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Im Tal der Ahnungsvollen

Wie sieht eine Utopie aus, die nicht auf ausbeuterischem Eroberungsdenken, sondern auf der Verbundenheit von Menschen und Orten gründet? ­Einige Ahnungen der ­Autorin Ursula K. Le Guin.

von Matthias Fersterer , erschienen in 53/2019

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© Foto: Patrick H. Wynne

Die Kesh sind ein indigenes Volk in Nordkalifornien. Ihr Siedlungsgebiet liegt südwestlich der »North Inland Sea« (nördliche San Francisco Bay) in einem zwischen schroffen Hügelketten gelegenen Tal, das sie »Valley of the Na« oder schlichtweg kesh nennen (in Atlanten als »Napa Valley« verzeichnet). Sie halten Kleintiere und hüten Schafe, Ziegen und Kühe auf Allmende-Weiden. Sie betreiben gärtnerische Landwirtschaft, bauen Bohnen, Kartoffeln, Mais, Karotten und andere Knollengemüse an, die auf den lehmigen Böden besser gedeihen als Weizen. Sie sammeln Beeren, Wurzeln, Kräuter und gehen hin und wieder auf die Jagd. In ihrer Sprache gibt es kein Wort für »Hungersnot«.
Die egalitäre Gesellschaftsform der Kesh und ihre Ordnung der Welt gründen auf neun nach den Elementen benannten, gleichwürdigen und gleichwertigen »Häusern«. Die diesen zugehörigen menschlichen und nicht-menschlichen Leute hüten die Lieder, Tänze, Zeremonien, Kenntnisse und Fertigkeiten des jeweiligen Hauses. Die Kesh haben einen mündlich überlieferten Geschichtenschatz und schreiben Gedichte, Dramen und Erzählungen; sie kennen jedoch keine chronologische Geschichtsschreibung – sie leben außerhalb dessen, was wir »Geschichte« nennen. Ihre Kultur ist nicht auf Ewigkeit, sondern auf Dauerhaftigkeit ausgerichtet. Sie bauen keine Paläste und Monumente aus Stein – sie bauen Häuser aus Holz und Lehm. Sie pflegnutzen die Lebensquellen, die ihr Tal hervorbringt, ohne sie zu übernutzen.
Die Kesh eignen sich ihrem Lebensraum auf eine Weise zu, die der neuseeländische Psychologe Mason Durie als Kennzeichen von Indigenität beschrieb: Sie stehen in einer dauerhaften Beziehung zu dem Land, von dem sie leben, und sind grundsätzlich nicht von diesem unterschieden. Sie feiern sieben große, an Sonne und Mond ausgerichtete Jahreskreisfeste oder Tänze (wakwaha), sie betreiben Kunsthandwerk, spielen Theater, hüten Bibliotheken, pflanzen und keltern Wein, treiben Handel mit benachbarten Völkern, unterhalten eine hölzerne Schmalspurbahn und nutzen ein ausgefeiltes interplanetares System der Informationsvermittlung. – Augenblick mal! Wo sind wir hier? Und vor ­allem: Wann sind wir hier?
 

