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Hoch-Kultur

Mit den Methoden der Permakultur lassen sich unterschiedlichste Orte nach den ­Bedürfnissen ­ihrer Bewohnerinnen und Bewohner gestalten. Dass dies auch für hohe Gebirgslagen gilt,
beweist das Projekt »Alpenblühen« auf der Schweibenalp in der Schweiz.

von Ulrike Meißner , erschienen in 20/2013

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© Foto: Nina Wöbekind

Vor gut 30 Jahren wurde auf der Schweibenalp im Kanton Bern bei Brienz ein Zentrum für interreligiöse Arbeit gegründet. Die hier aktiven Menschen wollten und wollen »das Gemeinsame im Respekt für das Verschiedene, Vielfältige feiern und austauschen«. Es sollte ein Ort entstehen, der eine Entwicklung hin zu etwas Neuem, »global Humanem« jenseits aller kulturellen und religiösen Schranken unterstützt. Mit der Entwicklung der Permakultur ist nun neben der kulturell und spirituell verbindenden Arbeit auch die Verbindung zur Natur ins Zentrum der Aktivitäten gelangt.

Seit seiner Gründung entwickelte sich auf der Schweibenalp ein Seminarzentrum und Ausbildungsort, der heute durch eine Gemeinschaft von rund 30 Menschen getragen wird. Zu ihr gehört auch die Landschaftsplanerin Nina Wöbbekind aus Berlin. Einst während eines Praktikums mit der Permakultur in Kontakt gekommen, beschäftigte sie sich später in ihrer Diplomarbeit damit und brachte die Idee, das Gelände permakulturell zu nutzen, zunächst als Urlauberin auf die Schweibenalp. Das war 2008.
Heute lebt sie in der Gemeinschaft und entwickelt mit einem festen Team aus zehn Menschen und mehreren Volontären die Flächen der Alp zum derzeit größten alpinen Permakulturprojekt in der Schweiz.

Modellprojekt für nachhaltige alpine Landwirtschaft
Für das 20 Hektar große Gelände erstellte sie gemeinsam mit dem Permakulturdesigner Markus Pölz eine Projektplanung, mit deren Umsetzung 2011 begonnen wurde. Das übergeordnete Ziel ist, ein Modellprojekt für die nachhaltige Land­bewirtschaftung in den Alpen zu schaffen. Auf der Schweibenalp dient die Ernte in erster Linie der Selbstversorgung. Sie wird in der Seminarhausküche verwendet, zu weiteren Produkten wie Tees, Salben und Kräu­tersalz verarbeitet oder auch in der Region verkauft. Es gibt bereits verschiedene Abnehmer, die an Gemüse, Kräutern und Setzlingen interessiert sind. Ein nahegelegenes Hotel konnte im letzten Jahr bereits mit Salat und zum Teil mit Gemüse beliefert werden.
Auf insgesamt sieben Hektar sollen neben Gemüse und Kräutern auch Kultur- und Wildobst sowie Pilze und Beeren wachsen. Eine besondere Herausforderung für den Nahrungsmittelanbau stellt die Lage in 1100 Höhenmetern dar. Die relativ kurze Vegetationszeit macht das Ausreifen vieler Früchte schwieriger. Hier helfen Gestaltungslösungen wie die Anlage von Hügelbeeten, Terrassen und Sonnenfallen.
Bei dem nordseitig gelegenen Grundstück muss die natürliche Ausrichtung der Flächen besonders beachtet werden. So eignet sich vor allem ein Plateau mit Südausrichtung für den intensiven Anbau von Gemüse, Kräutern und Obst. Es gibt auf der Alp auch Flächen mit Nordlage, wo im Winter die Sonne kaum und für einige Zeit gar nicht hinscheint. Hier entsteht eine essbare Landschaft in extensiver Bewirtschaftung mit Obstbäumen, Beerensträuchern, Bienenweiden, Wildkräutern und Wildgemüse. Mit Wegen, Plätzen und kleineren Retentionsbereichen durchzogen, wird der Nordhang von einer steilen Kuhweide in eine angenehm begehbare Permakulturlandschaft verwandelt, in der man gerne innehält, um den Blick auf das Bergpanorama gegenüber zu genießen. Hier dürfen auch die Gäste der Schweibenalp wandeln, riechen und probieren.

