Oya braucht Mithilfe!

Alle Artikel der gedruckten Oya-Ausgaben sind auf dieser Website kostenlos zu lesen. Dahinter steckt viel Arbeit. Bitte helfen Sie mit, dass wir alle Texte weiterhin frei zur Verfügung stellen können:

• Nein, danke

• Ja, ich unterstütze Oya

Bitte wählen Sie hier den Betrag, mit dem Sie Oya unterstützen möchten:



Falls Sie kein PayPal-Konto haben, können Sie natürlich
auch direkt unsere Bankverbindung verwenden:

IBAN: DE96 4306 0967 1112 9897 00 • BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Oya-Online Beitrag

Für eine ontologische Wende

von Silke Helfrich , erschienen in 47/2018

Bild

© Foto: Boris Goldammer

»Praktiken sind ohne die darunterliegende Weltsicht leblos«, schreibt Fréderic Laloux. Und doch machen wir uns diese Weltsicht oft nicht bewusst. Wir nehmen sie hin, wie wir hinnehmen, dass die Erde uns trägt, wenn wir einen Fuß vor die Tür setzen. Nun, wahrscheinlich würden wir verrückt, wenn wir täglich den Grund hinterfragten, auf dem wir stehen: unser ganz grund-legendes Weltverständnis. Unsere Art, über das Sein, das Menschsein, das Welt-Sein zu denken. Die Philosophinnen nennen das »Ontologie«. Doch genau das ist nötig: von Grund auf ver-rückt zu werden, indem wir die Grundlagen, aus denen wir Praktiken ableiten, im Wortsinn ver-rücken. Sonst wird das nichts mit einer enkeltauglichen Politik. Denn auch diese ist nur eine Praxis und »ohne die darunterliegende Weltsicht leblos«. Die Weltsicht erst haucht ihr das Leben ein, welches wiederum Leben vertiefen oder Leiden hervorbringen kann.
Ein Beispiel: Wenn ich davon ausgehe, dass die Menschen »individuelle Nutzenmaximierer« sind, anstatt zu begreifen, dass sie das unter bestimmten Bedingungen erst werden – kann ich ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht einmal denken. Gehe ich hingegen davon aus, dass alle Menschen ein schöpferisches Potenzial und ein reales Bedürfnis haben, teilzuhaben und aktiv tätig zu sein, dann ist bedingungsloses Grundeinkommen ein Mittel der Wahl.
Peter Drucker sagte: »Die größte Gefahr in turbulenten Zeiten ist nicht die Turbulenz selbst – sie besteht vielmehr darin, nach der Logik von gestern zu handeln.« Die größte Gefahr in Zeiten gesellschaftlicher Verwerfungen besteht darin, den Dingen nicht auf den Grund zu gehen. Das heißt: Eine Politik für mehr Lebendigkeit ist mit einer statischen, individualistischen und undifferenzierten Ontologie nicht zu machen. Wir brauchen eine ontologische Wende, einen »Ontoshift«. Alles andere ist unpraktisch.


Silke Helfrich
ist seit den Anfängen durch das Forschungsfeld Commons mit Oya verbunden: »Wovon wir alle leben« in Ausgabe 1, »Commons fallen nicht vom Himmel« in Ausgabe 20, ­»Kapitel 8« in Ausgabe 40.

Zurück zur Startseite

Hintergrundinfos zu Oya auf Facebook

Oya gemeinsam ermöglichen!