Zyklische Zeit
Die Gegenwartsform, in der hier erzählt wurde, ist das ethnologische Präsens einer weit entfernten Zukunft: Die Kesh stehen im Zentrum des fiktiven ethnologischen Berichts »Always ­Coming Home« der nordamerikanischen Autorin Ursula K. Le Guin (­1929­–­2018). »Die Leute in diesem Buch«, stellt sie diesem voran, »mögen in einer weit entfernten Zukunft im nördlichen Kalifornien gelebt haben werden.« – »Aha, Science-Fiction«, mag da der erste Gedanke sein. – Nein, nicht ganz. Die Zukunft ist zwar die Folie, vor der Le Guin ihren epischen Weltenbau betreibt, dabei schöpft sie jedoch aus der Tiefe menschlicher Kulturgeschichte ebenso wie aus dem ungeschöpften Potenzial menschlicher Möglichkeiten und vermählt darin die ferne Vergangenheit mit der fernen Zukunft in diesem einen Augenblick: jetzt.
Gleich zu Beginn gibt die Autorin unmissverständlich zu verstehen, dass wir die lineare Zeit verlassen: Die unschwer als Le Guins Alter ego zu erkennende Ethnologin Pandora macht sich auf, die Kesh zu erforschen. Sie betreibe eine »Archäologie der Zukunft«, weshalb es legitim sei, dass sie dabei mit dem »inneren Auge« schaue. »Wenn ich lausche, werde ich dann mit dem inneren Ohr Stimmen hören?«, fragt sie sich. »Hast du, Schliemann, in den Straßen Trojas Stimmen gehört? Falls ja, warst du genauso verrückt wie ich. […] Wer ist weiter von uns entfernt, wer schwerer zu fassen, wer stummer – die Toten oder die Ungeborenen?«

Ich habe Ursula K. Le Guin vor zwei Jahren aufgrund einer Namensverwechslung für mich entdeckt. Als mir dämmerte, mit wem ich es da wirklich zu tun hatte, empfand ich Ehrfurcht vor dem Werk dieser Frau: einer anarchistisch-anthropologisch-daoistisch feministisch geprägten Autorin, die mit allen literarischen Wassern gewaschen war und mit spielerischer Leichtigkeit Welten erschuf, die nicht einfach so ausgedacht waren, sondern in einem anthropologischen, menschheitsgeschichtlichen Sinn wahr.
Zum Einstieg las ich ihren 1982 verfassten Essay »A Non-­Euclidian View of California as a Cold Place to Be« (Eine nicht-euklidische Sicht auf Kalifornien als kalter Ort in spe), dessen seltsam rätselhafter Titel mich in seinen Bann zog. In dem Text erkundete Le Guin das Wesen der Utopie:
»Auf die eine oder andere Weise ist jede Utopie seit Platon ein großer Yang-lastiger Motorradtrip. Leuchtend hell, trocken, klar, stark, gefestigt, aktiv, aggressiv, linear, progressiv, kreativ, expandierend, vorwärtsstrebend – und heiß. […] Was wäre eine Yin-Utopie? Sie wäre dunkel, feucht, verschleiert, schwach, nachgiebig, passiv, partizipativ, rund, zyklisch, friedfertig, hegend und pflegend, kontraktiv, zurückweichend – und kalt.«
Le Guin bezieht sich in ihrem Essay auf die Unterscheidung des französischen Anthropologen Claude Lévi-Strauss zwischen (durch permanenten Innovations- und Wachstumsdruck getriebenen) »heißen« und (dynamische Gleichgewichte und Traditionen bewahrenden) »kalten« Gesellschaften. Von dort führte mich ein direkter Weg zu ihrem 1985 erschienenen Meisterwerk »Always Coming Home«, war dieses doch ihr literarischer Feldversuch einer ebensolchen kalten – oder vielleicht besser: abkühlenden – Utopie.
In ihrem Essay und ihrer Yin-Utopie widmete sich Le Guin ebenjenen Fragen eines guten Lebens im umfassenden Sinn, die seit jeher auch in Oya erforscht werden und die ich selbst zuletzt anhand der Begriffe »eigen, hiesig und gemein« zu erkunden versucht habe (siehe Ausgabe 48). Im Handumdrehen hatte ich die Autorin und ihr Werk derart in meine mentalen Infrastrukturen integriert, dass es sich anfühlte, als hätte ich eine Clan-Älteste verloren, als sie im Januar 2018 mit 88 Jahren verstarb.

