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Willkommen in Neu-Commons!

Eine Geschichte über Türen, die sich öffnen, Wellen, die ­überschwappen, und einen kleinen Baggersee.

von Jascha Rohr , erschienen in 31/2015

Bild

© Foto: Stephan Baumgarten | www.rastafisch.de

Neu-Commons ist eine Gemeinde ­irgendwo zwischen Deutschland und Märchenland. Man kann Neu-Commons überall finden. Der Ort ist weder besonders noch besser als andere, sondern normaler Durchschnitt, ein Klischee. Märchenhaft ist er nur dadurch, dass alles ein wenig überzeichnet und vereinfacht ist. Deswegen ist Neu-Commons aber auch besonders aufschlussreich. Neu-Commons ist wahrscheinlich ein kleiner Stadtteil am Rand einer Großstadt und war mal ein Dorf. Es könnte aber auch ein Dorf weit draußen auf dem Land oder ein Kiez in einer Großstadt sein. Ähnlichkeiten mit Personen und Orten sind überhaupt nicht zufällig, aber in keiner Weise mit ­irgendeiner real existierenden Person oder Begebenheit deckungsgleich.
In dieser Geschichte spielst du eine Schlüsselrolle. Wie du nach Neu-Commons gekommen bist? Ich habe keine Ahnung! Vielleicht wohnst du schon lange dort, und die Sache mit dem Baggersee rüttelt dich gehörig auf. Vielleicht bist du gerade zugezogen, und weil du viel Erfahrung mit Moderation hast und kürzlich in der Kneipe davon erzähltest, wurdest ausgerechnet du gefragt. Vielleicht waren es auch Freunde aus Neu-Commons, die dich um Unterstützung gebeten haben. Wie auch immer: Neu-Commons hat sich auf den Weg gemacht, sich zu verändern, und du bist dabei. Politik, Verwaltung und die Bürgerinnen und Bürger haben sich in ein Abenteuer gestürzt, von dem sie nicht wissen, wohin es sie führen wird, und du hast das Gefühl, du könntest dazu beitragen, dass alles ein gutes Ende findet.
Zu Neu-Commons gehören mittlerweile vier Ortsteile, die früher mal alle ihren eigenen Bürgermeister hatten. Heute gibt es dagegen nur noch einen Bürgermeister. Die Ortsteile von Neu-Commons sind sehr unterschiedlich, und man pflegt gegenseitige Vorurteile in aller Freund- und Feindschaft. Die einen sind verschlossen, die anderen reich. Hier wohnen die ­Bauern, dort die Akademiker. Hier sind die Feste besonders feucht, und dort ist alles immer so schön ordentlich. Die einen sprechen sogar ein bisschen anders, und zwischen zwei Ortsteilen fließt ein Fluss hindurch. Früher heiratete man nicht über den Fluss.
Wisse: Durch Gebietsreformen und die Zusammenlegung von Verwaltungsstrukturen sind mittlerweile überall Kommunen entstanden, die einen größeren Bereich umfassen, als er für die meisten Menschen im Alltag relevant ist. Eine Identifikation findet aber weiterhin mit dem direkten Wohnumfeld statt: dem Kiez oder dem Dorf, in dem die Menschen einkaufen, zur Schule gehen, ihre Vereine haben – mit der »lokalen Einheit«. Bürgerschaft­liches Engagement funktioniert am besten auf der Ebene dieser lokalen Umfelder. Unabhängig davon, ob es um eine Parkgestaltung, die Gründung eines Waldkindergartens, eine Energiegenossenschaft oder einen Gemeinschaftsgarten geht: Die Basis für Projekte dieser Art sind Alltagsrelevanz, Beziehung und Identität. Die meisten Verwaltungsstrukturen haben heute aber größere Zusammenhänge im Blick, und allein das ist häufig schon ein Problem für die Zusammenarbeit zwischen engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Verwaltung und Politik.