Schweine graben um, die Hühner heizen
Als Weidefläche verbleiben drei Hektar,  auf denen die Haltung von Schafen oder Ziegen vorgesehen ist. Sie werden in Erdställen unterstehen, ebenso wie die Schweine, die als grabende Mitarbeiter im Gelände dienen sollen. Außerdem wird in diesem Jahr ein Kombinationsbau von Gewächshaus und Hühnerstall, ein sogenanntes hühnerbeheiztes Gewächshaus, entstehen.
Das Gelände der Schweibenalp umfasst auch zehn Hektar Wald, dessen Bewirtschaftung in Zukunft die Biodiversität erhöhen und den Eigenbedarf an Bau- und Brennholz decken soll. Die Heizung im Seminar- wie auch im Wohnhaus der Gemeinschaft wird bereits zu einem Drittel mit Holz aus dem eigenen Wald befeuert.
Nachdem im ersten Schritt zur Permakultur bereits 2009 ein 200 Quadratmeter großer Gemüsegarten angelegt wurde, ist der weitere Aufbau der Gesamtanlage straff geplant. Neben Hügelbeeten zur Erweiterung des Gemüsegartens, einem Obstbaumhain und einem Wasserrückhalteraum in den ersten Kräuterterrassen kamen im vergangenen Jahr erste Teile der Baumschule für die Anzucht von Kräutern, Sträuchern und Bäumen sowie weitere Kräuterterrassen hinzu. Auch der Nordhang wurde bereits terrassiert.
Der Gemüsegarten wurde mit Hilfe verschiedener Elemente als eine große Sonnenfalle ausgebildet. Mit flacheren Beeten im Zentrum, dahinterliegenden Hügelbeeten und Obstbäumen sowie einer abschließenden Wildstrauchhecke werden die kalten, von Westen kommenden Wetterfronten abgemildert. Am Fuß des Gartens soll später noch ein großer Retentionsbereich entstehen. Die positiven Auswirkungen der Wasserfläche – erhöhte Luftfeuchtigkeit, Lichtreflexion, Wärmespeicherung und Tierartenvielfalt – kommen dann den Gemüsepflanzen zugute.
Auch die Besucherinnen des Gästehauses können die gepflanzten Veränderungen bereits spüren. Im Eingangsbereich finden sich entlang des Wegs neu angelegte Kräuterbeete und ein Insektenhotel. Die ganze Saison über empfängt eine duftende Blütenpracht sowohl menschliche Besucher als auch Insekten, und die Mitarbeiter der Seminarküche haben es nur ein paar Schritte weit, um Kräuter für die Küche zu ernten. Zum Konzept gehören außerdem zwei Solartrockner, die in diesem Jahr zum ersten Mal größere Mengen Kräuter von den Terrassen dörren sollen. Kräuter, die in Höhenlagen wachsen und die Höhensonne genießen können, bilden mehr ätherische Öle aus als an tieferen Standorten. Sie sind dadurch intensiver im Geschmack und kräftiger in ihrer Heilwirkung.
Auch in der kommenden Zeit steht auf der Schweibenalp noch viel Aufbauarbeit an. Das Erdgewächshaus soll fertiggestellt und ein Erdkeller gebaut werden. Wirtschaftswege sowie weitere Terrassierungen sind in Planung. Soweit wie möglich, wurden und werden die Aufbauarbeiten auch als Mitmach- und Anschauungsbeispiele bei Permakulturseminaren auf der Schweibenalp genutzt.
Die vergangenen vier Jahre haben bereits gezeigt, dass mit Hilfe geschickter Anlagen auch in der Höhenlage nahezu alles denkbare Gemüse wachsen kann: Tomaten, Auberginen und Paprika beispielsweise gedeihen im Folientunnel, Jungpflanzen werden im Frühbeetkasten vorgezogen, und große Steine helfen an und in den Kräuteranlagen, die Sonnenwärme möglichst lange zu speichern. Schwierig gestaltete sich bisher der Anbau von Möhren, weil der Boden noch sehr schwer und lehmig war; dafür wuchsen Pastinaken umso besser. Um zu testen, ob sich die Bodenstruktur durch Mulchen und Gründüngung schon verändert hat, werden aber auch in diesem Jahr wieder Möhren ausgesät.
Wenn es im Frühjahr zu feucht ist, bereitet der Nahrungskonkurrent Schnecke Probleme. Die Mulchdecke auf den Beeten wird dann reduziert, und über die gefährdeten Setzlinge wird jeweils eine PET-Flasche ohne Boden gestülpt, so dass sie geschützt vor Schneckenfraß und Schlechtwettereinflüssen wie in einem Minigewächshaus stehen. Außerdem werden die Schnecken abgesammelt – eine Arbeit, die in Zukunft Hühner mit übernehmen sollen.
Neben vielen Erfahrungen und dem Ernten von Lebensmitteln hatte die Permakultur auf der Schweibenalp auch soziale Auswirkungen. Beim gemeinsamen Tun kommen in der Projektgruppe natürlicherweise auch menschliche Themen zutage. Hier gibt ein wöchentliches Forum Raum für Klärung. Insgesamt, so stellt Nina Wöbbekind fest, hat das Permakulturprojekt die Menschen in der Gemeinschaft näher zusammengebracht. Das Interesse aneinander ist gewachsen. Mit einer kleinen Feier werden nun neu fertiggestellte Permakultur-Elemente eingeweiht. So kann die gemeinsame Freude am Projekt leben.•




Permakulturelle Alpenluft schnuppern?
www.alpine-permakultur.ch
www.schweibenalp.ch

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