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Wesensgemäße Pflanzenhaltung

Erfahrungen mit der Selbstaussaat von
Gemüsepflanzen im eigenen Garten.

von Birte Friebel , Ulrike Meißner , erschienen in 59/2020

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© Foto: Birte Friebel

»Fauler Permi« und einjähriges Gemüse – geht das?
Zeitgleich mit dem Beginn meiner Permakultur-Weiterbildung habe ich eine Ausbildung zur Gemüsegärtnerin begonnen. So kam ich in die Gemüsegärtnerei mit Ideen aus der Permakultur. Schon am Anfang meiner Beschäftigung mit Permakultur hatte ich vom Gemüseanbau mit Selbstaussaat gehört – eine Idee, die mich begeisterte: Gemüsepflanzen wachsen, ­einige werden nicht geerntet und können Samenstände ausbilden. Diese dienen als Bienenweide und bilden Samen, die sich selbst aussäen und nach der Keimung zu sehr robusten, gesunden Jungpflanzen werden. Nach einigen Jahren dieses Kreislaufs bilden sich dann Sorten heraus, die an das Klima und den Boden des Orts angepasst sind.
Diese wesensgemäße Pflanzenhaltung wollte ich nun gern als angehende Gemü­segärtnerin ausprobieren. Die ­Chefin meines Lehrbetriebs teilte meine Begeisterung jedoch nicht und wollte keine Versuche in ihrem Betrieb wagen. Aus ihrer Sicht sprachen vor allem die geringe Planbarkeit des Ertrags und eine lange Belegung der Flächen durch die Samenträger dagegen. So begann ich in meinem Hausgarten zu experimentieren und lernte derweil im Erwerbsanbau, was alles für einen fortlaufenden, planbaren Gemüseanbau zu beachten ist. Hier werden Jungpflanzen in der Regel vorgezogen oder zugekauft und dann gepflanzt; wenige Kulturen werden durch Direktsaat ausgebracht. Professionelle Gemüsegärtnerinnen machen sich Gedanken über Keimung, Kulturführung, Ernte und Samenproduktion, denn für einen wirtschaftlichen Betrieb muss der Ertrag planbar und die vorhandene Beetfläche opitmal ausgenutzt sein.
Meine Erfahrungen aus zwei Jahren Experimenten mit Selbstaussaat: Im Herbst säte ich bunt durcheinander verschiedene Gemüse, wie Mangold und ­Salate, aus. Das Durcheinander stellte mich sodann im Frühjahr vor die Frage, wo denn nun welche Samen aufgehen würden. Doch sie keimten eben, und ich erntete an unterschiedlichsten Stellen. Einige Pflanzen ließ ich stehen. Diese ­bildeten ­Samen, die später ausfielen, manchmal auch an eher ungünstigen Stellen. Es waren viele und robuste Jungpflanzen, die ich auseinander setzte oder jätete, wenn sie zu dicht standen.
Insgesamt erscheint es mir für Gartenanfänger relativ kompliziert zu sein, mit Selbstaussaat Gemüse zu ziehen. Es geht damit los, dass die wild im Garten keimenden Gemüsejungpflanzen erkannt werden wollen, damit sie nicht aus Versehen weggejätet werden. Später benötigt die Ernte relativ viel Zeit und Aufmerksamkeit, da die Pflanzen hier und da gefunden werden wollen. Für den Erwerbsgemüseanbau ist das tatsächlich eher ungünstig, und es braucht wohl ein richtig gutes Design, um mit Selbstaussaat verlässlich Gemüse zu ernten. Günstiger ist hier möglicherweise die Winteraussaat: Dabei werden die Samen schon im ausgehenden Winter gezielt in den Beeten in die Erde gebracht und keimen, sobald die Temperaturen passend sind. So wachsen ebenfalls sehr robuste Jungpflanzen heran, die gut wiederauffindbar sind.  Birte Friebel

Birte Friebel ist Gärtnerin und nimmt an einer im Aufbau befindlichen Permakulturweiterbildung teil.


Ergänzende Hinweise aus der Permakultur-Redaktion
Grundsätzlich eignen sich nur samenfeste Sorten für die Selbstaussaat. (Die aus samenfesten Sorten gewonnenen ­Samen und Jungpflanzen behalten die ­Eigenschaften der Elternpflanzen; sie sind nachbaufähig.)
Als gut selbstaussäbares Gemüse beschrieben werden Amaranth, Rucola, Rote Rübe, Mangold, Karotte, Kopfsalat, Asiasalate, Feldsalat, Postelein, Gartenmelde, Senf, Neuseeländer Spinat, Gemüsemalve und Radieschen. Auch Kräuter, wie Kerbel, Fenchel, Borretsch, Dill und Bohnenkraut, säen sich selbst aus. Bei den Blumen sind es beispielsweise Sonnenblume, Strohblume, Ringelblume, Cosmea, Mohn und Veilchen. Abhängig von Boden und Standort wachsen nicht alle Arten überall gleich gut auf.
Nachtschattengewächse, wie Andenbeere und Tomaten, säen sich ebenfalls selbst aus, wobei letztere, ebenso wie Chili und Paprika, recht hohe Keimtemperaturen benötigen und in unseren Breiten zu spät keimen, um noch eine gute Ernte zu liefern. Die Ausreifezeit bis zum Winter ist dann für die Samen meist zu kurz. In Regio­nen mit milderen Wintern kommen viele weitere Arten, deren Saatgut nicht frostfest ist und die bei uns nur in der warmen Jahreszeit angebaut werden können, zur Selbstaussaat.
Um das Problem der zu langen Beet­belegung zu begrenzen, können künftige Samenträger als Jungpflanzen an einen festgelegten Ort gepflanzt werden, z. B. in ein Beet für alle Samenträger. Diese werden nicht geerntet, während alle anderen Pflanzen verspeist werden dürfen und so die Fläche für die nächste Kultur wieder frei machen. Sind die Samenträger einmal gewachsen und an der Pflanze ausgereift, können sie später auch gezielt über gewünschten Standorten ausgeschüttelt werden. Dabei sollte bedacht werden, dass Pflanzen einer Art nicht immer wieder am selben Standort keimen, um Krankheiten und Schädlingsbefall vorzubeugen.
Manche Pflanzen, wie zum Beispiel Postelein (Claytonia perfoliata), Jungfer im Grünen (Nigella damascena) oder Schnittlauch (Allium schoenoprasum), gehen so gern von allein im Garten auf, dass sie durchaus mit Bedacht angesiedelt werden sollten – sie besitzen das Potenzial, sich zu verselbständigen und zum Unkraut zu werden. Deshalb sollten immer nur so viele Pflanzen stehenbleiben, wie sie auch zu handhaben sind. Außerdem sollten Pflanzen sich nicht ohne die Zustimmung des Gärtners oder der Gärtnerin aussäen. Vermeiden lässt sich das durch Ernten der Blüten oder das Entfernen der noch jungen Samenstände.  
Ulrike Meißner

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