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Ein Fest für die globale (R)Evolution: Seit zehn Jahren kommt jährlich die »Weltmacht« der globalen Zivilgesellschaft zusammen, um an dem großen Ziel einer »anderen Welt« zu arbeiten. Geseko von Lüpke fasst die Geschichte der Weltsozialforen zwischen Porto Alegre 2001 und Dakar 2011 zusammen.

von Geseko von Lüpke , erschienen in 07/2011

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»Welcome people from all over the World« – willkommen, ihr Leute aus der ganzen Welt, schallte es den rund 70 000 Menschen im senegalesischen Dakar am 6. Februar dieses Jahres entgegen. Das elfte Weltsozialforum war wieder ein Treffen der Superlative, eine Mischung aus Riesendemo, Happening, Mammut-Kongress, Markt der zivilgesellschaftlichen Möglichkeiten. War es Zufall, dass es zum zweiten Mal in Afrika stattfand, zeitgleich mit dem Ausbruch der Revolutionen im Norden des Kontinents?

Bauern, Fischer, Arbeiter, Kirchenleute, Umweltschützer, Indios, Unberührbare, Intellektuelle, Nobelpreisträger … 20 000 Teilnehmer waren es im ersten Jahr, 60 000 im zweiten, 100 000 im dritten. Und beim letzten internationalen Forum im brasilianischen Belem waren es nicht weniger als 160 000 Menschen auf der Suche nach einer anderen Welt. »Es gibt keinen Sprecher, es gibt kein Gesicht, es gibt nicht die eine Erklärung, es gibt nicht die eine Aktion, die nachher für die Zivilgesellschaft durchgeführt werden soll«, sagt Jürgen Reichel, deutscher Vertreter im internationalen Rat des Weltsozialforums und Mitarbeiter des evangelischen Entwicklungsdiensts. »Das Weltsozialforum ist ein Knotenpunkt. Einmal im Jahr kommen Menschen zusammen, die sich Gedanken machen wollen und auch dafür arbeiten, wie eine andere Welt möglich sein soll.« Elf internationale Sozialforen waren dabei mehr als nur Treffpunkte von Nichtregierungs-Organisationen. Sie sind die Facetten eines Wunders, das zu einer weltumspannenden Kraft heranwächst: zur globalen Zivilgesellschaft.

