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Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Das neue Dreier-Team der ­Bildungsredaktion stellt sich vor.

von Dorothée Krämer , Helen Britt , Luisa Kleine , erschienen in 55/2019

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© Foto: Max Koch

In der letzten Ausgabe von Oya stand an dieser Stelle eine Abschiedsnotiz des Rubrikredakteurs Alexander ­Capistran. Und nun? Ein herzliches Hallo von uns drei Neuen!
Ab dieser Ausgabe betreuen wir – Helen, Luisa und Doro – die Oya-Bildungsrubrik. Wir sind gespannt und freuen uns auf die Erlebnisse, Herausforderungen und Einblicke, die uns durch diese Aufgabe zuteil werden.
Sehr gerne möchten wir gleich zu Beginn die Einseitigkeit, die redaktionelle Arbeit oft bedeutet, überwinden, um im Austausch mit Ihnen und euch, unseren Leserinnen und Lesern, eine gemeinsame Vision der Bildungsrubrik zu entwickeln. Wir freuen uns über jede Art von Zuschriften. Welche Artikel in den letzten Ausgaben waren besonders interessant? Welche weniger? Welche Themen begeistern Sie und euch, welche haben bisher zu wenig Raum in Oya gefunden, welche vielleicht noch gar keinen? Gibt es Ideen für neue Formate? Welchen Stellenwert hat das Thema Bildung in Oya für Sie und euch persönlich? Welche Themen sind in welchen Bildungskreisen gerade lebendig? Wer eine kurze Nachricht an uns schreibt, tut uns damit einen großen Gefallen und unterstützt uns bei dem Prozess, eine gemeinsame Vision der Oya-Bildungsrubrik entstehen zu lassen.
Vielen Dank! Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit und sind allzeit offen für Ideen, Anregungen und Kritik.

mitdenken–ÄT–oya-online.de

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© Foto: Adina Schinauer

Luisa Kleine
Immer wieder merke ich, wie sehr mich die Themen rund um Schule, Bildung und Lernen bewegen. Es schüttelt mich, die Tränen fließen, und etwas in mir wird sehr wach, wenn ich darüber lese, höre oder spreche.
Meine Eltern arbeiten als Lehrerin und Lehrer. Schon früh inhalierte ich am Abendbrottisch pädagogische Perspektiven. Bald las ich begeistert Bücher von Jesper Juul & Co. und erklärte meinen Eltern, was sie und die Schule alles falsch machten.
Ein paar Jahre vor meinem Abitur saß ich weinend im Film »Alphabet«, und das letzte bisschen Glauben an das Schulsystem starb in mir. Obwohl ich mein Abi noch durchzog, war ich mit dem Kopf und dem Herzen schon ganz woanders. Am Tag nach der Zeugnisausgabe stand ich mit ausgestrecktem Daumen mit meiner lieben Freundin an der Straße, und wir reisten ein Jahr lang zu verschiedenen Projekten und Gemeinschaften in Europa. Ich begann mit voller Kraft, etwas über die Dinge zu lernen, die mich wirklich interessierten: fühlen, sich begegnen, Selbstorganisation, zeichnen, Schiffe bauen, toxische Männlichkeit, Liebe, Postwachstum, Privilegien, Feminismus und noch so viel mehr.
Nach meiner Reise trommelte ich die Initiativen für freies Lernen zusammen, die mir auf meiner Reise begegnet sind, und wir gründeten den »Verband für freie Bildungsalternativen«, mit dem wir unter anderem die Messe »Ausbruch!« organisiert haben. Im »naiv-kollektiv« habe ich mich intensiv mit Adultismus beschäftigt, und durch mein Leben in einer Kommune bekomme ich ganz altersdiverse Perspektiven auf das Lernen mit. Gerade lerne ich viel über intentionales Beziehung-Führen, über meine Angst vor Macht, wie ich meine Mails verschlüssele, wie Lego-Piratinnenschiffe zusammengebaut werden und was der Unterschied zwischen Imperialismus und Kolonialismus ist. Mehr als alles andere lerne ich immer noch, mich selbst zu strukturieren, zu fließen und zu fühlen, was gerade dran ist.


