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(K)Eine Insel auf der Insel

Permakultur in den Tropen sieht mitunter anders aus.

von Ulrike Meißner , erschienen in 09/2011

Permakultur sieht an jedem Ort anders aus, da sie den lokalen Besonderheiten entspricht. Beim Gestalten und Tun lässt sich viel von den Menschen vor Ort lernen, das gilt im gemäßigten Mitteleuropa genauso wie in den Tropen. Hier ein Beispiel von der Insel Bali.

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Hört man Bali oder Indonesien, denkt man gleich an Urlaub und (Massen-)Tourismus. Doch es geht freilich auch anders. In der Nähe von Ubud, im Herzen der Insel Bali, betreibt die Deutsch-Amerikanerin Margret Rueffler den Permakulturgarten und Rückzugsort (Retreat Center) für Gäste »Jiwa Damai«.
Die Psychologin arbeitete schon mehr als zehn Jahre an verschiedenen indonesischen Projekten zur Vorbeugung kollektiver Gewalt, als sie 2005 von einer Stiftung das Angebot bekam, das Gelände inklusive Gebäude zu übernehmen – unter der Bedingung, dass hier kein Hotel oder Massentourismus entstehen sollte.
Bei ihrer Arbeit mit Menschen und Gruppierungen ging es Margret vorrangig um die Veränderung grundlegender Werte und Einstellungen (vgl. Interview in Oya 4). Deshalb war es ihr auch bei der Gestaltung und Nutzung von Jiwa Damai wichtig, den eigenen Werten und Einstellungen entsprechend zu handeln. Die inneren psychologischen Werte von Freude und Bewusstsein, Ermächtigung und Eigen- bzw. Selbständigkeit sollten hier verwirklicht werden. Konkret heißt das etwa, den Boden Achtung und Wertschätzung erfahren zu lassen und der Erde die besten Möglichkeiten zum Entfalten ihres Wachstumspotenzials zu geben. Nur wenn der Ort lebendig sein kann, kann er auch sein Umfeld positiv beeinflussen.
Von Permakultur hatte Margret bereits vorher gehört. Einige Bücher halfen ihr nach Übernahme des Geländes dabei, sich mit diesem Ansatz vertrauter zu machen: »Vor allem die Werte-Haltung, die hier vertreten und praktiziert wird, sprach mich sehr an.«
Allerdings wurde sehr schnell deutlich, dass viele der publizierten Permakultur-Lösungen auf Entwicklungen und Erfahrungen mit einer Flora und Fauna in gemäßigten Breitengraden beruhten. Hier in den Tropen aber schienen diese nicht anwendbar: Nur zwei Jahreszeiten, eine Regen- und eine Trockenzeit (wobei es auch in der Trockenzeit oft regnet), Sonneneinfall fast immer direkt von oben sowie die typischen, sintflutartigen Regenfälle sind Herausforderungen, der sich eine Gestaltung hier stellen muss. Die grundsätzliche Aufteilung des Geländes mit Gebäude, Hauptwegen und Teichen bestand zwar schon, doch gab es immer noch viel zu tun. Ein durch Monokultur gestörter Boden und ein recht vernachlässigtes Haus mit mehreren Zimmern wollten wiederbelebt werden.
Margret und ein Team von Helfern begannen damit, das Gelände zu säubern und die Unmengen überall vergrabenen Plastiks zu entfernen, damit die Erde wieder atmen konnte. Zwei Themen, die sich durch die folgenden Projekte zogen, waren Wasser und Müll. Boden- und Wasserqualität sollten sich verbessern, bereits vorhandene Wasserwege wie Fluss, Kanäle und Quellen integriert und ein einfaches System zur Bewässerung des Permakulturgartens geschaffen werden. Außerdem musste der Abwasserabfluss aus der Küche und die Wiederaufbereitung des Toilettenabwassers ­organisiert werden. Die Lösung des Müllproblems tat not, und auch ein Kompostsystem war nötig.

