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Gespräche mit der Panke

Die Fluss-Kunst-Projekte des Duos »Zwischenbericht« Kerstin Polzin und Anja Schoeller.

von Lara Mallien , erschienen in 09/2011

Geh zur Panke und schöpfe Wasser! Diese Aufforderung richtete eine Installation an die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung »Zur Nachahmung empfohlen«, die im Herbst 2010 erstmals in den Uferhallen Berlin zu sehen war.

Das Wasserholen ist integraler Bestandteil der »Berliner Schöpfung« von Kerstin Polzin und Anja Schoeller. Mit einem Eimer in der Hand geht es aus der Ausstellungshalle an die nahegelegene Panke. Dann heißt es: Verwirble das Wasser! In einem Wasserwirbler bildet sich ein Strudel, reichert das Wasser mit Sauerstoff an und erinnert es daran, dass ein Fluss eigentlich frei mäandern und nicht, wie die Panke, begradigt werden will. Der nächste Schritt braucht mehr Zeit, jetzt gießt man seinen Eimer in einen großen Filter. Schicht für Schicht hinterlassen die grobstofflichen Einträge im Wasser in einem großen Filzvlies ihre Spur. Genug Zeit, um auch den eigenen Gedankenstrom zu filtern. Dafür wird ein Eimer über den Kopf gestülpt, in dem per Kopfhörer der Klang der Panke zu hören ist – nicht ihr Rauschen, sondern die Töne, die der Schweizer Limnologe Diego Tonolla mit seinen Spezial­mikrofonen an verschiedenen Messpunkten an der Panke aufgenommen hat. Tonolla zieht anhand des Klangbilds präzise Rückschlüsse auf die Gesundheit des Wassers.
»Die Leute hatten Spaß, und unter den Eimern sind sie teilweise ganz in ihren eigenen Gedankenfluss ›abgetaucht‹«, erzählt Kerstin Polzin. »Wir waren ja sehr unsicher, ob das Ganze technisch überhaupt funktioniert und ob alle mitspielen, aber es klappte wunderbar. Die meisten haben das von ihnen selbst gereinigte Wasser getrunken.«
Am Anfang von Kerstin Polzins Laufbahn stand die Malerei. Noch mehr, als in diesem Feld eine Karriere aufzubauen, reizten sie gesellschaftliche Themen. »Ich erforsche mit meinen Projekten Formen von Partizipation, möchte sinnliche Erfahrungen vermitteln, Menschen und Orte in Beziehung setzen«, erklärt sie. Aufgewachsen an der Elbe in Dresden, hat sie zu Flüssen eine besondere Beziehung. Der Duft des warmen Wassers im Sommer weckt in ihr sofort heimatliche Gefühle, auch wenn es in Berlin nur die kleine Panke ist.
Auch dieses Jahr realisiert sie mit Anja Schoeller ein Projekt an der Panke: »Pan­enkel, Panonkel, Pantanten«. Alte Menschen aus Pankow treffen sich mit Kindergartenkindern am Ufer und erzählen davon, wie sie früher hier am Fluss gespielt haben. Die Kinder machen ihr eigenes »Pankelabor« auf und untersuchen zusammen mit den älteren Menschen, was alles an Getier, Pflanzen, aber auch an Müll in der Panke »wohnt«. Mit ­allen Funden lässt sich basteln, gestalten und spielen. Und sie begießen die jungen Bäume im Park mit Pankewasser. Die Künstlerinnen wünschen sich, dass aus dem Projekt Patenschaften für junge Parkbäume entstehen. Jeweils ein kleiner und ein älterer Mensch können zusammen auf ein Bäumchen achten, es bei Trockenheit immer wieder gießen.
Da lässt sich nur sagen: Zur Nachahmung empfohlen.  

www.zwischenbericht.eu 

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