Eine abkühlende Utopie
Zurück zu den Kesh: Das Besondere an diesen Indigenen der Zukunft ist, dass sie keineswegs, wie man zunächst meinen könnte, »in der Steinzeit« leben. Ihrem kollektiven Gedächtnis ist die – im Buch nur angedeutete – Nachwirkung eines globalen Kollapses eingeschrieben. Unsere für sie in ferner Vergangenheit liegende Gegenwart nennen sie »Als sie außerhalb der Welt lebten« (tavkach); der Begriff ist gleichbedeutend mit dem, was wir gegenwärtig als »Zivilisation«, »Anthropozän« oder »Historie« bezeichnen. Die Kesh hingegen erfahren sich als nicht getrennt von der Welt. Sie leben nicht in einer Um-Welt, sondern sind Teil einer In-Welt, eines Weltinnenraums aus gleichwürdigen Wesen, in dem nichts unbelebt ist.
Technik verwenden sie, wo sie ihnen nützlich ist – vom Rad über landwirtschaftliche Geräte oder die hölzerne Schmalspurbahn des Tals bis zur »City of Mind« (yaivkach) – dem gigantischen, die Erde und andere Planeten umspannenden Informationsnetzwerk, das von bewussten Maschinenwesen völlig selbsttätig und selbsterhaltend betrieben wird. Ziel dieses digitalen Archivs ist es, das Universum in einem mentalen Modell vollumfänglich abzubilden und den Menschen die darin gespeicherte Information frei zur Verfügung zu stellen: vom Wetterbericht über Konstruktionspläne bis hin zur Evolutionsbiologie. In Claude Lévi-Strauss’ Terminologie sind die Kesh eine kalte Gesellschaft, die sich punktuell und sehr bedacht heißer Kulturtechniken bedient, während sie diese aus anderen Bereichen bewusst fernhält.
Eine Reihe von Trennungen, auf denen unsere gegenwärtigen überhitzten Gesellschaften basieren, sind den Kesh unbekannt. So gibt es bei ihnen keine scharfe Unterscheidung zwischen Zeit und Raum. Zeit wird nicht als etwas linear Verstreichendes, sondern als etwas zyklisch Kreisendes erfahren, nicht als Gerade, sondern als Landschaft, in der mensch sich vor- und zurückbewegen kann. Ethnologin Pandora ist sich nie ganz sicher, ob ihre Gegenüber gerade von einer »Ära« oder einem »Areal« sprechen.
Die Sprache der Kesh birgt kein Wort für »Natur«. Am nächsten kommt diesem der Begriff she, der »Person(en), Leute, Wesen, Selbst, eine Person sein, existieren« bedeutet. Diese »Leute« umfassen freilich nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, Pflanzen, Träume, Steine, Bakterien etc. Wer das eigene Natursein als selbstverständlich empfindet, braucht Natur, Kultur und Existenz nicht als abgetrennte begriffliche Kategorien auszuweisen und braucht auch keine kategorielle Mauer zwischen menschlichen und anderen Wesen zu errichten.
Als Pandora die Bibliothekarin und den Archivar befragt, seit wann in dem Tal Leute lebten, erhält sie »schon immer« zur Antwort bzw. Auskünfte über Einzeller, Cyanobakterien und Urmeere. Als sie ihre Frage auf »menschliche Leute« präzisiert, erntet sie verwunderte Blicke ob solchen Detailinteresses. Schließlich wird sie an Großmutter Red Plum verwiesen, die ihr den Schöpfungsmythos von der Kojotin erzählt. Zweifelsohne hätte sie ein Dorf weiter eine andere Weltentstehungsgeschichte zu hören bekommen, kommentiert Pandora die spielerisch undogmatischen Weltbilder der Kesh.