Verschachtelte Gesellschaft
Die Bürger von Neu-Commons kennen ihre Verwaltung eigentlich nur aus dem Bürgerbüro, wo sie zum Beispiel Fragen zur Müllabholung stellen, Anträge zum Bau von Gartenhäuschen abgeben oder Bußgelder bezahlen. Sie erleben ihre Verwaltung häufig als kompliziert, unverständlich und langsam. Dort wiederum sitzen Mitarbeiter, die fachlich sehr versiert und engagiert sind und gewissenhaft nach den gesetzlichen Vorgaben ihre Arbeit machen. Sie fühlen sich oft unverstanden. Denn vieles von dem, was sie tun, wird kaum wahrgenommen – vor allem, wenn es gut funktioniert. Wenn aber etwas schiefgeht, gibt es Ärger. So wie jetzt:
Ein Investor möchte direkt auf dem abgesperrten Gelände des Baggersees, dort, wo früher die kleine Fabrik stand, einen neuen Discounter bauen. Ausgerechnet hier! Wo die Leute aus Neu-Commons seit Jahren heimlich schwimmen und den Sommer genießen! Die Wellen der Empörung schlagen hoch, es gründet sich eine Bürgerinitiative. Davon ist die Politik reichlich irritiert. Hatten die Bürger nicht immer bessere Einkaufsmöglichkeiten vor Ort gefordert? Die Politik möchte Ergebnisse, die Verwaltung hat alles im Rahmen der Vorschriften korrekt bearbeitet – und nun stellen sich ausgerechnet die quer, für die man den ganzen Aufwand betrieben hat! Der Investor, Herr Bonzko, ist ebenfalls entrüstet. Er empfindet die Bürgerinnen und Bürger als undankbar. Schließlich ist das Vorhaben nicht ohne finanzielles Risiko, und schon lange hat niemand mehr die Bereitschaft gezeigt, Geld in Neu-Commons zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen.
Obacht: Durch die arbeitsteilige Organisation unserer Gesellschaft haben sich gesellschaftliche »Schachteln« entwickelt, die jeweils ihr eigenes Innenleben, ihre eigene Logik haben, zum Beispiel Bürgerschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft. In jeder Schachtel finden sich die Menschen, die eine besondere Affinität zur Logik ihrer Schachtel haben, wodurch sich die inneren Muster immer wieder reproduzieren. Übergreifende Zusammenarbeit wird in der Regel so organisiert, dass man versucht, Schnittstellen zu definieren, an denen das Problem von einer Schachtel zur anderen weitergereicht wird. Das funktioniert zwar irgendwie, aber zufriedenstellend ist das meist nicht. Für wirklich neue Lösungen muss es gelingen, dass diese Schachteln sich öffnen und sich produktiv zueinander in Beziehung setzen. Zum Glück gibt es in allen Bereichen immer mehr Menschen, die genau das versuchen. Diese Menschen sind deine besten Verbündeten für echten Wandel und ­gutes Gelingen.

Kleider machen Leute
Äußeres Erscheinungbild und Verhalten prägen den ersten Eindruck. Das ist in Neu-Commons nicht anders. Stereotypen haben sich in unser aller Köpfen festgesetzt. Kein Problem, wenn man sich dessen bewusst ist. Als du Bürgermeister Peter Packtsan zum ersten Mal begegnest, spricht er gerade am Telefon mit einem Vertreter der Bürgerinitiative. Du hast dich in Schale geworfen: ­locker, aber korrekt, nicht zu kreativ, nicht zu steif.
»Schön, dass Sie da sind! Ich hatte gerade diese Leute von der Bürgerinitiative in der Leitung. Das ist ein heilloses Chaos, nur grüne Ideologie und verrückte Ideen. Aber Sie kennen das ja sicher­lich«, begrüßt er dich. Du musst innerlich schmunzeln. Hast du nicht selbst schon so manche Initiative unterstützt und sogar schon selbst gegründet? Aber dein innerer Weltverbesserer bleibt erst einmal unentdeckt. Seine Zeit kommt später. Du machst einen anderen Eindruck auf Herrn Packtsan, und der ist nicht gespielt. Denn genauso wichtig wie der kreative Weltverbesserer ist dir die verbindliche, strukturierte und niemanden vor den Kopf stoßende Diplomatin und Projektpartnerin.
Tipp: Es hilft, wenn du nicht gleich aufgrund von Habitus und Aussehen in ein Lager gesteckt wirst. Das schafft Vertrauen nach allen Seiten hin, und Vertrauen ist dein stärkster Verbündeter. Dazu gehört es auch, Berührungsängste und Hemmschwellen in alle Richtungen abzubauen und einen Raum der Sicherheit zu schaffen, in dem sich alle Beteiligten ihren Bedürfnissen, Träumen und Utopien nähern können. Höflich, freundlich, gepflegt, respektvoll und verbindlich – darauf lässt sich bauen!