Alte und neue Lösungen für neue und alte Probleme
Traditionelle Techniken und Methoden sind ein Pfeiler der Per- makultur und spielen in Jiwa Damai eine besonders wichtige Rolle. Vor allem bei der Bepflanzung des Gartens, der Obst und Gemüse zur Selbstversorgung sowie Heilpflanzen und Pflanzen für balinesische Zeremonien liefert, war und ist die Erfahrung der örtlichen Gärtner und Bauern wichtig.
Neben dem Garten gibt es in Jiwa Damai einen großen Kokos­nusshain. Die Früchte der auch »Baum des Lebens« genannten Palme werden für die Produktion von kaltgepresstem Kokosnussöl geerntet. Die Verarbeitung zu Öl erfolgt vor Ort, die Nussschalen werden zur Weiterverarbeitung verkauft. Geplant ist zudem die Anschaffung einer Mühle zur Herstellung von Kokosnussmehl.
Die Ernte erfolgt durch einheimische Palmkletterspezialisten, und auch für die täglichen Arbeiten gibt es ein festes Team aus Menschen aus den umliegenden Dörfern. Der direkte Kontakt zu den Einheimischen ermöglicht den beständigen Wissensaustausch.
So wurden lokal gebräuchliche Bauweisen und –techniken integ­riert und vieles aus Bambus, einem traditionellen, sehr effektiven und zugleich kostengünstigen Baustoff, konstruiert. Neben mehreren Brücken und Dachkonstruktionen baute man zwei Lumbungs, das sind traditionelle Behausungen aus Bambus und Holz. Auch die zehn an Bäumen hängenden Bienenbeuten sind nach balinesischer Tradition aus Kokosschalen und Palmfasern gefertigt.
Altes lokales Wissen wird ebenso genutzt wie moderne Erkenntnisse: Aktuell läuft im Dorf ein von der Stiftung »Lagu Damai« initiiertes Programm, das die Bewohner für Umweltschutz und Recycling sensibilisieren und Lösungen für das örtliche Müll- und Abfallproblem finden soll. Da das gesamte Dorf keine Kanalisation besitzt, und Zivilisationsabfall einfach vor die Tür geworfen wird, ist dieses Thema besonders akut. Also werden selbstentworfene Tonnen und Müllsäcke zur Verfügung gestellt sowie ein Platz zum Müllsammeln. Nun wird noch an einer Möglichkeit für das Recycling des Mülls geforscht.

Gut eingebettet
Neben all den praktischen Tätigkeiten in und um Jiwa Damai soll dieser Flecken Erde, so Margret Rueffler, auch ein Treffpunkt für Menschen sein, der sie die eigene innere Ruhe finden lässt und ihnen dabei hilft, Frieden zu ini­tiieren – »Jiwa Damai« bedeutet »Friede der Seele«.
So werden neben Seminaren und Workshops zu Permakultur, ökologischer Landwirtschaft und tropischer Flora/Fauna auch Veranstaltungen zu Meditation, innerem und äußerem Frieden, Entfaltung von Herzensqualitäten, Friedensarbeit und transkulturellem Dialog angeboten. Auch Schulklassen kommen hierher, um über biologisches Gärtnern und einheimische Pflanzen und Tiere zu lernen.
Indonesische und ausländische Gäste verbringen hier Zeit und genießen den erholsamen Rückzugsort in der Natur oder kommen als freiwillige Helfer, um im Permakulturgarten oder als Volontär in der Stiftung mitzuarbeiten. Als lokal verankertes Projekt ist Jiwa Damai keine fremde Besucherinsel auf Bali; vielmehr ermöglicht es einen direkten Austausch mit der einheimischen Bevölkerung und einen Einblick in die balinesische Hindukultur.
Die erwirtschafteten Erlöse fließen zum größten Teil in die von Margret bereits 2003 gegründete Lagu-Damai-Stiftung, mit der sie einen passenden Rahmen für Projekte vor Ort zur Verfügung stellen will. Heute trägt die Stiftung soziale Vorhaben zur Müllvermeidung, Mülltrennung und Recycling, und sie initiiert und fördert die Finanzierung der Schul- und Universitätsausbildung von mittellosen Kindern und Jugendlichen.
Für die Zukunft wünschen sich Margret und ihr Team einen lebhaften kulturellen Austausch und Interaktion mit den örtlichen Hindu- und Muslim-Bewohnern sowie mit Kursteilnehmerinnen und Volontären. Sie hoffen, dass Garten und Retreat Center sich bis Ende des Jahres wirtschaftlich selbst tragen, und planen, neben dem Kokosnussöl auch andere Produkte zu entwickeln. 


Gäste, Mitarbeiterinnen, Unterstützer herzlich willkommen:
info@jiwadamai.net, www.jiwadamai.net

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