Heimkommen
Ursula K. Le Guin kannte die Hügelketten, die Talhänge und die mit wildem Hafer bestandenen Wiesen ihres fiktiven Berichts in- und auswendig. Sie beschrieb darin weniger eine »Utopie« (wörtlich: Nicht-Ort), wie visionäre Gesellschaftsentwürfe seit Thomas Morus genannt werden, als vielmehr eine »Topie«, wie Fabian Scheidler konkrete Orte des guten Lebens nennt – kein Nirgend­wo und auch kein Irgendwo, sondern einen durch und durch benannten, bekannten und erkannten Ort.
Die Sommer ihrer Kindheit verbrachte Le Guin auf dem Fami­lienanwesen »Kishamish’s Place«, kurz: »Kish« – wovon sich, unschwer zu erkennen, auch der Name der Kesh ableitet –, oberhalb der Kleinstadt St. Helena im Napa Valley. Ihr Vater, der Anthro­pologe Alfred Kroeber (1876–1960), hatte dort einen Treffpunkt für Wissenschaftler, Literatinnen und Studierende, für Nachfahren von europäischen Einwanderern und Native Americans gleichermaßen geschaffen. Le Guin schrieb »Always Coming Home« größtenteils dort. »Mein Buch handelt teils davon«, erzählte sie einmal, »wie ich das Napa Valley als Kind erlebte, und teils davon, wie das Tal sein könnte, wenn wir Menschen uns dort endlich wirklich beheimaten würden, anstatt es ­agrarindustriell auszubeuten«. Derzeit zählt das Napa Valley zu den weltweit renom­miertesten Weinbaugebieten.
Der Verlag wies Le Guins abkühlende Utopie aus Vermarktungsgründen als »Roman« aus, es ist jedoch tatsächlich eine wilde, bibliophile, vielgestaltige Sammlung an (fiktiven) ethnologischen Fakten, Erzählungen, Gebräuchen, Tänzen, notierten Liedern, Landkarten, Zeichnungen von Alltagsgegenständen, Gedichten, Heilzeremonien, Geburts- und Sterberiten, Kochrezepten und vielem mehr. Was einer Romanhandlung am nächsten kommt, ist die in drei Stränge unterteilte Lebenserzählung einer Greisin, die sich als Stone Telling vorstellt. Die Tochter einer Kesh und eines Kriegers vom benachbarten Volk des Condors entschließt sich als junge Frau, mit ihrem Vater nach Sai, in die Stadt des Condors zu ziehen. Anhand dieser kriegerischen, patriarchalen, hierarchischen, monotheistischen Gesellschaft lernt sie – und lernen wir Lesende –, die friedvolle, matrilineare, egalitäre, animistische Lebensweise der Kesh besser zu verstehen. Schließlich kann sie aus der von Kampf, Gewalt, Konkurrenz und Angst beherrschten Stadt fliehen und mit nicht viel mehr als dem nackten Leben, ihrer Tochter im Säuglingsalter und einer Vertrauten nach Hause zurückkehren. Den Schlusszeilen aus dem Initiationssong der »Finders Lodge« (Gesellschaft der Finderinnen und Kundschafter) folgend, dem auch der Titel des Buchs entlehnt ist, ändert sie ihren Namen in Woman Coming Home: »Return with us, return to us, be always coming home« – »Kehre heim, kehre ein, sei immer auf dem Heimweg.«