Gibt es »die Bösen«?
Herr Packtsan hat eine erste Bürgerversammlung einberufen, und vorerst bist du nur als Gast dabei. Der Saal füllt sich, gespannt auf die Podiumsdiskussion zwischen Investor Bonzko, Bürgermeister Packtsan, Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaftsförderung und vom Bauamt sowie aus der Bürgerinitiative und vom Naturschutzverein. Alle versuchen zwar, freundlich zu sein, aber insbesondere im Publikum sind die Fronten klar und gut verteilt. Das Skript für die Argumente kann sich jeder selbst schreiben, der bei so etwas schon mal dabei war. Die Meinungen sind vorhersehbar, und alle wissen von vornherein, dass das Problem im Grund nur beim jeweils anderen liegt. Herr Packtsan schafft es am Ende zum Glück, die Gemüter zu kühlen. Er verspricht, dass keine voreiligen Entscheidungen getroffen würden und beteuert, die Politik habe verstanden, dass es weiteren Gesprächsbedarf gebe. Er schlägt deshalb vor, die Frage nach dem Supermarkt und dem Baggersee gemeinsam zu beratschlagen, und stellt dich als eine unparteiische Begleitperson dieses Prozesses vor; du hättest dich bei eurem letzten Gespräch glücklicherweise für dieses Vorhaben gewinnen lassen.
Moral: Die Guten und die Bösen, die gibt es nur im Märchen. Fast alle Menschen möchten aus ihrer Sicht das Beste, aber nur wenige sind erfahrungsgemäß auch in Konflikten in der Lage, einen multiperspektivischen Blick einzunehmen und sich empathisch in die Gedanken anderer einzufühlen. Wer unter Druck steht oder Angst hat, entwickelt Ressentiments und Hass – und dann geht gar nichts mehr. Hilf, wo immer es möglich ist, Druck und Angst abzubauen! Es ist gut, wenn dir wirklich an einem für alle befriedigenden Ausgang gelegen ist, du nicht einer eigenen Ideologie nachzuhängst. Wenn du ergebnisoffen an den Prozess gehst und alle Beteiligten dir glauben, dass du keine eigene Agenda verfolgst, außer die beste Lösung zu finden, wird dir niemand schon bei der ersten Krise abspringen.

Missionieren bringt nichts
Du beginnst mit deiner Arbeit und schaffst es gemeinsam mit der Bürgerinitiative, der Verwaltung und der Politik eine engagierte und gar nicht mal kleine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern zusammenzubekommen. Kaum ist euer erstes Treffen anberaumt, melden sich die üblichen Stimmen aus dem Off: Das sind ja wieder nur die üblichen Verdächtigen! Das klappt doch nie! Das haben schon ganz andere versucht! Bei uns ändert sich doch nie was! Denen glaub ich erst, wenn ich was sehe! Die Politik spielt uns doch sowieso nur was vor! Die verfolgen doch alle ihre eigenen Interessen! Ich bin doch nicht blöd und opfere für sowas meine Zeit!
Du lässt dich nicht davon beeindrucken, sondern legst los. In mehreren Runden, die ihr »Werkstätten« nennt«, arbeiten alle gemeinsam an neuen Perspektiven und Lösungen für Nahversorgung und Baggersee.
Merke: Missionieren bringt nichts! Mit viel Energie lassen sich zwar Menschen begeistern und zum Mitmachen bewegen, aber das strapaziert auf Dauer massiv die eigenen Kräfte. Menschen, die schlechte Erfahrungen gemacht und den Mut verloren haben, gibt es überall. Davon darfst du dich nicht irritieren oder frustrieren lassen. Das beste Rezept ist, mit denen, die wollen, eine tolle gemeinsame Zeit zu verbringen und dabei beeindruckende Ergebnisse zu erarbeiten, die man später auch sehen oder anfassen kann. Dann interessieren sich nach und nach auch die »Unken« dafür.