Abschied vom globalen Konsumparadies
Porto Alegre 2001. Alles beginnt mit der Idee dreier Männer, die im Norden Brasiliens einen Kontrapunkt setzen wollen: gegen die Arroganz der Macht, die sich am anderen Ende der Welt in einem kleinen Ski-Ressort namens Davos im elitären Glanz des »Weltwirtschaftsforums« aufplustert. Einer von ihnen ist der Theologe und Aktivist Chico Whitaker: »Es geht um ein anderes Denken, nicht ums Dagegen-Sein. Wir sagen: ›Eine andere Welt ist möglich!‹« Was für eine andere Welt soll das sein? Der brasilianische Visionär zögert nicht mit seiner Antwort: »Dafür mussten wir etwas tun, was den berühmten Satz von Margret Thatcher widerlegt, wonach es keine Alternative gebe. Wir wollten zeigen, dass es sehr wohl Alternativen zur Logik des Markts gibt. Das war der Beginn einer Entdeckungsreise, bei der wir so ziemlich alles verlernen mussten, was man uns beigebracht hatte.«
Das hieß, die seit Jahrhunderten in Hierarchien der Macht unterteilte Welt völlig neu zu erdenken. Es galt, die »andere Welt« zunächst vorstellbar zu machen, bevor sie Realität werden kann – eine Welt der Gleichheit und Freiheit, die nicht nach dem Machtprinzip funktioniert, sondern sich in horizontalen Netzwerken und sozialen Geweben strukturiert.
Menschen aus aller Welt, die an den Graswurzeln der Gesellschaft für die Überwindung von Not und Ungerechtigkeit kämpften und nicht länger still halten wollten, kamen 2001 nach Porto Alegre. Unter ihnen auch José Lutzenberger, grüner Pionier Südamerikas. »Diese globale industrielle Kultur, die wir heute in ihrem letzten Auswuchs als Konsumgesellschaft erleben, ist ja im Grund eine fanatische Religion«, rief er damals den Herren der Weltwirtschaft zu. »Die Priester des wirtschaftlichen Denkens – die Ökonomen – gehen alle vom absurden Dogma aus, eine Wirtschaft sei nur gesund, wenn sie wächst.«
Im Zentrum der Anklage stand von Anbeginn der Foren eine Welt, die den Mammon verehrt und alles dem Profit unterordnet, ein Wirtschaftssystem, das im Wachstumswahn den Planeten ausbeutet und den Hungertod von täglich Zehntausenden in Kauf nimmt. Dem Versprechen vom globalen Konsumparadies durch freie Märkte wurde nicht länger geglaubt. Die Aktivistin und Autorin Naomi Klein konstatierte schon vor zehn Jahren: »Wir sehen weltweit Festungen der Reichen, statt eines versprochenen globalen Dorfs.«
Alles wollte man anders machen. Eine neue Politik erfinden, keine Bewegung sein, alle Hierarchien ablehnen, keine leeren Kommuniqués verabschieden – und gerade so die Welt verändern. In Hunderten Arbeitsgruppen entstand das Selbstbild eines sozialen Experiments, das auf neue Kommunikationsformen baut, Wege sucht, um die Vielfalt der Ideen zu einer kollektiven Intelligenz zu verdichten und dem herkömmlichen Modell rigider Pauschallösungen eine kreative Vielfalt entgegenzusetzen. Pluralismus, Unabhängigkeit, Ethos, Solidarität, Demokratisierung und Fairness lauten die Säulen dieser Bewegung. Es ist eine Vision mit Vorgeschichte: 1999 hatte die globale Zivilgesellschaft an Selbstvertrauen gewonnen, als die Konferenz der reichsten acht Nationen in Seattle angesichts der Massenproteste abgebrochen werden musste. Auch in Prag und Nizza gingen die Menschen gegen die G8 auf die Straßen. In Südamerika hatte man in den 90er Jahren brutale Diktaturen überwunden. Es herrschte ein Geist des Aufbruchs.
Das erste Weltsozialforum im Jahr 2001 schien zu belegen, dass in einer immer demokratischeren Welt Bürger ihre Anliegen selbst bestimmen wollen. Die Synthese aus wirtschaftlicher Konkurrenz und Kampf der Kulturen schien nur ins Chaos zu führen. Die Pyramiden der Macht schienen überholt, dem Krieg der Worte und Waffen sollte eine neue Qualität des Dialogs entgegengesetzt werden: »Unsere Zeit ist ein Jahrhundert der Netzwerke, in dem das soziale Gewebe wichtiger wird als die Ebenen der Macht«, behauptet Chico Whitaker. »In so einem Gewebe ist jeder gleich wichtig, gleich verantwortlich. Wir müssen in diesem neuen Denken begreifen, dass sich die Dinge fortwährend wandeln und Teil dieses kollektiven Prozesses werden. Niemand kann alleine die notwendigen Lösungen finden. Es braucht kollektive Intelligenz.«
Doch die Aktivisten mussten erkennen, dass solche kulturellen Evolutionen nicht von allein geschehen, sondern nur möglich sind, wenn alte Sozialisationen in jedem einzelnen überwunden werden. Sie begriffen: Kollektive Intelligenz entsteht nicht im Gegeneinander, sondern indem man lernt, in den Argumenten des anderen Parallelen zum Eigenen zu finden, und aus zwei Wahrheiten eine dritte formt. Es galt, die Gesetze lebender sozialer Gewebe zu begreifen, die so ganz anders funktionieren als die vertraute Machtstruktur sozialer Pyramiden.
Die globale Zivilgesellschaft verstand schnell, dass da ein völlig neuer Ansatz von Politik gesucht wurde, den es trotz aller organisatorischer Herausforderungen zu unterstützen galt. Der Versuch, auf den Weltsozialforen innovative Kommunika­tionsformen umgehend in die Praxis umzusetzen, traf weltweit auf enorme Resonanz. Die neuen demokratischen Rechte auch zu nutzen und eine Teilhabe am Aufbau einer »anderen Welt« zu probieren, wirkte bis in Dörfer im Amazonasgebiet, im Herzen Afrikas oder Indiens hinein wie ein Sog.
»Der einzige Weg zur Lösung eines globalen Problems sind weltweite lokale Lösungen. Ich glaube, es gibt eigentlich überhaupt nichts, was ausschließlich global wäre.« Das machte die alternative Nobelpreisträgerin Vandana Shiva in Porto Alegre klar, und sie betonte zugleich, wie wichtig das Engagement jedes einzelnen vor Ort ist: »Lokal heißt, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Wenn das überall geschieht, wird es zur globalen Lösung.«