Zueignungsgesellschaft
Die egalitäre Gesellschaftsordnung der Kesh spiegelt sich auch in ihrer Wirtschaft wider: Denen, die Marcel Mauss’ »Die Gabe«, Lewis Hydes gleichnamiges Buch oder die Arbeiten zur Gaben­theorie von Heide Göttner-Abendroth, Veronika Bennholdt-Thomsen oder Genevieve Vaughan gelesen haben, wird die Wirtschaftsweise der Kesh bekannt vorkommen. Sie weist starke Züge einer Gaben- und Commons-basierten Ökonomie auf: »Was Wohlstand begründete, waren nicht Besitztümer, sondern ein Akt: der Akt des Gebens.« In einer solchen Gesellschaft geht es nicht um Besitz und Eigentum, sondern um Austausch und Zueignung: »Was ein Mensch im Tal machte, was ihm zufiel, was er besaß, das gehörte zu ihm; jedoch war dieser wiederum seinem Haus, seinem Haushalt, seinem Dorf und seinen Leuten zugeeignet.« – »Dichter besaßen zwar die Gedichte, die sie geschrieben hatten, ein Gedicht kam jedoch erst dann wirklich in die Existenz, wenn es verschenkt, geteilt, vorgetragen wurde. […] Besitzen und Schenken bildeten für die Kesh in Hinblick auf jegliches Gut eine Einheit.«
Um einige der in dem Buch versammelten Gedichte und Lieder in der Originalsprache vertonen zu können, entwickelte Le Guin, wie auch schon J. R. R. Tolkien vor ihr, eine Sprache mit eigener Grammatik für ihr fiktives Volk – und, man höre und staune, in dieser gibt es das Wort óya! Es bedeutet »Anmut, Wohlsein« und kommt dem am nächsten, was unser Begriff »Gesundheit« bezeichnet. Die soeben in der Library of America erschienene erweiterte Ausgabe enthält übrigens neben erhellenden Informationen zur Entstehungsgeschichte die vollständige Grammatik der Kesh. Mit Hilfe des Komponisten und Musik­instrumentenbauers Todd Barton hatte Le Guin dreizehn Lieder und Gedichte der Kesh aufgenommen, die der Erstauflage des Buchs als Musikkassette beigegeben waren. Inzwischen sind sie als eigenständiges Album verlegt.
»Always Comig Home« ist ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht. Selten wurde eine fiktive Welt so konsequent, so detailreich, so wahr erdacht – mir ist zumindest kein literarisches Werk untergekommen, das ein glaubhafteres, warmherzigeres und aufrichtigeres Bild einer Post-Kollaps-Gesellschaft des guten Lebens zeichnen würde, ohne Widersprüche auszusparen. Wie in den vielfältigen Gedichten, Liedern und Geschichten deutlich wird, kennt das Alltagsleben der Kesh durchaus Streit, Krankheit, Verwirrung und Leid – doch die Strukturen ihrer Gesellschaft integrieren diese Aspekte des Menschseins, ohne sie zu fördern. Ob man nun das Szenario der im Hintergrund selbsttätig agierenden Maschinenwesen für wünschenswert oder gar realistisch halten mag, ist nebensächlich; entscheidend ist, dass die Lebensweise der Kesh auf eine Weise verbunden und bewusst ist, dass – anders als in unserer überhitzten Gesellschaft – selbst ein totaler technischer Kollaps diese nicht nachhaltig erschüttern könnte.
Ein großes Werk wie dieses für eskapistisch (wirklichkeitsflüchtend) zu halten, wie es weite Teile der Literaturkritik tun, sobald etwas im Verdacht steht, fantastische Literatur zu sein, wäre ignorant und grundverkehrt. Diese Vision einer abgekühlten Gesellschaft erweitert unseren Wirklichkeitssinn dahingehend, als sie die Antriebskraft jeglicher gesellschaftlichen Utopie überzeugend denk- und fühlbar macht: »Es muss nicht so sein, wie es ist«, so der Titel eines Essays von Ursula K. Le Guin, oder: »Alles könnte anders sein«, wie das aktuelle Buch von Harald Welzer heißt. Einmal hielt Le Guin solcher Kritik entgegen, Literatur, die unseren Sinn für das Mögliche erweitert, sei nicht weltflüchtig – eskapistisch sei vielmehr jene, die uns gefälschten, abgeschmackten Realismus unterjubeln wolle: »Der Gipfel eskapistischer Literatur ist jenes Meisterwerk der Unwirklichkeit: Der tägliche Börsen­bericht.« – Nichts ist alternativlos, (fast) alles könnte anders sein.



Mehr zu abkühlender Utopie
Im Herbst 2019 erscheint bei thinkOya Ursula K. Le Guins Essayband »Das Denken dekolonisieren«, das den zitierten Aufsatz »Eine nicht-euklidische Sicht auf Kalifornien als kalter Ort in spe« enthält.

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