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Feuer für Bewegungen

Eine vielfältige Bewegung wie attac braucht Menschen, die auch nach vielen Jahren Kleinarbeit nicht müde werden. Jutta Sundermann hat viele der öffentlichkeitswirksamen attac-Kampagnen der letzten Jahre mitgestaltet.

von Lara Mallien , erschienen in 07/2011

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Die kreativen Kampagnen von attac ­werden von Menschen mit schier unerschöpflicher Energie getragen.

Jutta Sundermann bin ich im Herbst 1991 zum ersten Mal begegnet, da war sie 20 und ich 18 Jahre alt. Wir halfen einer Handvoll wilder Kids aus Berlin und München, eine Zeitschrift über Kinderrechte namens »Peng!« zu machen. Die erste Ausgabe war richtig gut, aber dann ging es nicht mehr weiter, und wir verloren uns aus den Augen.
Wieder ist ein Zeitschriftenprojekt der Grund, warum ich nach zwanzig Jahren bei Jutta anrufe, genauer genommen, sind es zwei: Oya und die »Financial Crimes«. Jutta gehört zum Team der attac-Leute, die im vorigen Jahr 240 000 Exemplare einer gefälschte Ausgabe der Financial Times in Umlauf gebracht haben. Eine großartige Aktion, auf die wir in der Ausgabe 5 von Oya einen Hinweis brachten.
Jutta Sundermann ist eine der Mitbegründerinnen von attac Deutschland. Ich möchte von ihr wissen, wie sich diese Gründungsphase angefühlt hat. »Es war der richtige Zeitpunkt«, meint sie. Ende 1998 konnte zivilgesellschaftlicher Widerstand in allen möglichen Ländern das sogenannte MAI (geplantes Multilaterales Abkommen über Investitionen zwischen transnationalen Konzernen, den OECD-Staaten und der Europäischen Union) verhindern, und Ende 1999 gelang den Globalisierungskritikern die große Blockade des WTO-Gipfels in Seattle. »Damals lag etwas in der Luft. Die 90er Jahre waren ja recht bewegungsarme Zeiten gewesen, aber jetzt wendete sich das Blatt.« Jutta gehört zu denjenigen, die aus der Umweltbewegung zu attac gekommen sind.
»Mein Impuls, zu attac zu gehen, war eine Mischung aus Verstehenwollen und großer Hoffnung auf Veränderung. Anfangs habe ich mich schwergetan, weil es viel um Aus­einandersetzungen mit ökonomischen Fach­themen ging. Aber es war eine hervorragende Möglichkeit, viel zu lernen, zum Beispiel was Gentechnik mit internationalen Handelsabkommen zu tun hat.«

Vielfalt bringt Bewegung
Von der Gründungsphase an ist attac als Bewegung von großer Diversität geprägt. Heute tritt die Organisation zwar immer noch mit internationalen Aktionen in Erscheinung, wird aber vor allem von vielen auch lokal arbeitenden Gruppen gestaltet. Mal unterstützen sie ein Volksbegehren gegen Wasserprivatisierung, mal organisieren sie Tagungen oder Sommerakademien zu Themen wie Demokratie, Finanzmärkte, Wachstumskritik oder Agrarpolitik.
Ich habe Jutta als jemand erlebt, die integrieren kann, die dafür sorgt, dass sich alle, die am Tisch sitzen und gemeinsam etwas bewegen wollen, wohlfühlen. Wenn sie von ihren letzten Kampagnen erzählt, fühle ich mich sofort an diese Qualität erinnert. Eigentlich wollte sie nach ihren großen Projekten des letzten Jahrs, unter anderen die Mitorganisation des »Bankentribunals«, ruhiger treten, aber dann kam die Nachricht, dass die Öko-Textilfirma Hess Natur von dem Private-Equity-Fonds Carlyle, der auch in Rüstung investiert, übernommen werden soll. Da muss sie mitmachen beim Aufbau der Kampagne für die Umwandlung von Hess Natur in eine Genossenschaft. Die Idee der solidarischen Ökonomie trifft auf ein großes Öko-Unternehmen mit anthroposophischem Hintergrund. Wir lachen darüber, wie gut es tut, ohne Rücksicht auf ideologische Barrieren verschiedene Welten zu kreuzen.
»Natürlich haben wir auch Leute bei attac, die nicht verstehen, wieso man sich für ein Unternehmen, in dem es um grünen Konsum geht, engagieren soll. Sie sagen, man müsse bei Aldi einkaufen und jeden Cent in die Abschaffung des Kapitalismus investieren. Aber warum nicht auch im Hier und Jetzt etwas Positives versuchen?«
Jutta ist keine Revolutionärin, die aus Prinzip gegen alles anrennt. Sie erzählt von der Schulzeit ihrer heute erwachsenen Tochter Ronja. Statt eine Freie Schule zu gründen, wie es einige in ihrem Umfeld wollten, hat sie gemeinsam mit Lehrern und Eltern die lokale staatliche Grundschule umgekrempelt, was bestens funktioniert und viel mehr Menschen aus unterschiedlichen Schichten in den Wandlungsprozess eingebunden hat.
»Balance halten zwischen der großen Wut im Bauch und der Wahrnehmung aller positiven Veränderung, die schon passiert, ist eine große Kunst«, sagt Jutta nachdenklich. »Was haben wir schon erreicht? Verhungern heute weniger Kinder als vor zwölf Jahren? Nein. Aber wenn es all die Bemühungen der Menschen für eine solidarischere Welt nicht gäbe, wäre die Situation noch viel schrecklicher. Kriege, die nicht stattfinden, gehen nicht in die Geschichte ein, dabei ist die Leistung, einen Krieg zu verhindern, um ein Vielfaches größer.« Das stimmt. Schön, dass ich Jutta wiedergefunden habe.

www.attac.de

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