Beginn einer Kulturrevolution
Was während der Mammut-Treffen in Porto Alegre von außen oftmals wie eine chaotische, unkoordinierte Welle des Protests globaler Widerständler gegen den Status quo wirkte, war, von innen betrachtet, der Beginn einer Kulturrevolution, in der die Teilnehmer sich immer enger vernetzten und voneinander lernten. »Wenn wir dasaßen und Strategien entwarfen, war es so, als säße unter dem Tisch die alte Welt, die mit großen Krakenarmen alle neuen Ideen vom Tisch nehmen wollte«, erinnert sich der Mitbegründer Whitaker. Es gab nur einen Weg, um die alten Muster von Konkurrenz und Kampf, von Besserwisserei und Kontrolle zu durchbrechen: »Wir mussten diese Tentakel radikal abschneiden, diesen inneren Widerständen immer wieder sagen: ›Ihr seid die alte Welt. Hindert uns nicht, die neue zu bauen!‹«
Der Weg, neue Formen und Strukturen zu suchen, erwies sich als erfolgreich. Die globale Bewegung gewann an Kraft und wurde von den Kommentatoren der New York Times als »dritte Weltmacht« bestaunt. Bei den Treffen der Welthandelsorganisation in Miami, Cancún und Doha konnten die reichen Länder erstmals nicht ihren Kopf durchsetzen. Zivilgesellschaft und Entwicklungsländer begriffen erstaunt, welche Macht sie entwickeln können. Der Globalisierungskritiker Walden Bello konstatierte: »Ich glaube, die Globalisierung ist in akuten Schwierigkeiten und durchläuft eine tiefe Legitimationskrise. Wir haben die Chance, diesen Prozess umzukehren.«
Die globale Gegenbewegung machte in ihrer Opposition zum Davoser Weltwirtschaftsgipfel immer wieder deutlich, dass der Markt und die Profitinteressen keine Richtlinien der Politik sein dürfen. Vielmehr müssten die Gesellschaften und ihre kulturellen Werte Markt und Unternehmen so kontrollieren, dass die Gemeinschaft zukunftsfähig bleiben kann. »Deshalb gibt es auch nicht nur eine, sondern zahllose Alternativen«, so Bello. »Das ist ja gerade das Problem: Sowohl der bürokratische Sozialismus wie der moderne Neoliberalismus haben ein Modell und wollen das weltweit durchsetzen. Aber man kann so ein einfältiges Modell nicht vielfältigen Gesellschaften aufzwingen. Das führt nur ins Desaster.«

