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Wasser!

Wie wir unsere Gärten auf klimatische Veränderungen
vorbereiten können.

von Silke Hoffmann , erschienen in 54/2019

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© Foto: Paula Polak

Bei fortschreitender Erderwärmung werden Unwetter in Zukunft häufiger und noch stärker auftreten. Auch hierzulande sind seit Jahren Extremwetterereignisse spürbar. Der Sommer 2018 war der heißeste und trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1781. Noch im Jahr zuvor erlebten wir in Deutschland Dauerregen und Hochwasser. Wie können wir uns vorausschauend mit unseren (Selbstversorger-)Gärten auf die Auswirkungen des Klima­wandels, wie Temperaturanstieg, Trockenheit oder Zunahme von Starkregen, vorbereiten? Die in Österreich beheimatete Paula Polak beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Wasser im Garten. Neben dem Fachwissen, das sie bei ihrem Studium der Landschaftsökologie und Landschaftsgestaltung erworben hat, ist es insbesondere ihre fast 30-jährige Berufserfahrung mit naturnaher und umweltschonender Grünraumplanung, die sie mit dem Thema verbindet. Im letzten Jahr ist ihr Handbuch zum Thema Wasser im Garten erschienen, auf das ich mich beziehe.

Der Bodenzustand ist ausschlaggebend
Essenziell für einen sinn­vollen Umgang mit Wasser sind Maßnahmen, die den Gießbedarf im Nutzgarten verringern. Im Biogarten sind solche Methoden bereits üblich, und so lohnt es sich, sie einmal besonders unter diesem Aspekt zu betrachten: Ein gesunder Boden ist die beste Voraussetzung für eine ausreichende Wasserverfügbarkeit im Garten. Je mehr Humusanteil ein Boden aufweist und je krümeliger er ist, desto mehr Wasserspeicherfähigkeit besitzt er. Während der Zerfallsprozesse von organischem Material entstehen Huminstoffe, welche wegen ihrer stabilen Grundstruktur auch als Dauerhumus bezeichnet werden. Sie besitzen wie Ton die Eigenschaft, Nährstoffe und Wasser hervorragend zu speichern (Ton-Humus-Komplex). Neben der Humusschicht spielt auch das Bodengefüge eine wichtige Rolle. Darunter versteht man das Mischungsverhältnis von festen Bodenteilchen zu vorhandenen Hohlräumen. Dieses Verhältnis ist maßgeblich für den Luft- und Wassergehalt bzw. für die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Ein Krümelgefüge wird als ideal bezeichnet, wenn es zu 50 Prozent aus Festsubstanz, zu 30 Prozent aus wasserführenden Poren, zu 20 Prozent aus luftführenden Poren sowie aus Bakterien besteht, die diese Bestandteile miteinander verkitten.
Sinnvoll sind demnach gärtnerische Maßnahmen, die insbesondere das Bodenprofil (Aufbau der verschiedenen Bodenschichten) sowie das Bodengefüge schützen. Letzteres wird vielerorts durch schwere Landtechnikfahrzeuge zerstört. Das Bodenprofil wird aber häufig auch im Hausgarten durcheinandergebracht, etwa beim Umstechen des Bodens. Die zahlreichen Mikroorganismen, Bodeninsekten und Regenwürmer, die in der humosen Schicht – also in den obersten etwa fünf bis zehn Zentimetern – leben, werden durch Umgraben des sogenannten Mutterbodens getötet oder nachhaltig in ihrer Tätigkeit gestört. In den meisten Fällen, beispielsweise beim Entfernen unerwünschter Beikräuter, würde bereits ein Handgrubber genügen, um den Boden oberflächlich zu lockern und Pflanzenmaterial zu entfernen; für tief wurzelnde Beikräuter ist die Grabegabel die beste Lösung. Bei sandigen Böden gelingt das Jäten am besten an sonnigen Tagen, da man die entfernten Pflanzen bei ausreichender Hitze und Trockenheit gleich als Düngung vor Ort liegen lassen kann – jedoch nur, wenn sie noch keine Samen gebildet haben. Bei eher schweren Böden empfiehlt Paula Polak feuchte, nicht zu nasse Bodenverhältnisse zum Arbeiten. Eine sehr einfache und bodenschonende Methode zur großflächigen Entfernung von hartnäckigen Pflanzen, etwa Quecke, ist das Abdecken mit ungefärbtem, braunem Karton. Nach etwa drei Monaten sind die Pflanzen darunter abgestorben. Auch andere Materialien wie Stroh oder Hobelspäne eignen sich für diesen Zweck.
Generell gilt: Den Boden nie offen und ungeschützt lassen –denn Wind vermag Böden viel schneller auszutrocknen als Hitze! Neben dem Abdecken mit einer Mulchschicht aus unverrottetem organischen Material eignet sich natürlich die Ansaat von bodenbedeckenden Pflanzen. Ausdauernde Bodendecker können zwischen höherwachsende Stauden und unter Sträucher gepflanzt werden, wobei Gründüngungspflanzen besonders im Gemüsegarten weitere Vorteile – wie die tiefgründige Lockerung der Böden oder die Anreicherung mit Stickstoff – mit sich bringen. Das Ausbringen von gut abgelagertem Stallmist (von Kühen oder Pferden) oder das Rotationssystem der Fruchtfolge sind weitere Maßnahmen, um die Bodenqualität im Nutzgarten zu erhöhen und die Wasserspeicherkapazitäten zu verbessern.

