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Radikale Alternativen (Buchbesprechung)

von Elisabeth Voß , erschienen in 51/2018

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Die beiden Autoren von »Radikale Alternativen« nähern sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln gemeinsam der Frage an, wie eine emanzipatorische Gesellschaft entstehen und wie sie gestaltet sein könnte. Alberto Acosta und Ulrich Brand sind sich darin einig, dass der Kapitalismus keine Perspektiven für die Menschheit bietet ­und dass eine sozial-ökologische Transformation notwendig ist.
Alberto Acosta war Minister für Energie und Bergbau in Ecuador und wesentlich daran beteiligt, das »Buen Vivir« in die Verfassung des Landes zu integrieren. Damit ist nicht das konsumistische gute Leben vieler Menschen in den industrialisierten Ländern gemeint, sondern Buen Vivir orientiert sich an gemeinschaftlichen, indigenen Lebensweisen im Einklang mit der Natur.
Ulrich Brand veröffentlichte 2017 gemeinsam mit Markus Wissen das Buch »­Imperiale Lebensweise – Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus« (Rezension in der vorigen Oya-Ausgabe). Sowohl Brand als auch Acosta sind als Universitätsprofessoren tätig.
Der europäische Ansatz des Degrowth und die lateinamerikanische Perspektive des Postextraktivismus werden als zwei Seiten einer Medaille dargestellt. Der Wohlstand in Europa beruhe wesentlich auf der Ausbeutung der Rohstoffe im globalen Süden. In Lateinamerika haben oft auch progressive Regierungen die Ausbeutung der Naturschätze vorangetrieben. Es wäre jedoch zu einfach, aus Degrowth- oder Postwachstums-Sicht einfach nur ein »Weniger von allem« anzustreben.
Neokolonialer Ressourcenraub und soziale Herrschaftsverhältnisse seien eng verwoben, daher könne eine zukunftsfähige Wirtschaft nicht einfach schrumpfen, sondern müsse eine andere Wirtschaft sein, die auch in den Blick nimmt, dass viele Menschen an Armut und realem Mangel leiden. Die Autoren weisen auf den engen Zusammenhang von Extraktivismus, Energiegewinnung und Technikentwicklung hin. Sie lehnen den technischen Fortschritt nicht ab, jedoch müsse berücksichtigt werden, »dass jeder Technik eine soziale Form« eingeschrieben sei. Statt Menschen nur noch als Anhängsel von Technik zu betrachten, komme es darauf an, »die Bedingungen ihrer sozialen Produktion zu ändern«.
Einer »grünen« Wirtschaft, die den Kapitalismus lediglich verbessern und ihn ein bisschen weniger zerstörerisch machen möchte, erteilen die Autoren eine klare Absage. Eine stärkere Regionalisierung der Wirtschaft könne stattdessen an indigene Erfahrungen anknüpfen und einen anderen, schonenderen Umgang mit natürlichen Ressourcen entwickeln.
Acosta und Brand sehen die Richtung der notwendigen Transformation in der radikalen Abkehr vom Dogma des Wirtschaftswachstums, das eng mit patriarchaler Naturbeherrschung verbunden ist, hin zu einer »nichtausbeuterischen, solidarischen und ökologisch wirklich nachhaltigen Produktions- und Lebensweise«. Dazu gehöre auch eine klare Positionierung gegen soziale und rassistische Ausgrenzungen.
Im letzten Kapitel »Auswege aus dem kapitalistischen Labyrinth?« sprechen sie sich für einen gemeinsamen Dialog der beiden Denk- und Bewegungsrichtungen Degrowth und Postextraktivismus aus, bis hin zur Überlegung, diese sperrigen Begriffe fallenzulassen und beispielsweise besser vom guten und solidarischen Leben und von einem erfüllten Leben »voller Freiheit und Glück« zu sprechen. In einem schnellen Ritt sprechen sie wesentliche strategische Aspekte an und sparen auch die Frage nach der Macht nicht aus. Sie stellen fest, dass beide Perspektiven ein kritischeres Konzept von Staat und Politik bräuchten und gleichzeitig eine »utopische Dimension« notwendig sei. Themen wie Fleischkonsum, Automobilität und Müll werden kurz angerissen.
»Radikale Alternativen« ist ein nachdenkliches und nachdenklich machendes Buch, das allen ans Herz gelegt sei, die über Strategien für emanzipatorische Weltveränderungen nachdenken. Auch wenn öfter von »wir müssen« die Rede ist, enthält das Buch erfreulicherweise keine Rezepte, sondern gibt Denkanstöße und wirft Fragen auf.
 

Radikale Alternativen
Warum man den Kapitalismus nur mit vereinten Kräften überwinden kann.
Alberto Acosta, Ulrich Brand
oekom, 2018
192 Seiten
ISBN 978-3962380144
16,00 Euro

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