Eine Chance für breite Koalitionen
Die Koalitionen, die unter dem Dach dieser kulturellen Vielfalt entstehen, sind vielfältig. Sie reichen von linken Gewerkschaftlern bis zu indigenen Aktivisten, von kritischen Intellektuellen bis zu den ­Kirchen. Die globale Bewegung der Sozial­foren öffnete gerade den Kirchen die Option, den eher unpolitischen Ansatz als soziale Samariter zu überwinden. Der kritischen Zivilgesellschaft, die meist nur wenig mit religiösem oder spirituellem Denken zu tun hat, brachte die Berührung mit religiösen Traditionen wiederum nahe, sich mehr mit den ethisch-spirituellen Grundwerten der »anderen Welt« zu beschäftigen, für die sie kämpft. »Die ganze Frage der Globalisierung ist in letzter Konsequenz eine spirituelle Herausforderung für die Menschheit«, erläutert Nicanor Perlas. Wirtschaftliche Globalisierung werfe »grundsätzliche Fragen auf: Was sind menschliche Gesellschaften, und was können sie sein? Was ist die Natur des Menschen? Wie funktioniert die Natur, was ist ihr Sinn? Wenn wir in der Zivilgesellschaft für diese fundamentalen Fragen keine eigenen Antworten haben, dann können wir eigentlich auch keine Visionen einer ›anderen Welt‹ entwickeln.«
Im Jahr 2004 verließ das Weltsozialforum das brasilianische Porto Alegre, um auf die andere Seite des Globus, nach Mumbai, zu wechseln. Auch in die indische Metropole kamen mehr als 100 000 Sucher der »anderen Welt«. Hier, wo ziviler Widerstand und Basisdemokratie tief verwurzelt und die Folgen des Kolonialismus bis heute spürbar sind, bekam das – bis dahin südamerikanische – Feuer der Bewegung neuen Zunder. Zehntausende Ureinwohner, die Bevölkerung der riesigen Slums sowie die außerhalb des Kastensystems stehenden »Unberührbaren« nutzten die Chance, auf ihre Lebensbedingungen hinzuweisen. Vandana Shiva nahm die Impulse der Stammeskulturen auf, um die Macht der Eliten in Frage zu stellen: »Eine Gruppe von Menschen – ich nenne sie hier die ›Elite mächtiger Männer europäischer Herkunft‹ – hat solche Herrschaftsinstrumente wie die Weltbank geschaffen. Wenn man das aus der Perspektive zeitgenössischer Stammeskulturen anschaut, so zeigt sich, dass diese elitäre Gruppe ein ziemlich kleiner Stamm ist – nur dass er sich benimmt, als wäre er ein globaler Stamm und könne alle anderen als lokale Stämme behandeln. Es ist an der Zeit, zu begreifen, dass dieser elitäre Stamm mit einer sehr bürokratischen Mentalität und sehr egoistischen Interessen einfach nicht die Kraft besitzt, um eine große Vision für die Zukunft zu entwickeln.«