Was geschieht hier bloß?
Der Baggersee von Neu-Commons war früher mal eine Allmende. Die Bauern teilten sich die mageren Wiesen als Weideland für ihre Tiere. Ein Pfad führte direkt über die Wiesen von dem kleinen Flecken Alt-Commons zur Waldsiedlung Holzhausen. Mit Beginn der Industrialisierung stellte man fest, dass der Grund aus hochwertigem Kies bestand. Ein Indus­trieller aus der Stadt machte der Gemeinde ein Angebot: Er wollte das Land kaufen und den Kies abbauen. Arbeitsplätze, Wirtschaftskraft und Anschluss an die Moderne waren das verlockende Versprechen, außerdem Geld für die Gemeindekasse. Also wurde die Allmende verkauft, die laut alten Urkunden offiziell der Gemeinde gehörte. Der Industrielle baute einen großen Zaun, errichtete Gebäude und begann, den Kies abzutragen. Wer von Alt-Commons nach Holzhausen wollte, musste nun auf der Teerstraße einen Umweg von 20 Minuten machen. Irgendwann entstand ein Baggersee, aber der Zaun blieb. Betreten und Schwimmen verboten!
Gemeinsam mit der Gruppe gräbst du tief in den Geschichten des Orts und seiner Bewohner auf der Suche nach prägenden Mustern. Das macht einige unruhig. Sie wollen die Probleme sofort lösen. Aber nur über die Historie kann die Gruppe verstehen, warum die Menschen an einem Ort so ticken, wie sie eben ticken, und was die tieferen Ursprünge von Verhaltensmustern, Streitigkeiten oder Blockaden sind. Es wird deutlich: Der erneute Verkauf des Geländes ruft traumatische Erinnerungen im kollektiven Dorfgedächtnis wach. Das Baden im Baggersee ist nicht nur ein unschuldiges Freizeitvergnügen, sondern immer auch ein unbewusster Akt des Widerstands gegen den Zaun und den Verlust der Allmende gewesen!
Bedenke: Jede Arbeit findet in einer Konstellation aus Menschen, ­Orten und Geschichte statt. Ein treffender Begriff für dieses Gesamtpaket ist »Feld«. In ihm widerspiegeln sich oft die Dynamik und die Rollenverteilung in der Arbeitsgruppe, die für diese Konstellation eine Lösung sucht. Wenn wirkliche Transformation stattfinden soll, kommen die Beteiligten nicht daran vorbei, genau damit zu arbeiten. Geschieht das, passiert gleichzeitig etwas Besonderes: Es entstehen relevante Lösungen für vorhandene Pro­bleme, die wirkliche und nachhaltig sinnvolle Veränderungen bringen. Nur so vermeidest du das berüchtigte Wunschkonzert der Bürgerbeteiligung, vor dem Politik und Verwaltung zu Recht Angst haben.

