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Nicht ohne meine Doula

Franziska Hoheisel macht einen vergessenen Beruf
wieder bekannt.

von Julia Vitalis , erschienen in 20/2013

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen wurden Frauen bei der Geburt von erfahrenen Müttern begleitet und unterstützt. Seit den 1970er Jahren erfährt der Beruf der Doula ein inter­nationales Comeback.

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© Foto: privat

Manche Leute haben es leicht – ihre Berufe sind bekannt, und sie können in Stellenbörsen nach einem Job suchen. Andere müssen auf Nachfrage erst erklären, worum es bei ihrer Tätigkeit geht. Die 30-jährige Franziska Hoheisel, die gerade ihre Ausbildung zur Doula abschließt, erlebt vor allem Interesse und Neugier, wenn sie davon erzählt, aber auch Verwirrung, weil der Unterschied zu einer Hebamme oft nicht klar ist: Einer Doula geht es eher um die emotionale Begleitung einer Schwangeren – darum, präsent zu sein, Ruhe zu vermitteln und so unterstützend zu wirken. Bei einer Hausgeburt steht sie der Hebamme und der Mutter zur Seite, in der Klinik ist die Doula eine vertraute und kontinuierliche Begleitung, beispielsweise, wenn die Hebamme Schichtwechsel hat.
Franziska ist gelernte Erzieherin. Schon in diesem Beruf konnte sie Kinder in ihrem Verhalten und in ihren Bedürfnissen oft besser verstehen, wenn Eltern von der Geburt und der Zeit davor berichteten. Den entscheidenden Impuls für die neue Berufswahl gaben andere Mütter im Geburtsvorbereitungskurs während ihrer ersten Schwangerschaft. Sie spürten, wie einfühlsam Franziska zuhörte und dass ihr Herz für eine solche Tätigkeit schlug. Als ihr Sohn Frédérick Lleonard tot zur Welt kam, verstärkte sich Franziskas Wunsch, andere Frauen zu begleiten. »Für mich war von Anfang an klar, dass ich beides zusammenbringen möchte, also Mütter während und nach einer Geburt mit dem Neugeborenen begleiten, aber auch bei ihnen sein, wenn das Kind nicht da ist.« Sie selbst hätte sich in dieser schweren Zeit viel mehr Unterstützung gewünscht.
Als Franziska die Ausbildung im Oktober 2011 in ihrem damaligen Wohnort Barcelona beginnt, ist sie wieder schwanger. Während der neun Ausbildungsmodule erfährt sie ganz praktisch den Unterschied zu ihrer ersten Schwangerschaft. Zum letzten Seminar bringt sie die neugeborene Alma Sophie mit. »Ich habe mich die ganze Zeit sicher gefühlt, weil ich wusste, dass richtig gute Frauen um mich herum sind. Die eigenen Ressourcen entdecken, sich mit anderen austauschen und zusammen wachsen – so ein Self-Empowerment von Frauen ist auch ein politisches Thema«. Im Einüben einer neutralen Haltung, um Frauen bei ihrer Entscheidung für den Geburtsort und in allen weiteren wichtigen Fragen zu unterstützen, sieht Franziska einen wichtigen Aspekt, der allein schon die Ausbildung rechtfertigt, denn »Doula« ist kein geschützter Begriff, und jede Frau kann diese Aufgabe übernehmen. Mitunter bringen jedoch nahestehende Personen, wie Mütter oder Freundinnen, ihre eigenen Gefühle und nicht ausreichend aufgearbeitete Erlebnisse zu stark in den Prozess ein.
Um dem Berufsstand zu mehr Bekanntheit und Ansehen zu verhelfen, versuchen die nationalen Berufsverbände und das European Doula Network seit längerem, einen allgemeinen Standard in der Ausbildung zu schaffen. Das ist gerade angesichts der Veränderungen im Gesundheitswesen wichtig, meint Franziska. Denn Frauen werden auch in Zukunft ein Bedürfnis nach individueller Begleitung haben, wenn Hebammen in Krankenhäusern für immer mehr bürokratische Arbeiten »zweckentfremdet« werden. Es ist außerdem wenig bekannt, dass der Verein »Doulas für Deutschland« es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen mit geringen finanziellen Möglichkeiten eine kostenlose Begleitung zu ermöglichen.
Die Berufsverbände der Hebammen sehen die Rolle der Doulas unterschiedlich. Manche fürchten Konkurrenz, andere stehen einer Kooperation positiv gegenüber. »Eine Doula wird die Hebamme nie ersetzen«, sagt Franziska. »Sie hat auch gar nicht die medizinischen Kompetenzen dafür. Es ist wünschenswert, dass der Berufsstand der Hebamme wieder an Bedeutung gewinnt, nach dem Motto: Frauen Hand in Hand für eine selbstbestimmte Geburtskultur.«
Bevor sie ihren Beruf aufnimmt, hat Franziska noch einiges vor sich. Zum Beispiel braucht sie eine gute Betreuung für ihre Tochter während der Einsätze und in Zeiten der Rufbereitschaft. Einige Doulas bieten auch Massagen und Entspannungstechniken an, andere legen das Augenmerk mehr auf Gespräche und die Fähigkeit zu einer starken Präsenz. Bei der Auswahl der Praktika muss Franziska beide Aspekte berücksichtigen. »Zu Beginn der Ausbildung war ich oft unsicher, ob ich diejenige bin, die hilft, oder die, die begleitet. Und ob ich es aushalte, wenn es gar nicht darum geht, etwas zu tun oder zurechtzurücken, sondern einfach nur dazusein.« Inzwischen zeichnet sich der Weg deutlicher ab. Langfristig plant Franziska eine Ausbildung als Trauerbegleiterin.
Für einen so unbekannten Beruf ist das ein weites Feld – für ein angemessenes Willkommenheißen der nächsten Generationen genau das ­Richtige. • 


www.doulas-in-deutschland.de
www.gfg-bv.de
www.mamaloewenherz.blogspot.de

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