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© Foto: Diam

Helen Britt
Während ich am Schreibtisch sitze und überlege, was ich hier über mich sagen könnte, fällt mir auf, wie sehr sich meine Weltbeziehung gerade wandelt. Wenn ich an die Bildungsrubrik denke, dann kann ich kaum mehr sagen als: »Ich weiß gerade gar nicht genau, was Bildung für mich eigentlich bedeutet.« Noch vor einem Jahr – nach dem Organisieren der »Ausbruch!«-Messe – hätte ich eine klare Meinung dazu gehabt. Jetzt gebe ich der großen Frage meiner Schuljahre wieder mehr Raum: Warum werden ­Lernen und Leben immer wieder voneinander getrennt?
Meine Schulzeit verbrachte ich pendelnd zwischen dem Frust dar­über, mich eingesperrt zu fühlen, und der Neugier und Faszination für die vielen Themen, die mir an einer Waldorfschule geboten wurden. Eigentlich erzähle ich immer gerne, ich hätte die Schule nach der 11. Klasse abgebrochen, um endlich für die Welt wirken zu können. Tatsächlich ist es aber so, dass ich irgendwann einfach nicht mehr in die Schule passte. Etwas Essenzielles – tiefe Begegnungen, Authentizität, Verständnis für komplexe Zusammenhänge – fehlte mir dort. Nach einem halben Jahr Reisen und einem spontan nachgeholten Realschulabschluss an einer winzigen Schule an der Nordsee entschied ich mich, in ein Hausprojekt zu ziehen, anstatt doch noch mein Abitur zu absolvieren. Ich spürte diesen Ruf, Lebendigkeit in mir zu entdecken und sie in der Welt zu beschützen.
Seit drei Jahren bin ich nun als Lebensaktivistin – vor allem im Kontext von »Living Utopia« – unterwegs, lerne bei Blockade­aktionen oder emotionalen Performances. Mein Leben bildet mich, und ich forme mein Leben, manchmal strukturlos, manchmal voller Bücher und Projekte.


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© Foto: Max Koch

Dorothée Krämer
Seit ziemlich genau sieben Jahren befinde ich mich in einem ähnlichen Dunstkreis wie Oya. Damals, 2012, bin ich nach zwölf Jahren Waldorfschule in Franken nach Freiburg gezogen, um mich in dem selbstorganisierten Projekt »methodos« auf das Abitur vorzubereiten. Diesem Schritt vorausgegangen war eine Zeit des Unmuts über Schule. Nachdem ich lange Jahre begeistert alles aufgesaugt hatte, was mir dargeboten wurde, und ich mich in der Schule stets wohlgefühlt hatte, erlebte ich die Oberstufe als einen trägen Haufen von Leuten in festgefahrenen Mustern. Den Sinn des Abiturs ganz in Frage zu stellen, spielte für mich keine Rolle: Ich konnte mich in Mathe­aufgaben genauso verlieren wie in Lyrik und fand chemische Abläufe ebenso spannend wie historische. Ich habe es immer als großes Privileg erlebt, meine Zeit damit verbringen zu dürfen, diese Dinge zu lernen. Aber wer sagt, dass man lernen nur im Klassenzimmer, nur anhand von Schulbüchern kann, dass es einen ewigen, schlecht gelaunten Kampf geben muss zwischen Lehrenden und Lernenden und dass sich Können in Noten messen lässt? Als ich von methodos erfuhr, war mir plötzlich klar, dass ich die Zeit bis zum Abitur nicht einfach absitzen musste, wartend auf die große Freiheit danach. Es gab junge Menschen, die ausprobieren wollten, wie sie persönlich am besten lernen, und wie sie Lehrenden auf Augenhöhe begegnen – und sie setzten dies einfach um! Ich glaube, zuerst war ich irritiert davon, dass man als Mensch in meinem Alter die Welt schon gestalten kann und nicht nur hinnehmen muss, was für einen bereitet ist. Seit meinem Jahr bei methodos ist mein Bildungsweg stets ein Wandeln zwischen klassischen Institutionen und freien Bildungsansätzen gewesen. In meinem Bachelorstudium war es mir möglich, die Fragen, die ich aus meiner Lebenswelt heraus entwickelte, aus der Perspektive verschiedenster Disziplinen zu betrachten, statt vorgegebene, einseitige Inhalte zu büffeln. Im Masterstudiengang habe ich nun das Glück, von Menschen umgeben zu sein, die für ähnliche Themen wie ich brennen. In verschiedenen Projekten neben der Uni folge ich anderen Interessen, wie Kulturarbeit und politischer Bildung. Ich glaube, es gibt nicht den einen richtigen Bildungsweg. Manche Menschen mögen an staatlichen Institutionen gerade das finden, was für sie unterstützend ist, andere werden sich von jeder Art Institution und vorgefertigten Wegen freimachen wollen. Wichtig ist meines Erachtens, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich zu fragen: Was ist der richtige Weg für mich?

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