Die Welle reiten
Als du mit der Arbeit beginnst, erklärst du den Beteiligten, was auf sie zukommt. Dir ist bewusst, dass ein Gestaltungsprozess, bei dem man gemeinsam etwas Neues entwickeln möchte, immer auch ein Lern- und Veränderungsprozess ist, der unter die Haut geht. Du machst dich auf den Weg, erkundest mit der Gruppe das Feld, gehst in die Auseinandersetzung, lässt kreative Ideen sprudeln und gibst auch heißen Diskussionen Raum. Und dann geschieht das kleine Wunder: Nachdem die Gruppe sich mit dem Ort des Baggersees und seiner Historie auseinandergesetzt hat, steht ausgerechnet der Investor, Herr Bonzko, auf und sagt: »Ich begreife gerade, dass sich für die Bürger von Neu-Commons hier die Geschichte wiederholt. Ich möchte dazu beitragen, dass wir eine gemeinsame Lösung finden, die diese schlechten Erfahrungen durch eine neue, gute Erfahrung ersetzt. Davon haben Sie und auch ich am Ende mehr.«
Es ist, als ob ein Damm bricht. Eine Welle ergreift den Prozess und bricht sich mit aller Kraft Bahn. Jetzt kommt es darauf an, sie zu reiten. Plötzlich öffnet sich ein Raum für kreative Zukunfts­gedanken: Nahversorgung, Schwimmen, Gemeinschaft: eine neue Allmende? Die Gemeinde prüft, ob der See zum Schwimmen freigegeben werden kann. Die Bürgerinnen und Bürger realisieren, dass viel Geld nötig sein wird, um die Altlasten zu sanieren. Könnte der Investor dazu beitragen? Welche Rolle kann er spielen? Sie bitten Herrn Bonzko, über eine Art »Marktplatz« nachzudenken. Kann der Supermarkt in die alten Gebäude integriert werden und mit weiteren Angeboten für regionale Waren und kleine Dienstleistungsgeschäfte ergänzt werden? Der Investor prüft und rechnet. Die Gemeinde macht ihm ein gutes Angebot. Die Neu-Commoner gründen eine Bürgermarktgenossenschaft. Durch Verträge zwischen Gemeinde, Investor und Genossenschaft wird eine gemeinsame und öffentliche Nutzung des Geländes vereinbart.
Klingt seltsam, ist aber so: Wirklich begreifen, was in einem Beteiligungsprojekt geschieht, kann man erst, wenn man einmal am eigenen Leib einen gelungenen Prozess erlebt hat. Am Anfang eines Prozesses kann niemand wissen, was auf sie oder ihn zukommt. Wird aber dem natürlichen Lauf eines Prozesses genügend Raum gegeben, wissen alle, was zu tun ist und wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Dass ein solches Abenteuer gelingt, lässt sich in der Folge nicht nur an den Ergebnissen erkennen, sondern vor allem daran, dass gemeinsam etwas verändert wurde, das sich dabei selbst verändert hat.

Ab in die Umsetzung!
Klingt nach einem Märchen? Weit gefehlt! Ergebnisse dieser Art sind möglich, überall! Doch Verständnis füreinander und für das Notwendige zu entwickeln, ist das Eine. Gute, zukunftsweisende Ideen, die von allen getragen werden, zu entwerfen, das Nächste. All das bringt aber wenig, wenn es nicht zur Realisierung und Kultivierung kommt. Der Prozess ist mit den Ideen nicht abgeschlossen – ein langer Atem ist gefordert, auch in Neu-Commons. Praktische Fähigkeiten und Kompetenzen wollen zum Einsatz gebracht werden. Die Finanzierung muss her, Anträge müssen gestellt, Fördermittel eingeworben, Institutionen gegründet, Verträge geschrieben werden. Die Visionäre müssen jetzt Abstriche machen – wer gerne anpackt, blüht jetzt auf, weil es endlich konkret wird. Wenn die ersten Erfolge sichtbar, erlebbar, anfassbar sind und die Gruppe kontinuierlich weiter zusammenarbeitet und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lässt, dann ist ein erster – und vielleicht der entscheidende – Schritt für Neu-Commons gemacht. •


Jascha Rohr (38) studierte Philosophie und Soziologie. Er befasste sich viele Jahre intensiv mit Permakultur und der »Mustersprache« nach Christopher Alexander. Heute betreibt er mit Sonja Hörster das Institut für Partizipatives Gestalten. Er ist Initiator des Projekts »Bundeswerkstatt«.


Neu Commons-Prozesse in der Wirklichkeit:
Internet

www.partizipativ-gestalten.de
Literatur
Jascha Rohr: In unserer Macht. Aufbruch in die Kollaborative Demokratie. ­thinkOya, 2013

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