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Der Kampf um globale Gerechtigkeit (Buchbesprechung)

von Renate Börger , erschienen in 57/2020

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Seit zehn Jahren veröffentlichen die Publizisten David Goeßmann und Fabian Scheidler auf ihrem unabhängigen Internet-Sender »Kontext TV« intensive Gespräche mit kapitalismuskritischen Denkerinnen und Aktivisten aus aller Welt, wie Noam Chomsky (USA), Vandana Shiva (Indien) Wangui -Mbatia (Kenia), Alberto Acosta (Ecua-dor), Yanis Varoufakis (Griechenland) oder -Ulrike Herrmann (Deutschland). Nun gibt es auch eine Art Archiv der besten Gespräche zwischen zwei Buchdeckeln. Dabei geht es unter anderem um Erdüberhitzung und die Plünderungen im Wachstumswahn; um das russische Roulette der Nanotechnik und des Geo-Engineering; um die Demokratie-Erosion in der EU; die »Schurkenpolitik« des Westens; die weltweite Wut der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie den Syrienkrieg, der ein internationales Schlachtfeld darstellt.
Die Analysen erhellen und ordnen die scheinbar chaotische Weltlage, und sie geben auch Ausblick auf Alternativen: Wie könnte die mehr-als-menschliche Welt ins Recht gesetzt werden? Eine Antwort von Alberto Acosta: »Ich finde es sehr wichtig, mit einer Diskussion über eine allgemeine Erklärung zu den Rechten der Natur – der Mutter Erde – zu beginnen. Eine solche Erklärung könnte eine viel stärkere Alternative sein im Vergleich zu den Resultaten staatlicher Übereinkünfte, die eher kurzfristig sind, notwendige Lösungen aufschieben und im Hintergrund dazu führen, dass sich die Pro-bleme verschärfen. Weiterhin müssen wir die Anstrengungen für ein internationales Tribunal stärken, das Umweltverbrechen bestraft, damit es einen Mechanismus gibt, über den z. B. transnationale Konzerne angeklagt werden können, die massive Zerstörungen verursachen.« (S. 212)
Inspirierend sind die radikalen Ideen von Michael Albert zu einer partizipativen Ökonomie: »Sich selbst verwaltende Arbeiter- und Konsumentenversammlungen, gleichmäßige Einkommensverteilung nach Intensität, Dauer, Belastungsgrad sozial wertvoller Arbeit, ausbalancierte Arbeitskomplexe und partizipative Planung.« (S. 219) 
Tiefgründig sind auch die Gedanken der politischen Philosophin Silvia Federici (USA) zur »Krise der Reproduktion«. Im neoliberal zugerichteten »gleichberechtigten« Erwerbsstress »wird die Kinderbetreuung zum Krisengebiet«, produziert Schlüsselkinder, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen und eine mit Psychopharmaka sedierte Generation. Schon der Kindergarten wird mit Blick auf Arbeitsmarktchancen ausgerichtet. Landgrabbing sei immer auch ein soziales Landgrabbing, so Federici; umgekehrt gehe es darum, die Idee der Gemeingüter nicht nur auf Land, Wasser, Bildung und Gesundheit anzuwenden, sondern auch auf das Soziale als Ganzes: »Commons dienen nicht nur der Lebenshaltung, sondern sind auch ein Weg, um soziale Gefüge wiederaufzubauen […] Commons sind nicht nur dazu da, Nachbarschaftshilfe wiederzubeleben, sondern sie schaffen auch eine neue Solidarität, wo heute ein Vakuum herrscht. Wir holen uns die Kontrolle über unseren Alltag zurück, die man uns entzogen hat. So erschaffen wir von Grund auf neue Existenzformen, die nicht der Logik der Märkte unterworfen sind.« (S. 226) 
Mit dem Buch im Gepäck weiß ich jedenfalls wieder ziemlich genau, wofür es sich zu kämpfen lohnt!

Der Kampf um globale Gerechtigkeit
Gespräche mit Noam Chomsky, Vandana Shiva, Immanuel Wallerstein, Yanis Varoufakis, Ulrike Herrmann, Wangui Mbatia, Amy Goodman, Jeremy Scahill u.a.
David Goeßmann und 
Fabian Scheidler (Hrsg.)
Pro Media, 2019
240 Seiten
ISBN 978-3853714584
19,90 Euro

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