um Menschen? Wenn unser wirtschaftswissenschaftliches Denken das nicht erfasst, dann taugt es nichts […]
[…] Gute Technik, gutes Werkzeug ist etwas Herrliches, es steckt wirkliche Intelligenz darin. Gute Technik ist nicht einfach von Menschen entwickelt, sie entwickelt die Menschen. Gewalttätig hingegen ist eine Technik, wenn sie mit Gewalt Schneisen durch natürliche Systeme schlägt, immer im Glauben, unbeabsichtigter Schaden und unvorhergesehene Nebenwirkungen ließen sich durch weitere gewaltsame Eingriffe beseitigen.«

Dennoch ist Subsistenz und alles selbst zu machen, kein Ziel an sich, Arbeitsteilung kann sehr segensreich sein, aber ähnlich wie für Gandhi gilt für Schumacher:
»Die Befriedigung menschlicher Wünsche aus weit entfernten Quellen statt aus nahegelegenen ist eher ein Zeichen für Versagen als für Erfolg.«
Die neuen Bewegungen für eine selbstbestimmte Bürgergesellschaft und regio­nales Wirtschaften hätten ihm Freude bereitet. Ähnlich wie die dezentralen ­Solartechnologien. Ein neues Verständnis von Landwirtschaft und Urbanität wäre ein liebevolleres.
»Der Boden trägt die Ackerkrume, und diese eine ungeheure Vielfalt lebender Wesen, zu denen auch der Mensch gehört. Zwischen Zivilisation und Ackerkrume gab es in allen Kulturen einen Zusammenhang. Die Landwirtschaft ist keine Industrie, sondern etwas wesentlich anderes.«
Ein menschliches Maß für ein gutes Leben in tragbarer Verantwortung – Fritz Schumacher wollte das vor allem als Anspruch in der Arbeitswelt zurückgewinnen. In »Small is beautiful« schreibt er:
»Das menschliche Wesen wird vor allem durch seine Arbeit gestaltet. Bei einer sinnvollen, durch Menschenwürde und Freiheit getanen Arbeit ruht Segen auf denen, die sie tun, und auf ihren Erzeugnissen.«
Segen … Würde … mit diesen Gegen­begriffen lässt sich widerständig weitersuchen!  Renate Börger


Zitate von E. F. Schumacher aus der Radiosendung auf Bayern2 »Small is beautiful« vom 4. August 2011 von Renate Börger und Claus Biegert. www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-­radiothema.shtml

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