Der nächste Schritt der Menschheit
Ein Jahr später, 2005, kehrt das Forum wieder nach Porto Alegre zurück und zieht diesmal sogar 155 000 Menschen an. Es ist da längst mehr als nur ein nörgelnder Gegengipfel zum Treffen der Reichen in Davos. Rund 60 jährliche nationale Foren in aller Welt haben sich bereits als kontinuierlicher politischer Impuls neben den internationalen Gipfeltreffen etabliert. Umso lauter wird der Ruf, aus dem offenen Raum für Diskussion und Austausch nun doch eine politische Bewegung zu machen – und aus dieser Bewegung Parteien und Insti­tutionen, die Rechte einfordern und an der politischen Gestaltung beteiligt werden. Ein Teil der Delegierten unterzeichnet 2005 das Manifest von Porto Alegre, in dem gefordert wird, der Dritten Welt die Steuerschuld zu erlassen, Währungsspekulation zu besteuern, Steuerparadiese zu verbieten, die Plünderung der Erde zu beenden, Nahrungssicherheit, freie Information und soziale Rechte zu garantieren sowie Militärbasen jenseits der eigenen nationalen Grenzen aufzulösen. Obwohl man an der Frage, wie die Macht der Foren nun zu nutzen sei, fast zerbricht, setzt sich dennoch die Ansicht durch, die Finger von der Alltagspolitik zu lassen und ein offenes Netzwerk für Austausch und für Visionen einer neuen Kultur zu bleiben.
Im Jahr 2006 finden dezentral Welt­sozialforen in Caracas, Karatschi und in Mali statt, bevor man sich entschließt, 2007 ein zentrales Treffen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi abzuhalten – auf jenem Kontinent, der wie kein anderer unter den Folgen der ungebremsten Globalisierung leidet. Es wird ein ebenso emotionales wie bedeutendes Treffen. »Afrika ist kein Schuldengrab«, schallt es den Teilnehmern bei der Eröffnung entgegen. »Afrika ist kein sterbender Kontinent, kein Kontinent der Seuchen. Afrika ist die Heimat eines menschlichen Geistes!« Es geht um Stolz und kulturelle Identität, um afrikanische Werte für eine »andere Welt«, vorgetragen mit dem Mut der Verzweiflung und mit einer bislang ungehörten Dringlichkeit – so wie beim ökumenischen Gottesdienst des Friedensnobelpreisträgers und südafrikanischen Erzbischofs Desmond Tutu: »Niemals werden wir den Terror besiegen, wenn wir die Armut weiter tolerieren. Ihr Mächtigen seid nicht gewählt, um euch die Taschen zu füllen, sondern um eurem Land zu dienen!«
Vielleicht ist es dies, was die Leistung der Weltsozialforen ausmacht: Eine internationale Kooperation, die alles, was schon Gutes geschieht an zivilgesellschaftlicher Aktion, durch gegenseitige Unterstützung verstärkt. Denn das war auch der rote Faden, der den dezentralen Global Action Day 2008 mit Millionen Teilnehmern in aller Welt durchzog sowie das Treffen im brasilianischen Belem 2009. Im Jubiläumsjahr 2010 zeigte sich die Bewegung noch einmal in ihrer Vielfalt mit Treffen in Detroit, Toronto, Istanbul, Katmandu, Porto Alegre, Belem und Katalonien. Anfang Februar 2011 begann nun im senegalesischen Dakar das zweite Jahrzehnt der Weltsozialforen – mit aller afrikanischer Lebensfreude nebst einem Berg von Problemen: »Wir werden in Dakar erleben, dass Menschen aus Hirtenvölkern kommen, Bauern und Fischer, um gezielt europäische Agrarpolitik in Frage zu stellen, weil sie sehr genau nachbuchstabieren können, wie ihnen eine expansive europäische Agrarpolitik die Möglichkeiten des eigenen Wirtschaftens nimmt«, prophezeite der eingangs zitierte Jürgen Reichel schon im Vorfeld.
Die Bewegung der Weltsozialforen kann auf eine ebenso politische wie kulturelle und religiöse Meisterleistung zurückblicken. Innerhalb eines Jahrzehnts hat die multikulturelle globale Zivilgesellschaft gezeigt, wie über Glaubensgrenzen hinweg Menschen gemeinsam, friedlich, kooperativ, horizontal und kreativ an der Gestaltung einer »anderen Zukunft« arbeiten können. In Südamerika hat das neue Selbstbewusstsein dazu geführt, dass in fünf Ländern sozial innovative Regierungen ans Ruder kamen – und auch anderswo hat die Zivilgesellschaft für Politikwechsel gesorgt.
Ein Weltbild der Netzwerke nahm Kontur an, ein neues Bewusstsein, neue Kommunikations- und Organisationsformen ohne Macht wurden im großen Maßstab erprobt. Das Bild einer »anderen Welt« hat durch zahllose Initiativen und Modelle Konturen bekommen. Die Welt ist mit den Sozialforen nicht nur demokratischer geworden, es wurden auch ethische Fragen wieder auf die Tagesordnung gebracht. Und Chico Whitaker, der achtzigjährige Miterfinder der Foren, sagt mit leuchtenden Augen und südamerikanischem Temperament: »Was wir hier erleben, ist die Bildung einer kollektiven Intelligenz. Das ist der nächste Schritt der Menschheit.« 


Geseko von Lüpke (52) studierte Politologie und Ethnologie, arbeitet als freier Journalist, Buchautor und Redakteur für Rundfunkanstalten, Tageszeitungen und Zeitschriften.

An der »Dritten Weltmacht« teilhaben? Ganz einfach:
Internet
Weltsozialforen als Bewegung: www.forumsocialmundial.org
Deutsche Sozialforen: www.weltsozialforen.org 
Literatur
• Walden Bello: Die Politik des Hungers, Assoziation a, 2010; ­De-Globalisierung. Widerstand gegen die neue Weltordnung, Vsa, 2005
• Geseko von Lüpke: Zukunft entsteht aus Krise, Riemann, 2009
• Naomi Klein: Über Zäune und Mauern. ­Bericht von der Globalisierungsfront,Campus, 2003
• Wangari Maathai: ­Afrika, mein Leben. Erinnerungen einer Unbeug­samen, Dumont, 2011
• Nicanor Perlas: Die Globalisierung ­gestalten, info3, 2000
• Chico Whitaker: Das Weltsozialforum. Offener Raum für eine andere Welt, Vsa, 2007

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