Standortangepasste Pflanzen
Pflanzen entwickeln Strategien, um mit der zur Verfügung stehenden Wassermenge zurechtzukommen. Darum sind standortangepasste Arten immer vorzuziehen. Für die Bestimmung des Standorts sind sechs Parameter entscheidend: biogeografische Region, Höhenlage, Exposition zur Himmelsrichtung, Niederschlag, Besonnung/Beschattung, Boden. Um die Beschaffung regional passender Pflanzen zu erleichtern, gibt es Zertifikate für Produzenten, etwa in Deutschland den Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten (VWW). Stehengelassene Gemüsepflanzen, die sich im Nutzgarten selbst aussamen, erzeugen laut Paula Polak die gesündesten Pflanzen, die dort am wenigsten zusätzliches Wasser benötigen. Empfehlenswert sei diese Vorgehensweise jedoch nur für Menschen, die Erfahrung im Erkennen von Gemüsesprösslingen haben und diese gegebenen­falls von unerwünschten Beikräutern unterscheiden können. In einem wassersparenden Gemüsegarten werden Pflanzen idealerweise nur einmal gegossen, wenn sie eingesetzt bzw. ausgesät werden – dann jedoch ausgiebig und durchdringend, so dass die Wurzeln zum Wachstum animiert werden. Ausnahmen sind Trockenperioden und starker Wind, denn dann herrscht zusätzlicher Wasserbedarf. Seltenes, punktuelles Gießen per Hand (am besten morgens, wenn der Boden noch vom Morgentau feucht ist) erzieht die Pflanzen dazu, tief zu wurzeln, und macht sie so wasserautarker und hitzerobuster.
Und wenn der Regen kommt? Dann heißt es: Sammeln und speichern! Die Autorin führt vor, wie sich mit Hilfe des örtlichen Jahresniederschlagswerts die Wassermenge errechnen lässt, die das
eigene Hausdach hergibt. Sie nennt diesen Orientierungswert trotz der Unvorher­sehbarkeit der heutigen Niederschläge, weil er bei der Wahl der Anzahl und Größe der Speichergefäße für das Regenwasser doch hilfreich sein kann. Wie viel Wasser im Garten benötigt wird und wofür, ist ebenfalls relevant für die Wahl der Speicherkapazitäten (unterirdische Zisterne) sowie die Platzierung (mehrere Regen­tonnen).
Nicht genutztes Regenwasser sollte man vor Ort dem Grundwasser wieder zuführen. Das bedeutet im besten Fall, außer dem Wohnhaus keine weiteren Flächen zu versiegeln. Wege und Bepflasterungen können so angelegt werden, dass Wasser durchrinnen und versickern kann. Sickermulden und Sickerteiche bieten wunderbare Möglichkeiten, Überschuss an Wasser in den Wasserkreislauf zurückzuführen. Wird der Zulauf vom Fallrohr der Dachrinne dorthin geleitet, kann auf vielfältigste Weise gestaltet und bepflanzt werden, was seinerseits wiederum zur Erhöhung der Artenvielfalt im Garten beiträgt.


Dokumentation der Erdüberhitzung
Karte der Wald-und Feldbrände sowie der von Starkregen betroffenen Regionen Deutschlands 2018:
www.klimakrise.org
Regiogehölze und -saaten im Handel
www.natur-im-vww.de
www.rewisa-netzwerk.at

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