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Lebensgemeinschaft Bingenheim

Aus dem »Mosaik des guten Lebens«.

erschienen in 59/2020

Bild

© Foto: privat

Die anthroposophisch orientierte Lebensgemeinschaft Bingenheim e. V. sieht im Zentrum ihrer Arbeit die individuelle Begleitung von Menschen mit verschiedenen Arten von Einschränkungen, die ihnen das Leben und Arbeiten im »normalen« Umfeld erschweren. Dafür gibt es zahlreiche Tätigkeitsfelder: Schreinerei, Weberei, Töpferei, Bäckerei, Kerzenzieherei, Gärtnerei und Landwirtschaft. All das befindet sich auf dem Gelände eines mittelalterlichen Schlosses im Dorf Bingenheim am nordöstlichen Rand der Wetterau. Rund um das Schloss liegen mehrere kleinere Gebäude, die Werkstätten oder Wohngruppen beherbergen. Die meisten handwerklich tätigen Mitarbeitenden wohnen nicht am Ort, die Heilerziehungspfleger teilen jedoch das Leben in den Wohngruppen. Zum Mittagessen treffen sich alle, die wollen, in einem Essensaal im Schloss. Auch an den Abenden gibt es viele Gelegenheiten, sich zu treffen, zum Beispiel am Lagerfeuer. Jahresfeste – Mittsommer steht bevor – werden auch gemeinsam begangen.
Ich selbst arbeite in der Gärtnerei, was ich als lebensfördernde Tätigkeit empfinde. Für unsere Gemeinschaft sind so immer lokale, gesunde Lebensmittel verfügbar. Durch die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen, die anders schwingen und anders wahrnehmen als ich, eröffnet sich mir ein ganz neuer Zugang zur Welt. Ich nehme an ihrer besonderen Art der Wahrnehmung teil und komme zur Ruhe, weil es nicht darum geht, vor allem schnell fertig zu werden und etwas zu erreichen, sondern um Zuneigung, Anteilnahme und gemeinsames Staunen über Unscheinbares. Dennoch gibt es ein Tagesprogramm, das erfüllt werden sollte – zum Beispiel dass 500 Salatpflanzen gesetzt werden müssen. Das führt zum Konflikt mit der Langsamkeit. Eine weitere Herausforderung: Für die Integration der Menschen mit besonderen Bedürfnissen gibt es finanzielle Zuschüsse – je bedürftiger sie sind, umso höher fallen sie aus. Das kann als Wertschätzung von staatlicher Seite betrachtet werden, wirft aber auch die Frage auf, ob solche Orte auch ohne die finan­ziellen Zuschüsse weiterexistieren könnten. Es ist ein großer Lernprozess, in so einem Umfeld zu leben.  
Stefan Sylla

www.lg-bingenheim.de

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